True wireless headphones – True nightmare to select one

Ich höre gerne Musik und mag darum herum keinen grossen Krimskrams, ich bin etwas puristisch. Das hat in der Vergangenheit leider etwas zu Gunsten des wenig Krimskrams geändert. Will heissen, Digital-Verstärker, nur noch ab Mediaserver oder iPhone. Letzteres hatte klangmässig lange wenig zu bieten. Inzwischen ist es etwas besser, leider aber ohne Klinke. Dieser Übergangsstecker Lightning -> Klinke ist einfach nur ein Ärgernis.

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Die erzwungene Lösung vom Kabel

Weil ich gerne Musik höre, sind mir Kopfhörer wichtig. Ich trug immer sound isolating In-Ears. Dies einerseits, weil mir over-ears immer zu wenig transportabel, weil klobig und zu schwitzig waren, andererseits weil mir lieber war, wenn möglichst viel der Kosten in Akustik und nicht in Active-Noise-Cancelling (ANC) gesteckt wurde (rechne). Jahrelang waren Shure 535 meine erste Wahl. Die Kabel liessen sich auswechseln, der Klang war schlicht der Hammer. Aber leider waren irgenwann die (mechanischen) Filter kaputt und die 10-Rappen-Teile gab es nicht als Ersatz. Die läppische Antwort von Shure war: Ich solle doch die 846er kaufen (kosten 900 Franken, das ist mir dann doch zu viel). Danach bin ich auf die RHA T20i umgestiegen. Toller, puristischer Sound mit grandioser Verarbeitung zu günstigem Preis. Wegen der metallenen und darum schweren Gehäusen hat das mit dem Fitting bei mir nicht immer ganz funktioniert. Das grosse Ärgenis war aber die immer brechenden Kabel, und weil diese nicht ausgetauscht werden können, habe ich jetzt zwei Sets von nutzlosen in-ears. RHA muss man zu Gute halten, dass sie mir das erste Paar auf Garantie ersetzt hatten, leider waren danach die Kabel auch wieder nach 1 – 2 Jahren  gebrochen (und ich nutze sie schonend).

True wireless odyssey

Mit was ersetzen also? Wieder Kabel? Der bescheuerte Apple-Krimskrams-Dongel bleibt. Viel Bluetooth um die Birne ist mir auf Dauer etwas suspekt. Dazu kommt, dass ich ein baumgrosser Kerl bin und darum auch oft Mühe mit richtigem Fitting der Ohrstöpsel habe (unter large geht nichts). Ein In-Ear, der nicht sitzt, ist wertlos. Wegen dem Dongeldings-Ärger über Apple verzichte ich auch auf AirPods, vor allem aber weil „One size fits all“ bei mir eben nicht funktioniert. Bluetooth-Kopföhrer mit Nackenkabel bleiben immer an meinem Kragen hängen, darum mussten es „true wireless“ sein. Also welches Produkt wählen? Ich habe stundenlag Test und Reviews gelesen und angeschaut. Einen Makel hatte jeder In-Ear:

  • Jabra Elite T75t, RHA Trueconnect sind nicht auf den technologisch neusten Stand (und die Jabras sehen sch.., äh suboptimal aus).
  • Sony WF-1000XM3 hat ANC (wofür?), sind klobig, insbeondere das Ladegehäuse, und man kann am Ohr die Lautstärke nicht verstellen.
  • Sennheiser Momentum sind mir zu teuer und haben ANC.
  • Bose, Beats? Hahaha, guter Witz, ich will doch keine zu Lasten der Boom-Boom-Generation verzerrte Frequenzgänge.
  • Klipsch T5: Klipsch war schon immer gut in Sachen Sound. Leider sollen die Dinger viele Aussetzer haben. Das kann ich gar nicht ab.
  • uvm.

Shootout – die letzten drei

Es kamen immer mal wieder neue Typen dazu oder fielen weg. Es gibt schlicht eine Unmenge von Produkten. Ganz gegen Schluss kamen so noch drei Produkte mit sehr guten Soundeigenschaften in die Endauswahl. Die Samsung Buds+, die Anker Liberty Pro 2 und die Cambride Audio Melomania 1. Die Samsung Buds+ fielen aus dem Rennen, weil sie AptX nicht unterstützen und mit IP2X nur schlecht gegen Schweiss und Wasser geschützt sind (will sie auch im Gym tragen), da blieben nur noch zwei. Die Anker Liberty Pro (die zwar etwas klobig sind) und die Cambridge Audio Melomania 1 (die in der Schweiz kaum erhältlich sind). Den Todesstoss zu den Anker Liberty Pro 2 gab diese Review und der Follow-up dazu. Kann sein, dass nicht alle das hören können. Ich weiss aber, wenn ich das einmal höre, kann ich nicht mehr weghören. Somit blieben die Melomania 1. Zu diesen gab es nicht so viele Reviews, aber alle waren sehr gut. Blieb nur noch das Problem, woher nehmen? Der einzige Online-Shop war der von techstudio.ch. Noch nie davon gehört und darum immer ein Abenteuer. War aber alles prima: Schnell, freundlich, etc.
Übrigens, die drei besten Review-Kanäle auf Youtube finde ich Damir Franc, der bereits erwähnte mrkwd – Tech Guy und Jim’s Review Room. Gute Reviews bei den Kopfhoerer.de, Soundguys.com, shortlist.com, whathifi.com

Melomania 1 – und jetzt?

IMG_7284Ich besitze die Dinger jetzt seit vier Tagen und kann ein erstes Fazit ziehen. Schnell gesagt – Toll! Etwas ausführlicher (wenn du bis hier gelesen hast, dann halte durch):

Schon beim Öffnen viel Spass: „For People who Listen“ – ein Versprechen für Musikpuristen. Alles kommt elegant und schnörkellos daher. Die Verpackung, das Case, die Buds. Es gibt keine App dazu (wofür auch?), es hat keine Pins an den Buds für das Aufladen (erfolgt über den Wachsfilter und den Metallring), das Case findet in jeder (Hosen-)Tasche Platz, LED-Anzeigen an den Buds zeigen den Verbindungsstatus an und die LED-Anzeigen am Case die noch zur Verfügung stehenden Ladezyklen. Was ich sehr wertig anfühlt, sind die Magnete. Die Buds schnappen förmlich in das Case und der Deckel von Letzerem schnappt deutlich zu – ich mag das. Die Buds sind extrem leicht (4.6 Gramm pro Bud), sitzen dadurch auch enorm sicher.  Die Auswahl an Tips ist etwas überschaubar. Mit den grossen Siliko-Tips habe ich einen anständigen Fit gefunden. Wenn man sie mehrere Stunden drin hat, merkt man aber etwas Kantiges an den Ohren, da beginnen sie unangenehm zu werden. Ich werde darum die Schaum-Tips in Large bei Cambridge Audio bestellen (die liegen nicht bei). Sollte ich weitere brauchen oder ein Silicon-Schutzcase, dann sieht es in der Schweiz düster aus. Schlichtweg nicht erhältlich. Auch über die Amazon-Lieferung nicht. Ich habe dazu mal bei Cambridge Audio nachgefragt.

Wie steht es mit den Kritikpunkten in den Reviews?  Dass ein Laden nur mit Micro-USB möglich ist und nicht kabellos oder mit USB-C ist mir schnuppewurst, ich habe eh fast immer ein Micro-USB mit. Die schlechte Mikroqualität in Telefon- oder Video-Konferenzen? Bisher hat sie nie jemand beklagt. Es ist dabei aber eben auch zu beachten, dass die Mikrofone ausgerichtet werden müssen. Beim kugelrunden Bud kann es schnell gesehen, dass eines Richtung Ohr guckt. Die kleinen Dellen auf den (echten) Bedienknöpfen helfen beim Ausrichten.

Gibt es was Negatives? Ich hatte ein paar Aussetzer. Daran kann aber auch das iPhone Schuld  sein. Ich hatte sie meist, wenn ich z.B. mit einem Game rumfummle. Das werde ich aber beobachten müssen. Und eben: Dass kein (mir) bekannter Schweizer Online-Shop die Dinger oder Ersatzteile dazu führt ist eher beschämend.

Und der Sound?

Der Sound ist sehr gut, aber das ist auch immer Geschmacksache. Ich bin ja wie oben geschrieben kein Anhänger von Boom-Boom-Boom-Boom-I-want-you-in-my-Room-Musik oder irgendwelchem basslastigem Gedöns. Der Bass ist satt, aber nicht überzeichnet: Ich höre Rock, Pop, Klassik, Singer-Songwritert, Metal und da performen sie grossartig. Auch die Stereo-Breite ist gut (also der Eindruck, wie weit die Lautsprecher auf der virtuellen Bühne voneinander entfernt sind). Von Zeichnung erinnern sie mich etwas an Studio-Lautsprecher, weil sie enorm klar sind und Details sehr deutlich wiedergeben (auch das ist nich jedermanns Geschmack!). Man hört kleine Nuancen heraus:

  • Wie das Background-Zungenschnalzen in „No Roots“ von Alice Merton (das mir bisher noch gar nie aufgefallen ist).
  • Die klare Stereo-Auftrennung von Stimme, Akkustik-Gitarre und Piano, sowie das Besen-Snare in Damien Rices „Cold Water“.
  • Florence an the Machines „Dog Days are over“ zeichet jeden Ton so scharf wie ein Hocho schneidet.
  • Die Dynamik in Marylin Mansons „This is the New Shit“ ist gut, auch wenn mir wie bei anderen Liedern etwas der „Punch“ fehlt (aber hey, wir sprechen hier von in-ears für 160 Franken!).
  • In Calexicos „Close Behind“ kann ich problemlos jedem Instrument und selbstverständlich dem Gesang folgen, so deutlich und klar zeichnen sie.
  • Bei Ludovico Enaudis „Leo“ hört man jedes Dämpfer-Pedal des Flügels
  • Und bei „Joanne“, Piano-Version von Lady Gaga ist jeder stimmliche Laut zu hören

Fazit: Was die Köpfhörer angeht: Jeden Franken wert, sehr, sehr gute Sound-Qualität (insbesondere für den Preis !), manchmal fehlt etwas der Punch oder Höhen sind etwas scharf, aber das ist wohl auch  Geschmacksache. Vielleicht holen da die Schaum-Ohrstücke noch etwas raus. Akkudauer ist klasse, das kleine Etui auch. Alles sehr wertig. Eine feine Sache, kann ich nur empfehlen. Einziger wirklicher Nachteil: Woher bekommt man in der Schweiz bloss Zubehör?

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