BMW Motorrad – Oder wie man einen Love-Brand zerstört

Ich weiss, ich weiss, man möchte lieber wissen, wie man denn einen „Love-Brand“ aufbaut. Quasi den Heiligen Gral des Marketings erreicht. Das ist gar nicht so einfach, aber anhand daran, wie man denn den Love-Brand zerstört, kann man ja auch schon viel lernen. Hier ein Beispiel:
BMW-Motorrad war für mein ein solcher Love-Brand. Was musste ich mir anhören, weil ich BMW fuhr (Charakterlos, nur für Zahnärzte, Hobby-Abenteurer, langeweilig, etc. pp.). Insbesondere, weil ich ne R1200GS fahre, ne Reiseenduro und die heilige Kuh von BMW Motorrad. Quasi der Land Rover mit Strassenbereifung (mit dem ich aber zumindest schon mal ans Nordkapp fuhr). Das habe ich bisher mit einem süffisanten Lächeln weggesteckt, weil ich insgeheim wusste, die Kiste ist halt besser, sie funktioniert immer und spätestens wenn die Kritiker selbst mal damit fahren, wollen sie danach nichts anderes mehr. Darum haben wohl auch schon ein paar Personen wegen mir ne GS gekauft. Das war für 15 Jahre so. Ich habe nach acht und vor sieben Jahren die damals neue GS ungesehen und ungefahren gekauft, ins Blaue raus, weil ich mir sicher war, BMW Motorrad kann sich keinen Fehler erlauben. Ein Love-Brand eben.

Heute würde ich das nicht mehr tun. Zu vieles lief und läuft da schief. Da gab es erst Rückrufe (Kupplung), Garantiefälle (Lichtanlage), Qualitätsmängel (Getriebewechsel). Zuletzt fiel mal ein Zusatzscheinwerfer aus, den ich erst vor 2 Jahren gekauft hatte und der gerade mal 5000 Km hielt. Mehrere Wochen konnte der dann nicht geliefert werden. Aktuell musste ich einen Kupplungsmikroschalter (das sind so Schalter wie in der Maus, einfach für Draussen – Dutzendware) und das Windschild (ein durchsichtiger Plastik mit vier Löchern drin) wechseln, das war bei den Bohrungen gerissen und das bloss vom gelegentlichen Fahren. Kostenpunnkt: Rund 600 Franken. Das ist schon sehr dreist: Einerseits wie schnell und ohne Fremdeinwirkung das alles kaputt geht und wie viel das dann kostet. Ein Schelm, der Böses dabei denkt und meint, irgend jemand setzt dort auf die Druckerphilosophie und möglichst viel Neuverkauf.

Was am stärksten stört, ist aber, dass BMW Motorrad die Kunden nach dem Kauf schlicht egal sind. Als ich den defekten Zusatzscheinwerfer oder ein Problem mal monnierte (die Frage war, warum soll ich wieder Vertrauen in die Marke haben, die von viel Abenteuer spricht, bei der das grösste Abenteuer inzwischen aber nicht auf dem Motorrad stattfindet), kam online gar keine Antwort. Die Mail wurde dann nach vier Wochen (nach dem Vorführtermin) dahingehend beantwortet, dass man nicht kulant sein könne (war gar nicht gefragt), ich doch für das Vorführen einfach die Lampen abschrauben solle (der Termin war bereits drei Wochen durch) und man wünsche mir viel Freude am Fahren (finde den Fehler). Nota bene hatte ich mein letztes Motorrad zuletzt nach acht Jahren gekauft, es hätte ja gut sein können, dass nächstes Jahr wieder ein Neukauf anstünde (aber as ging beim ganzen Content-Marketing-Hype wohl vergessen, das das erst funktioniert, wenn man die Hausaufgaben gemacht hat).


Mich vergrault so etwas. Es ist verrückt, BMW-Motorrad war ein Love-Brand und hat es in wenigen Jahren geschafft, dass ich :

  • BMW-Motorrad sicher nicht mehr weiterempfehlen werde.
  • Ich meinen Neukauf so lange wie es geht herauszögern werde.
  • Bei einem Neukauf erstmals nicht einfach das (Nachfolge)-Modell kaufen werde, das ich im Kopf habe, sondern unterschiedliche Fahrzeuge evaluieren werde.
  • mich als Kunde einfach selbstverständlich als Zahler fühle.
  • als Kunde lieber alle Marketing-Aktivitäten abbestelle, weil es nur noch ärgerlich ist, wenn man mit Verkaufsförderung befeuert wird und Anfragen unbeantwortet und ungelesen beantwortet werden.

Wie es andes geht, das zeigt mir Fujifilm, ein Love-Brand. Ich habe eine Kamera die mir beim Kauf viel Spass machte, bei der ich keinen Kundensupport brauche, weil sie nie kaputt geht. They never let me down. Die Kamera wurde mehrfach kostenlos über Firmware-Updates mit bessern und zusätzlichen Funktionen in ihrem Wert gesteigert und deren Einsatzdauer verlängert. Es ist für mich absolut klar, dass die nächste Kamera wieder eine Fuji sein wird. Dieser Kauf steht an: Einziger Haken ist, der Neupreis der aktuellen X-T4 war/ist mir im Vergleich zum Vorgängermodell etwas zu hoch. Jedes Mal, wenn mir das vor dem Kauf durch den Kopf gehen wird, werde ich daran denken, die 600 Franken Differenz zur X-T3 schon an BMW-Motorrad für überteuerte Erstatzteile bezahlt zu haben. Das ist denen egal, sie meinen wohl, wenn sie mir einfach viel „Freude am Fahren“ wünschten und sinnbefreite TikTok-Videos um die Ohren haufen, sei alles super. O tempora, o mores!

Züri, mit scharf

Mit dem Alter steigen auch die Dioptrien. Nachdem die Kurzsichtigkeit lange stabil blieb, nimmt die Altersweitsichtigkeit rasant zu. Es ist wohl auch ein Preis den ich dafür zahle, seit über dreissig Jahren mehrheitlich am Bildschirm zu arbeiten. Damals mit Plasma-Screens, Röhren-Bestrahlung und grünen Terminals im ASCII-Modus. Jetzt versuche ich mich gerade mich an die zweiten Bifokal-Gläser zu gewöhnen. Es wird schwierig. Die Augen zu lasern ging mir schon ein paarmal durch den Kopf. Doch ich habe schon trockene Augen und will das nicht noch verschlimmern. Aber wenn die Unannehmlichkeiten mit der Brille weiter zunehmen und das optisch und mechanisch immer schwerer zu lösen ist (und ich mehr Mut bekomme), dann werde ich wohl weicher.

Ich wollte mir dafür Zeit lassen, mir waren eigentlich erst in ein paar Jahren danach oder nach einer neuen Brille. Aber da mein Cousin ein Brillengeschäft besitzt und auch für Optiker die letzten Monate sehr schwierig waren, habe ich mich entschieden, mir sogleich ein neues Nasenvelo zu beschaffen. Mit Überraschung!

Mehr lokal geht fast nicht

lokaler Design, lokaler Schliff, lokaler Verkauf

Dass ich bei meinem Cousin in Zürich-Höngg einkaufe ist klar. Ich verstehe auch, wenn Leute bei Fielmann einkaufen gehen, letztlich ist es doch eine teure Anschaffung und obschon ich seit Kindheit eine Brille trage und dafür eigentlich nichts kann, verstehe ich immer noch nicht, weshalb Krankenkassen für wirkungslose Globulis bezahlen, aber nicht für eine angeborene Krankheit.

Wie auch immer, das kann ich nicht ändern. Aber wo ich einkaufe schon (oder eben nicht). Denn für micht macht der Optiker meines Vertrauens eben auch einen grossen Unterschied: Er macht eine sehr persönliche Betreuung, ich kann jederzeit vorbei und mir die Bügel wieder richten zu lassen und ich merke, dass ihm am wichtigsten ist, dass ich zufrieden und dem für mich besten Resutat nach Hause kann. Dank ihm konnte ich auch schon mal sehen, wie denn so ein Glas von Essilor an der Hardturmstrasse (auch in Zürich) entsteht. Beeindruckend.

Nachdem ich mir mein neues Gestell ausgesucht hatte, wurde ich überrascht: Der Designer und Produzent, Nirvan Javan, ist auch aus Zürich-Höngg und die Brille stammt aus der Zurich-Kollektion. Ein Zufall, aber ein schöner. Und wenn wir schon bei schön sind. Ein schönes Design, finde ich. Sowohl Brille, als auch Etui.

True wireless headphones – True nightmare to select one

True wireless headphones – True nightmare to select one

Ich höre gerne Musik und mag darum herum keinen grossen Krimskrams, ich bin etwas puristisch. Das hat in der Vergangenheit leider etwas zu Gunsten des wenig Krimskrams geändert. Will heissen, Digital-Verstärker, nur noch ab Mediaserver oder iPhone. Letzteres hatte klangmässig lange wenig zu bieten. Inzwischen ist es etwas besser, leider aber ohne Klinke. Dieser Übergangsstecker Lightning -> Klinke ist einfach nur ein Ärgernis.

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Die erzwungene Lösung vom Kabel

Weil ich gerne Musik höre, sind mir Kopfhörer wichtig. Ich trug immer sound isolating In-Ears. Dies einerseits, weil mir over-ears immer zu wenig transportabel, weil klobig und zu schwitzig waren, andererseits weil mir lieber war, wenn möglichst viel der Kosten in Akustik und nicht in Active-Noise-Cancelling (ANC) gesteckt wurde (rechne). Jahrelang waren Shure 535 meine erste Wahl. Die Kabel liessen sich auswechseln, der Klang war schlicht der Hammer. Aber leider waren irgenwann die (mechanischen) Filter kaputt und die 10-Rappen-Teile gab es nicht als Ersatz. Die läppische Antwort von Shure war: Ich solle doch die 846er kaufen (kosten 900 Franken, das ist mir dann doch zu viel). Danach bin ich auf die RHA T20i umgestiegen. Toller, puristischer Sound mit grandioser Verarbeitung zu günstigem Preis. Wegen der metallenen und darum schweren Gehäusen hat das mit dem Fitting bei mir nicht immer ganz funktioniert. Das grosse Ärgenis war aber die immer brechenden Kabel, und weil diese nicht ausgetauscht werden können, habe ich jetzt zwei Sets von nutzlosen in-ears. RHA muss man zu Gute halten, dass sie mir das erste Paar auf Garantie ersetzt hatten, leider waren danach die Kabel auch wieder nach 1 – 2 Jahren  gebrochen (und ich nutze sie schonend).

True wireless odyssey

Mit was ersetzen also? Wieder Kabel? Der bescheuerte Apple-Krimskrams-Dongel bleibt. Viel Bluetooth um die Birne ist mir auf Dauer etwas suspekt. Dazu kommt, dass ich ein baumgrosser Kerl bin und darum auch oft Mühe mit richtigem Fitting der Ohrstöpsel habe (unter large geht nichts). Ein In-Ear, der nicht sitzt, ist wertlos. Wegen dem Dongeldings-Ärger über Apple verzichte ich auch auf AirPods, vor allem aber weil „One size fits all“ bei mir eben nicht funktioniert. Bluetooth-Kopföhrer mit Nackenkabel bleiben immer an meinem Kragen hängen, darum mussten es „true wireless“ sein. Also welches Produkt wählen? Ich habe stundenlag Test und Reviews gelesen und angeschaut. Einen Makel hatte jeder In-Ear:

  • Jabra Elite T75t, RHA Trueconnect sind nicht auf den technologisch neusten Stand (und die Jabras sehen sch.., äh suboptimal aus).
  • Sony WF-1000XM3 hat ANC (wofür?), sind klobig, insbeondere das Ladegehäuse, und man kann am Ohr die Lautstärke nicht verstellen.
  • Sennheiser Momentum sind mir zu teuer und haben ANC.
  • Bose, Beats? Hahaha, guter Witz, ich will doch keine zu Lasten der Boom-Boom-Generation verzerrte Frequenzgänge.
  • Klipsch T5: Klipsch war schon immer gut in Sachen Sound. Leider sollen die Dinger viele Aussetzer haben. Das kann ich gar nicht ab.
  • uvm.

Shootout – die letzten drei

Es kamen immer mal wieder neue Typen dazu oder fielen weg. Es gibt schlicht eine Unmenge von Produkten. Ganz gegen Schluss kamen so noch drei Produkte mit sehr guten Soundeigenschaften in die Endauswahl. Die Samsung Buds+, die Anker Liberty Pro 2 und die Cambride Audio Melomania 1. Die Samsung Buds+ fielen aus dem Rennen, weil sie AptX nicht unterstützen und mit IP2X nur schlecht gegen Schweiss und Wasser geschützt sind (will sie auch im Gym tragen), da blieben nur noch zwei. Die Anker Liberty Pro (die zwar etwas klobig sind) und die Cambridge Audio Melomania 1 (die in der Schweiz kaum erhältlich sind). Den Todesstoss zu den Anker Liberty Pro 2 gab diese Review und der Follow-up dazu. Kann sein, dass nicht alle das hören können. Ich weiss aber, wenn ich das einmal höre, kann ich nicht mehr weghören. Somit blieben die Melomania 1. Zu diesen gab es nicht so viele Reviews, aber alle waren sehr gut. Blieb nur noch das Problem, woher nehmen? Der einzige Online-Shop war der von techstudio.ch. Noch nie davon gehört und darum immer ein Abenteuer. War aber alles prima: Schnell, freundlich, etc.
Übrigens, die drei besten Review-Kanäle auf Youtube finde ich Damir Franc, der bereits erwähnte mrkwd – Tech Guy und Jim’s Review Room. Gute Reviews bei den Kopfhoerer.de, Soundguys.com, shortlist.com, whathifi.com

Melomania 1 – und jetzt?

IMG_7284Ich besitze die Dinger jetzt seit vier Tagen und kann ein erstes Fazit ziehen. Schnell gesagt – Toll! Etwas ausführlicher (wenn du bis hier gelesen hast, dann halte durch):

Schon beim Öffnen viel Spass: „For People who Listen“ – ein Versprechen für Musikpuristen. Alles kommt elegant und schnörkellos daher. Die Verpackung, das Case, die Buds. Es gibt keine App dazu (wofür auch?), es hat keine Pins an den Buds für das Aufladen (erfolgt über den Wachsfilter und den Metallring), das Case findet in jeder (Hosen-)Tasche Platz, LED-Anzeigen an den Buds zeigen den Verbindungsstatus an und die LED-Anzeigen am Case die noch zur Verfügung stehenden Ladezyklen. Was ich sehr wertig anfühlt, sind die Magnete. Die Buds schnappen förmlich in das Case und der Deckel von Letzerem schnappt deutlich zu – ich mag das. Die Buds sind extrem leicht (4.6 Gramm pro Bud), sitzen dadurch auch enorm sicher.  Die Auswahl an Tips ist etwas überschaubar. Mit den grossen Siliko-Tips habe ich einen anständigen Fit gefunden. Wenn man sie mehrere Stunden drin hat, merkt man aber etwas Kantiges an den Ohren, da beginnen sie unangenehm zu werden. Ich werde darum die Schaum-Tips in Large bei Cambridge Audio bestellen (die liegen nicht bei). Sollte ich weitere brauchen oder ein Silicon-Schutzcase, dann sieht es in der Schweiz düster aus. Schlichtweg nicht erhältlich. Auch über die Amazon-Lieferung nicht. Ich habe dazu mal bei Cambridge Audio nachgefragt.

Wie steht es mit den Kritikpunkten in den Reviews?  Dass ein Laden nur mit Micro-USB möglich ist und nicht kabellos oder mit USB-C ist mir schnuppewurst, ich habe eh fast immer ein Micro-USB mit. Die schlechte Mikroqualität in Telefon- oder Video-Konferenzen? Bisher hat sie nie jemand beklagt. Es ist dabei aber eben auch zu beachten, dass die Mikrofone ausgerichtet werden müssen. Beim kugelrunden Bud kann es schnell gesehen, dass eines Richtung Ohr guckt. Die kleinen Dellen auf den (echten) Bedienknöpfen helfen beim Ausrichten.

Gibt es was Negatives? Ich hatte ein paar Aussetzer. Daran kann aber auch das iPhone Schuld  sein. Ich hatte sie meist, wenn ich z.B. mit einem Game rumfummle. Das werde ich aber beobachten müssen. Und eben: Dass kein (mir) bekannter Schweizer Online-Shop die Dinger oder Ersatzteile dazu führt ist eher beschämend.

Und der Sound?

Der Sound ist sehr gut, aber das ist auch immer Geschmacksache. Ich bin ja wie oben geschrieben kein Anhänger von Boom-Boom-Boom-Boom-I-want-you-in-my-Room-Musik oder irgendwelchem basslastigem Gedöns. Der Bass ist satt, aber nicht überzeichnet: Ich höre Rock, Pop, Klassik, Singer-Songwritert, Metal und da performen sie grossartig. Auch die Stereo-Breite ist gut (also der Eindruck, wie weit die Lautsprecher auf der virtuellen Bühne voneinander entfernt sind). Von Zeichnung erinnern sie mich etwas an Studio-Lautsprecher, weil sie enorm klar sind und Details sehr deutlich wiedergeben (auch das ist nich jedermanns Geschmack!). Man hört kleine Nuancen heraus:

  • Wie das Background-Zungenschnalzen in „No Roots“ von Alice Merton (das mir bisher noch gar nie aufgefallen ist).
  • Die klare Stereo-Auftrennung von Stimme, Akkustik-Gitarre und Piano, sowie das Besen-Snare in Damien Rices „Cold Water“.
  • Florence an the Machines „Dog Days are over“ zeichet jeden Ton so scharf wie ein Hocho schneidet.
  • Die Dynamik in Marylin Mansons „This is the New Shit“ ist gut, auch wenn mir wie bei anderen Liedern etwas der „Punch“ fehlt (aber hey, wir sprechen hier von in-ears für 160 Franken!).
  • In Calexicos „Close Behind“ kann ich problemlos jedem Instrument und selbstverständlich dem Gesang folgen, so deutlich und klar zeichnen sie.
  • Bei Ludovico Enaudis „Leo“ hört man jedes Dämpfer-Pedal des Flügels
  • Und bei „Joanne“, Piano-Version von Lady Gaga ist jeder stimmliche Laut zu hören

Fazit: Was die Köpfhörer angeht: Jeden Franken wert, sehr, sehr gute Sound-Qualität (insbesondere für den Preis !), manchmal fehlt etwas der Punch oder Höhen sind etwas scharf, aber das ist wohl auch  Geschmacksache. Vielleicht holen da die Schaum-Ohrstücke noch etwas raus. Akkudauer ist klasse, das kleine Etui auch. Alles sehr wertig. Eine feine Sache, kann ich nur empfehlen. Einziger wirklicher Nachteil: Woher bekommt man in der Schweiz bloss Zubehör?

The Red Bull Innovator – Wie man Neukunden vergrault

Red Bull verbindet man mit gutem aber vor allem auch aggressivem Marketing. Die Leistung ist beeindrukend. Man stelle sich vor, man ginge zu einem Investor, sagte dem: „Wir füllen Wasser und Zucker in Dosen ab, es riecht nach Gummbärchen, wir nennen es ‚Energy Drink‘ und mit dem Verkauf bauen wir dann Autorennställe, Flugshows, Events, Fallschirmsprünge aus dem Weltall und all so Zeugs auf“. Die Runzeln über der hochgezogenen Augenbrauhe wäre wohl tiefer als die St-Andreas-Spalte. Das ist natürlich alles übertrieben, aber die Marketingmaschinerie von Red Bull und das damit verbundene Resultat ist schon sehr beeindruckend. Dass sich der Konzern dann solche Aussetzer bei der Neukundengewinnung für ihr Magazin „Innovator“ leistet, wie ich nachfolgend beschreibe, ist verwunderlich.

Neukundengewinnung

Wie wichtig die Neukundengewinnung im Marketing ist, muss man wohl niemandem mehr erklären. Bei vielen Firmen wird darob gar vergessen, noch irgendwelches Geld in für die Bestandeskunden aufzuwerfen. Die Neukundengewinnung ist aus verschiedenen Gründen wichtig. Einerseits weil wie geschrieben viel Geld investiert wird. Dieses Geld muss wieder reingeholt werden, wenn man keinen Verlust erwirtschaften möchte. Anderereseits beginnen Neukunden erst eine Marke zu erleben. Es ist so quasi wie beim ersten Kuss einer neuen Liebschaft. Man ist auf sich aufmerksam geworden (Werbung), hat sich bei den ersten Treffen etwas beschnuppert (Test-Abo) wenn das alles gut verläuft, ergibt sich eine Bindung. Wenn es sehr gut läuft, eine ganz lange (hoher custormer lifetime value). Wenn man es schon beim ersten Date versemmelt, wird das danach nichts mehr. „You never get a second chance to make a first impression“ heisst es nicht umsonst.

Anleitung zum Versemmeln

Ich bin ein Marketingmensch und bin zurzeit wieder in einem Marketing-Studium (man lernt nie aus). Im Rahmen dieses Studiums wurde mir für ein Jahr kostenlos ein Abonnement des „Innovators“ von Red Bull angeboten. Das ausgelegte Magazin war hübsch aufgemacht und der Inhalt wird mir sicher auch etwas Inspiration fürs Studium geben, dachte ich. Ich hinterliess also meine Informationen. Dann ging ein Ablauf los, der wohl in keiner Customer-Journey bisher beschreiben wurde:

  1. Anstelle der ersten Magazin-Zusendung erhielt ich eine Rechnung mit dem Vermerkt, dass mein Test-Abo jetzt abgelaufen sei und ich fortan zu zahlen habe. Das war ja schon mal ein Seemannsköpfler in den Fettnapf der Neukundengewinnung.
  2. Daraufhin schrieb ich ein Mail mit der Bitte, alle meine Daten umgehend zu löschen. Auf dieses Mail erhielt ich keine Antwort und meine Daten wurden nicht gelöscht, wie ich merkte.
  3. Als Nächstes kam ein Entschuldigungsschreiben per Post. OK, Fehler können geschehen, aber auf mein Mail wurde nicht eingegangen.
  4. Wenige Tage später erhielt ich dann eine Zahlungserinnerung. Ich fragte mich, ob die Kundendaten per Post-it verwalten.
  5. Wieder ein paar Tage später erhielt ich ein erneutes Entschuldigungsschreiben, dieses Mal in einem C4-Couvert.
  6. Das C4-Couvert wurde ungenügend frankiert und weil keine Absender-Adresse draufstand, werde ich als Empfänger gebeten, das fehlende Porto zu bezahlen.

 

 

Man bleibt etwas ratlos zurück, aber innovativ war das. Vielleicht habe ich das Magazin ganz einfach falsch verstanden.

 

PS: Zum Schluss wird mir im Schreiben übrigens „weiterhin viel Lesevergnügen“ gewünscht und dass man mir bei Fragen gerne zur Verfügung stünde. Vielleicht muss ich meinen Aufruf zur Datenlöschung als Frage definieren?

Nachtrag (28. März 2020):

7. Ich bakam ein Mail, in dem mir mitgeteilt wurde, dass mein Gratis-Abonnement wunschgemäss storniet wurde (mein Wunsch war übrigens, dass sie alle meine Daten löschen)

8. Einen Monat später wurde mir die erste Ausgabe zugestellt.

5. Februar #Twitterbier #Zürisee – Memorial

Liebe Twitterinnen und Twitterer

unbenannte Fotosession-0442Wir haben es alles vernommen. Marcel hat einen Entschluss gefasst, den wir alle nicht greifen können. Einen Entscheid, der mir für einen Moment den Boden unter den Füssen wegzog. Ich wollte es erst gar nicht glauben. Marcel, das konnte nicht sein. Er, über den ich nie von jemandem auch nur ansatzweise etwas Negatives hörte. Er, der Menschen beriet, ihnen eine neue Perspektive, einen Weg aufzeigte.

Sein Weg hatte keinen Fortsetzung.

Er, der Menschen zusammenbrachte, lachte und Menschen zum Lachen brachte. Er, der das Twitterbier Zürisee einberief, an dem ich andere grossartige Menschen kennenlernen durfte, Geschichten erzählen konnte, Geschichten anhören konnte, tratschen konnte, mich freuen konnte, keine gesellschaftliche Konventionen einhalten musste, ausser einen Hashtag zu setzen.

Seine Geschichte wird nicht fortgeschrieben.

Er, der einen Teil seines Lebens mit uns teilte, wenn es ihm gut ging und wenn es ihm nicht so gut ging. Ihm, dem wir #alleswirdgut widmeten, um unsere Solidarität mit ihm zu teilen. Weil er uns wichtig war, weil uns wichtig war, dass es ihm gut geht. Jetzt gibt es diese Lücke, die auch unsere Tränen nicht zu füllen mögen, die Fragezeichen in unseren Gedanken, die nicht mehr gelöscht werden können, wie tätowiert. Ich kannte Marcel nicht gut, wir alle kannten ihn wohl zu wenig, aber ich bin mir sicher, dass er uns raten würde, unseren Blick nach vorne zu richten.

Sein Geist soll weiterleben

Mir ist darum im Dezember bereits spontan in den Sinn gekommen, ein #Twitterbier #Zürisee, ein letztes oder ein Start für eine neue Serie einzuberufen. Ich bekam auf diese Idee positiven Zuspruch, wollte aber erst etwas Zeit vergehen lassen, bis der Schrecken aus meinen, aus unseren  Knochen weichen konnte. Aufgrund meines aktuell relativ engen Terminkalenders bleibt mir fast nur der 5. Februar dafür. Ich hoffe, das geht möglichst vielen und würde mich freuen, viele Twitterinnen und Twitterer am #Twitterbier #Zürisee #Memorial wiederzusehen.

Mittwoch, 5. Februar, ab 18.30 Uhr im Seedamm Plaza, Restaurant OLEA

Herzlich, Marc

unbenannte Fotosession-3804-1PS: Und wenn du gerade an einer Kreuzung stehst und nach dem richtigen Weg suchst, hilft dir vielleicht Calvin Russel aufzuzeigen, dass es ganz normal ist, wenn man damit ringt. Geschichten werden in der Zukunft geschrieben und nicht in der Vergangenheit. Und der Geist bleibt, auch wenn die Erinnerung schmerzt.