Social Motzia

Man ist ja selbst nie im Fehler. Wenn etwas nicht nach dem Kopf geht, müssen andere daran Schuld sein. Überhaupt: Ich bin König, also Kunde, und habe darum Recht auf alles. Und wenn ich nicht alles bekomme, was ich mir vorstelle was dazugehört, dann schlage ich das erst mal auf den Sozialen Netzwerken breit, das macht etwas Druck und der Anbieter zeigt sich danach kulant. 

Es schadet einem nicht, wenn einem Unrecht geschieht. Man muss es nur vergessen können. [Soll Konfuzius gesagt haben]

Soziale Netzwerke haben den Kundendienst erweitert. Als Kunde habe ich einen einfachen, schnellen und asynchronen Zugang für eine Hilfestellung. Ich muss mich nicht in Telefonwarteschleifen langweilen und wenn der Anbieter mir antwortet, kann der Austausch sogar kurzzeitig synchron ablaufen. Gute Sache. Als Anbieter habe ich den Vorteil, dass meine Antworten von mehreren Kunden oder Interessenten gelesen werden (können) und dass ich gut zwischen öffentlicher und direkter Kommunikation wählen kann, sofern der Kunde das zulässt.

An mir selbst merke ich, dass ich oft eine Twitter-Direktnachricht dem E-Mail-Kontakt oder dem Telefon vorziehe. Erstens, weil die Firmen in Sozialen Netzwerken schneller zu finden sind als Telefonnummern und E-Mail-Adressen auf Webseiten. Zweitens, weil in den Kundendienst über Soziale Netzwerke dank dem Boom mehr investiert wurde (Geschulte Mitarbeitende, Prozesse, Regeln, etc.) – zumindest ist das mein Eindruck.

Busfenster, in dem sich Menschen spiegeln

Es hilft, sich zwischendurch wieder mal den Spiegel vorzuhalten

Was mir aber in letzter Zeit in den Sozialen Netzwerken auffällt, ist, dass einfach mal öffentlich gepoltert wird. Es kann ja schliesslich nicht sein, dass man selbst im Unrecht ist. Wir sagen zwar alle, dass Fehler passieren können. Aber wehe, wenn ich der Leidtragende bin, dann sage ich der Firma das nicht direkt, sondern poltere öffentlich auf Sozialen Netzwerken darauf los. Damit kann ich noch mehr Druck auf die Unternehmen ausüben, als wenn ich das direkt tue. Das ist mir in den letzten Wochen von zwei CEOs von Firmen besonders aufgefallen. Beide besitzen und führen B2B-Firmen, die im Online-Business tätig sind. Ich mag beide Personen sehr gut (auch wenn ich den einen nur flüchtig kenne) und finde auch deren unternehmerische Leistung, soweit ich sie beurteilen kann, beeindruckend – die machen nen guten Job. Ich erwähne sie aus zwei Gründen exemplarisch (die Einzelfälle sind nicht so relevant). Erstens, weil ich an sie in einem solchen Fall höhere Ansprüche stelle – weil sie als Vorbilder wirken. Zweitens, weil sie im B2B-Business arbeiten. Dieses erfolgt – mit Ausnahme von Erfolgsmeldungen – diskret. Reklamationen gelangen im extremsten Fall an den Chef. Ich habe mir darum überlegt, wie sie reagiert hätten, wenn einer ihrer B2B-Kunden erst mal öffentlich gepoltert hätte, bevor er mit ihnen in Kontakt getreten wäre. Was, wenn dann auch noch ein Tagesmedium auf die Geschichte aufgesprungen wäre (böser Anbieter, armer Kunde) und das alles bevor das Missverständnis aus der Welt geschaffen oder der Fehler hätte eingestanden werden, man eine Lösung hätte finden können? So was macht niemandem Spass und ich meine, wir sollten uns auch als Konsument wieder mal an der Nase nehmen und weniger aus Sozialen Netzwerken poltern und unserem Ärger nicht immer gleich Luft verschaffen.

Von der Ungerechtigkeit

Grosser Sack (Big Bag) gefüllt mit Bauschutt

Nicht immer gleich auf dicken Sack machen (gilt auch für Frauen)

Am Marketingtag (vor vielen Jahren) durfte ich dem Vortrag von Richard David Precht lauschen. Was mir an seinem Vortrag geblieben ist, und was mir für die Beurteilung von Motiven seither hilft, war die Aussage, dass der Mensch keinen angeborenen Gerechtigkeitssinn besitzt, nur einen angeborenen Sinn für Ungerechtigkeit. Der Unterschied scheint auf den ersten Blick fein, er tritt bei den Motiven aber sehr deutlich hervor: Zum Beispiel wenn mal etwas nicht ganz so läuft, wie man sich das vorstellt, man sich ungerecht behandelt fühlt oder wenn einem gar Unrecht widerfahren ist. Der Impuls ist gross, von unseren Freunden oder Medien oder sonst wem das Recht zugesprochen zu bekommen, das einem im aktuellen Fall (zu recht oder unrecht) versagt wurde. Ich ertappe mich ja jeweils selbst dabei. Aber ich habe mir vorgenommen, wieder erst auf die Unternehmen zuzugehen, bevor ich ein Thema (halb-)öffentlich breitschlage und eine Antwort, die mich nicht besänftigt, erst mal ein paar Stunden Tage setzen zu lassen. Schreiben wir doch auch wieder mal mehr Lob für gute Erlebnisse, Überraschendes Unerwartetes oder einfach darüber, dass etwas so selbstverständlich funktioniert. Das wäre zwar offenbar etwas gegen unser Naturel, aber nur gerecht.

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Wenn einer eine Reise tat – Klappe, die letzte

Imagebild Sonnenuntergang

Und dann geht die Sonne wieder unter. All good things must have an end

Und dann ist die Reise vorbei. 4678.4 Km Motorrad gefahren, bei Temperaturen von 4 bis 18 Grad Celsius. Vier fremde Länder besucht (OK, eines – Schweden – nur für 15 Minuten durchfahren). Drei Wochen aus dem Koffer gelebt, anderes Essen probiert, mit Menschen gesprochen, die ich vorher nicht kannte, Gedanken vergessen, die mich beschäftigten und neue gesponnen, von denen ich noch nicht weiss, wie sie meine Zukunft bestimmen werden. Auch wenn ich die Erlebnisse und Eindrücke erst noch alle verarbeiten muss, schliesse ich mit diesem Betrag den Reiseblog Nordkap.

Vorbereitung

Wie sich zeigte, war ich bei der Kleiderwahl sehr gut unterwegs. Zumindest, was die Menge angeht, bei der Zusammensetzung für die angesagten Temperaturen war ich zu optimistisch; mindestens eine lange Unterhose hätte ins Gepäck gemusst. Dafür hätte ich mir Badetuch und das zweite Paar Schuhe sparen können. Zudem hatte ich mir viel zu viel Gedanken über das Fotografieren gemacht (zu viele Speicherkarten, wenig Zeit zum Fotografieren). Der Soziusrucksack ist eine prima Sache, auch wenn sich an einem Ort jemand daran zu schaffen machte.

Fjorde in Norwegen

Jetzt wisst ihr, wieso Slartibartfast Fjorde mag

Ich ging davon aus, dass die von der Reiseorganisation vorgeschlagenen Routen die besten sind und habe die stundenlang in mein Navi programmiert (dafür müsste ich bei der Software von Garmin eigentlich einen Orden bekommen). Ich hätte mir in der Zeit besser Gedanken über Alternativrouten gemacht. Denn oft sind wir genau solche gefahren und die Vorbereitung war dann irgendwie zwischen Abendessen und Abfahrt.

Pre-Paid-Karten habe ich nicht gebraucht, fast alle Hotels hatten ein gratis WLAN. Das Bloggen mit dem iPad über die Bluetooth-Tastatur ging ganz gut, manchmal jedoch mit sekundenlangem Delay zwischen Tippen und Anzeige des Buchstabens, das war wohl WordPress geschuldet und raubte mir auch den Nerv. die Texte alle nochmals durchzulesen und hat wohl zu unzähligen Fehlern und Typos geführt. Snapseed als Ersatz für Lightroom für die Fotobearbeitung unterwegs hat sehr gut funktioniert.

Was noch? Ja, die R1200GS ist einfach ideal für eine solche Reise, love my bike.

Entscheidungen

Die schwierigste Entscheidung war diese betreffend meiner Rückenprobleme. Auch wenn ich diese schwierige Entscheidung richtig getroffen hatte, zeigte sich mir doch bei meiner Heimkehr, wie trügerisch die Sicherheit sein kann. So kroch ich nacht der ersten Nacht daheim fast auf allen Vieren aus dem Bett, dabei dachte ich, ich sei über das Gröbste hinweg. Wir werden sehen, wie sich das weiterentwickelt.

Die Entscheidung, die Tour nicht alleine zu bestreiten, war ebenfalls gut, denn es hätte zu viel schiefgehen können, man plant ja gerne einfach mit dem Best Case.

Der schönste Plan ist nichts wert, wenn das Fahren der Route keinen Spass macht. So haben wir im Trio eigentlich immer aufgrund des Wetters und der Verfassung während des Frühstücks entschieden, ob wir die «Diretissima« oder die «Scenic Route» fahren werden. Wegen den unsicheren Wetterprognosen machte das vorher schlicht keinen Sinn

Überraschungen

Landschaft Norwegen mit Pferd

Einfach schön

Urlaub soll auch Überraschungen bescheren. So sah‘ ich zwar keine Elche, aber sonst viele Tiere: Hasen, Ren, einen Rehbock, unzählige Vögel und sogar eine Schneeeule, die direkt vor meinem Helm durchflog. Von der Landschaft hatte ich auch viel erwartet, aber ihre Weite dann durchfahren zu können, war schlicht umwerfend.

Überraschend war, wie sich 15 Grad im Norden anfühlen (irgendwie ein paar Grad kälter als bei uns) und die Mitternachtsonne, die ich zwar wegen Bewölkung nicht sah, aber hell war es trotzdem. Es ist schlicht überwältigend, zu erleben, dass an sechs Abenden nie Nacht wird. Der Körper stellt sich auch überraschend schnell darauf ein

Busszettel

Plastikbusse, Gelb färbt ab

Wenig überraschend war, wie die Töfffahrer schnell zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen.

Biker im Bauch einer Fähre

Meute Motorradleute bei der letzten Fährüberfahrt

Überraschend, dass die Osloer Polizei Nachts um 2.30 Uhr etwa 15 Motorradfahrer wegen Falschparken büsst.

Überraschend war auch, dass ich mit dem Motor mit 1200cc Hubraum mit 4.3 Litern Benzin pro 100Km durchkam. Ein Wert, der mit dem vielen «stop and go» in Deutschland und der Schweiz schlicht nicht möglich ist. Wenig überraschend war, wie die Agressivität auf den Strassen zunimmt, je dichter sie befahren werden. Von Lörrach nach Zürich hat mich auf der Autobahn jemand fast abgedrängt, und später fuhr mir bei 120Km/h einer etwa 10 Meter auf. In der ganzen 16 Tagen zuvor hatte ich einen einzigen Finnen-Opa, der mich auch fast abgedrängt hätte. Der war aber irgendwie eh‘ im eigenen Universum seine Kurven am Drehen.

Zu guter Letzt

Ich möchte allen Danken, die mich auf der Reise unterstützt haben: Familie, Freunde und Freundinnen, die ich hatte und vor allem die Freunde und Freundinnen, die ich dazugewonnen habe. Ihr habt mein beeindruckendes Erlebnis noch weiter bereichert.

Abendstimmung in Finnland

Fernweh

PS: Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ich mal ein Haus baue. Eine Sauna gehört da rein.

 

Entscheidung bei Unsicherheit

Entscheide bei Unsicherheit lernt man in vielen Führungsseminarien. Ist die Gesundheit und Schmerz mit im Spiel, wird das Ganze aber haarig. Ich begab mit am Mittwochabend auf die Fähre, suchte aber in Travemünde vorher noch eine Physiotherapeutin auf, um meine Muskulatur wieder etwas auflockern zu können und mir noch en paar Übungen abzuholen. Für den Entscheid kann dir aber niemand wirklich helfen. Ich entschloss mich für die Fähre, weil mir das knapp Zwei Tage mehr Raum für die Entscheidung brachte. Am ersten Morgen brauchte ich sehr lange, bis ich Schuhen und Socken war, konnte aber schmerzfrei auf dem Rücken schlafen. Ich entschied mich, die Medis zu nehmen und das brachte etwas Besserung. Sicher auch das strahlende Wetter auf der Ostsee. 

 

der «Finlady» etwas unverschämt auf den Hintern geguckt


Für die zweite Nacht war die Frage: Ausprobieren wie es ohne Medis geht oder gucken, ob es weitere Besserung gibt. Ich entschloss mich für Zweiteres und konnte dadurch sogar wieder auf der Seite schlafen. Doch die Frage blieb: 14 Tage durchkämpfen oder nochmals ne Fähre buchen und in 6 Tagen wieder im heimischen Bett auszukurieren. Zudem war die Frage, ob mich ein Weiterfahren im Gegesungsprozess nicht mehere Wochen zurückwarf. Die Zeichen standen auf Umkehr, auch als ich die Fähre wieder verliess. 
 

Welche Farbe darf es denn sein?

 
Doch ich fühlte mich recht schmerzfrei und wenn man darüber spricht, merkt man auf einmal, dass schon viele Ähnliches durchlebt haben. Darum kam der Tipp von einem Mitbiker: Bring den Schmerzlevel mit zwei Tagen Medis wieder in den grünen Bereich, dass sich die Muskulatur entspannen kann. 

So schreibe ich diese Zeilen am Ende meiner ersten Etappe. Ohne Schmerz und der Versicherung meiner hier getroffenen Töff-Kumpels, dass sie mir helfen, falls es rauh wird. Beim Motorradfahren hatte ich ja immer wenig Schmerzen und ich habe genügend Reserve an Medis. Die Fahrt konnte ich voll und ganz geniessen, also maximal noch 13 Tage ;-). Finnland: was für Weiten, was für Seen, was für Wälder! 

Für morgen ist gutes Wetter angesagt. Die Reise geht weiter. Ich blicke nach vorne, nicht zurück. (Es ist hier übrigens halb elf und fast noch taghell). 

  

Vorbereitung – die Unterhosen(um-)frage

Nachtrag Tech-Gadgets

Bevor ich die Frage dieses Blogbeitrags nicht lösen kann, sei noch etwas nachgetragen. Bei den Tech-Gadgets habe ich mein Helm-Kommunikationssystem vergessen. Von @ragl  erhielt ich den Tipp einer tollen Helm-Intercom von UClear, den HBC 200, mit dem man Musik lauschen und Telefonanrufe entgegennehmen kann. Das Noise Canceling ist so gut wie die witzige Werbung suggeriert. Beim Objektiv habe ich mich für das Fujinon XF 55 -200 entschieden und gegen einen Tankrucksack, weil Touratech mit einem Soziusrucksack eine bessere Idee hatte! Denn wofür einen Soziussitz mitnehmen, wenn niemand drauf sitzt? Ein neues (schweineteures, ey Schuberth, grummel) Pinlock-Visier für den Helm gab es auch noch.
Was noch? Online-Shopping-Frust hatte ich, weil die regenfesten Handschuhe zu klein sind und die DHL/Post-Logistik einfach noch nicht auf der Höhe der Verschickerei ist; beispielsweise kann nur der Absender eine fehlerhafte Empfängeradresse korrigieren. Ich hoffe bloss, die Xiaomi Yi kommt noch rechtzeitig an.

Nun aber zu den Unterhosen

Reisen heisst immer auch Verzicht. Verzicht auf das bequeme Bett zuhause, das bekannte Essen, vollen Kühlschrank, Waschmaschine, Tagesgewohnheiten, Lieblings-TV-Show oder auch Hygienestandard. Dass mein Reisegepäck limitiert sein wird, habe ich schon im letzten Post ausgeführt und all die Ladegeräte und Ersatzakkus für den Tech-Kram nehmen noch zusätzlich Platz weg. Das wird bedeuten, eine Hose und ein paar Schuhe müssen reichen, ein Badehose muss auch mit, T-Shirts, Socken, Regenjacke, Wind-Stopper, Necessaire, Reiseapotheke, Badetuch, etwas Warmes, drei Hektoliter Moskitoschutz, bitzli Sonnencreme, Fischerrute?, Socken und eben Unterhosen. Aber wie viele nimmt man mit, wenn man drei Wochen jeden Tag an einem anderen Ort ist und darum kaum zum Waschen kommen wird. Der Schreibgott Max Goldt widmete sich in «die rot-blaue Luftmatraze» aus «Schliess einfach die Augen stell dir vor, ich wäre Heinz Klunker»  der sinnvollen Körperpflege und meinte:

Leseglück

Leseglück

Der Menschheit Erfahrungssschatz lehrt, dass es lediglich vier Körperstellen gibt, die einen Hang zum beschleunigten Stinken haben. Hat man längere Zeit enge Schuhe getragen, erhöht sich die Anzahl auf sechs. Nur diese Stellen muss man regelmässig reinigen, und damit auch Hinterwäldler wissen, was gemeint ist, möchte ich diese Stellen nun aufzählen: Achsel (links), Achsel (rechts), Fuss (links), Fuss (rechts) und dann noch zwei.

Der Unterhose kommt also besondere Bedeutung in Sachen Hygiene zu. Da es heute ja offenbar schon Menschen gibt, welche die Dinger mehrmals täglich wechseln, möchte ich gar nicht wissen, wie deren Reinigungsrituale aussehen und vermute, dass das ein Überschwingen der Menschheit zum schicklichen Stinken im Rokkoko ist und das Angebrachte irgendwo dazwischen zu finden wäre. Aber wo? In der Marktforschung habe ich gelernt, dass es nicht viel Sinn macht, nach Hygiene, ethischem oder sexuellem Verhalten zu fragen, weil die Menschen zwar eifrig antworten, aber ebenso eifrig ganz was anderes tun, als was sie sagen. Da solche Fragereien aber lustig sind, hier ein Mitmach-Dingsi:

button

Wie viele Unterhosen ich jetzt mitnehme? Das geht niemanden was an. #superslart würde sich an Chuck Norris halten, #slartfuzius Gewand ist ja wie ein Schottenrock, da weiss man es nicht so genau. Wie auch immer: Waschpulver kommt auf alle Fälle mit und für den Fall aller Fälle gibt es ja Einkaufsgelegenheit. Neben all dem Verzicht, vergisst man in den Ferien ja oft, dass man gar nicht alles mitzunehmen braucht, weil man das Fehlende schlicht einkaufen kann.

Wenn einer eine Reise tut…

Es gibt Urlaub und es gibt Reisen. Auch ich mag es mal abzuschalten und mich für eine Woche dem süssen Nichtstun hinzugeben. Noch mehr mag ich aber das Reisen. Leider fehlt mir dazu manchmal die Möglichkeit, das so zu tun, wie ich möchte und manchmal auch ganz einfach die Lust. Irgendwann werde ich dem Nichtreisen aber überdrüssig und dann packt es mich, wie dieses Jahr. Die skandinavischen Länder standen schon lange auf meiner Wunschliste, aber zwei Wochen an einen See in Schweden Angeln gehen, da wäre mir wohl der Himmel auf den Kopf gefallen. So entschied ich mich für eine ein wenig abenteuerliche Reise, die mit dem Motorrad ans Nordkap und wieder zurück. Zumindest von Hamburg aus, bis dahin und von dorthin nehme ich den Autozug (bei dessen horrenden Preisen ich mich schon frage, wie die es schaffen, diese Dienstleistung nicht rentabel gestalten zu können, ganz nebenbei gesagt).

Reisen ist immer ein Abenteuer

Im Gegensatz zum Urlaub ist Reisen immer auch ein Abenteuer. Man lernt neue Leute kennen und du durchreist ein oder mehrere Länder mit ihrer ganz eigenen Natur, ihrem Duft, ihrer Eigenart. Für mich ist Reisen auch immer eine Reise zu mir selbst. Ein gute Gelegenheit, sich zu überlegen, was man schon lange von Bord werfen wollte, was es auszuprobieren gibt und was man im Leben anders oder weiter gleich machen möchte. Da ich nicht gerne sehr lange Motorrad fahre und Fisch nicht eben zu meiner Leibspeise gehört, habe ich so schon zwei kleine Abenteuer vor mir, zu denen ich einen neuen Zugang finden möchte.

Vorbereitung ist die halbe Miete

toeffMit dem Motorrad fast drei Wochen zu reisen, bringt so ein paar Sachen mit sich. Es ist nicht ganz ungefährlich und man muss sich auf das Nötigste an Gepäck reduzieren, eine Hose und ein paar Schuhe müssen es tun, auch wenn ich sonst nie mehr als zwei Tage nacheinander dieselben Schuhe trage. So habe ich als Vorbereitung schon mal ein zweitägiges Enduro-Training absolviert, auch wenn ich auf befestigten Strassen unterwegs sein werde, aber es gibt einem halt ein extrem gutes Gefühl für die Maschine.

Ein Reiseblog

Auf die Frage über Twitter habe ich mich entschieden einen Reiseblog zu führen. Ob ich das während der ganzen Reise tun werde, weiss ich nicht, mal sehen, wie viel Lust ich danach habe, wenn ich 6 Stunden im strömenden Regen gefahren bin und alles nicht mehr richtig trocken werden will. Bilder von mir (Selfies) wird es keine geben, soviel vorweg. Nachdem sich der Blick ungefragt am Facebookbild meines tödlich verunglückten besten Freundes bediente und es unmaskiert auf die Titelseite druckte, bin ich ein gebranntes Kind, das war der absolute Horror. Darum habe ich mich auch aus obigem Bild (etwas billig) wegretuschiert. Und diejenigen von euch, die jetzt «Hä? Spinnt der?» denken, kennen mich zu wenig. Sich den Risiken einer Reise bewusst sein, gehört bei mir dazu. Es kann einem immer ein Rentier oder sonst jemand mit gleich viel geistiger Rechenleistung vor oder in das Motorrad fahren, hoffentlich bleibt es dann bei einem einfachen Umfaller. Zudem hilft mir der Gedanken heil anzukommen auch dabei, meinen Übermut im Zaum zu halten und noch vernünftiger unterwegs zu sein als sonst. Thema abgehakt.

Bevor es losgeht werde ich wohl noch ein paar Beiträge über die Vorbereitung schreiben. Auf der Reise nehme ich dann die auf Twitter an mich herangetragenen Wünsche zu Herzen:

  • Unbedingt / ja nicht Hotelempfehlungen (was jetzt?)
  • Routenvorschläge
  • Persönliche, kleine Erlebnisse
  • Tipps und Fotos
  • Besonderheiten der besuchten Ziele
  • Ein- und Durchsichten

Aye! Hier mal vorweg meine Reiseroute

Der Kunde im Zentrum

10365845_726574974064926_704206452789269645_nAls Marketingleiter reagiere ich immer mit: „was denn sonst, den Kühlschrank?“, wenn ich wieder mal lese, dass ein Unternehmen neu den Kunden ins Zentrum stellen will. Was es wirklich heisst im Zentrum zu stehen, wurde mir aber bei meinem Motorrad-Mechaniker – dem Töffmech – wieder einmal bewusst. „Beim Töffmech?“, magst du jetzt fragen, mit Vorstellungen von hohen Rechnungen und schulterzuckenden Werkstattchefs. Zugegeben, der Ruf der Motorrad- (und wohl auch Auto-) Mechaniker steht nicht zum Besten.

Ich, der wohl nicht mehr ganz zeitgemässe Käufer

Ich als Käufer bin ein schlechter Feilscher. Der Preis muss stimmen, klar, aber ich renne nicht jedem Schnäppchen hinterher und ich füge auch nicht jeder Diskussion um ein Kaufgeschäft „können wir noch was am Preis machen“ an. Das sei – zumindest wenn ich auf manche Kolleginnen und Kollegen höre – nicht besonders schlau. Das mag sein, aber es ist mein Verständnis von Fairness. Genauso wie ich dafür meine Leistung einfordere wenn etwas nicht stimmt. So hat mich Alpinestars mit einer Produktqualität, die nicht im geringsten dem Kaufpreis entspricht und einem Kundenservice, der nach dem Verkaufsbeleg aufhört, als Kunde verloren.

Arrigoni Sport. Ein Motorradhändler mit der Sicht aufs Ganze

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Umso mehr hat mich das Erlebnis mit meinem Töffmech überrascht. Ich habe mir letztes Jahr erstmals ein fabrikneues Motorrad gekauft. Ein wunderbares Gefährt, das mir, der kein Auto besitzt, viel Mobilität und auch viel Fahrspass bietet. Aber es gab einen Punkt, der mich immer störte und den ich seit Anbeginn bei meinem Töffmech monierte. Die Situation verbesserte sich, als ein Teil auf Garantie getauscht wurde, aber es war noch nicht gut. Der Töffmech fand nichts Auffälliges und der Hersteller auch nicht. „Und was, wenn ich jetzt in zwei Jahren einen Schaden am Motorrad habe? Dann will ich nicht am Berg stehen“, meinte ich zum Töffmech. Er reagierte erst nicht und bot mir an, dass ich direkt mit dem Hersteller sprechen soll. Das ging für mich in Ordnung, weil mit einer Zwischenstation in der Kommunikation immer etwas auf der Strecke bleibt und es letztlich um mich und den Hersteller ging.

Eine Woche danach meldete sich der Werkstattchef und teilte mir nicht die Kontaktinformationen mit, sondern dass sich der Inhaber entschieden habe, das besagte Teil auszuwechseln. Ich war sprachlos – wer mich kennt, weiss was das bedeutet. Wie ich nachher erfuhr, kostete nur schon das Material einen mittleren vierstelligen Betrag und der Austausch brachte rund einen Tag Arbeit mit sich.

Ich bin nicht der Kunde, der jeden Tag ein und aus geht. Ich bringe rund einmal im Jahr den Töff in den Service, stelle ihn über Winter bei ihm ein und zeige auch Verständnis, wenn mal etwas nicht ganz so läuft, wie ich mir das vorstelle. Wo gehobelt wird, fallen schliesslich Späne. Dani Arrigoni, der umsichtige Besitzer, begründete seinen Entscheid just damit, dass ich jahrelanger Kunde bin, mich immer korrekt verhalten habe, den Punkt seit Beginn immer wieder erwähnt habe und er mir darum Glauben schenke, dass etwas nicht in Ordnung sei, auch wenn sie den Fehler nicht reproduzieren konnten.

Dass ich meine Motorrad weiterhin nur in die Hände von Arrigoni Sport lasse, ist wohl klar und um den Kühlschrank auch mal wieder ins Zentrum zu stellen, hatte ich mein Topcase mit ein paar kühlen Bieren aufgeladen, bevor ich meinen Töff zur grossen Operation brachte. Oder wie Philipp Maloney sagen würde: „So geht das!“

PS: Und wenn du dich fragst, was es denn jetzt gewesen ist, was getauscht wurde, dann muss ich dich enttäuschen. Ich möchte schliesslich nicht, dass jemand das liest und dasselbe ohne Grund behauptet.

Fujifilm X-E2: Wenn Hersteller meine Wünsche besser verstehen als ich

XE2 Foto: (Mein Schnuckelchen) by Boris Baldinger

voigti

Red eyes hard to be avoided

Meine erste Kamera war eine Voigtländer VITOMATIC IIa. Die alte Sucherkamera von meinem Vater, mit festen 1:2.8/50-Objektiv. Eine wunderbare Kamera, ohne jegliche Elektronik, mit Kelle und Markirungsnadel als Belichtungshilfe usw. Die Kamera war praktisch, weil sie in eine Jackentasche passte und gut, weil sie eine schnelle Linse hatte. Damit gelangen mir – der s/w-Fotografie liebt – zuweilen auch mal aussergewöhnliche Bilder.  Etwas weniger praktisch war der Blitz der kaum brauchbare Aufnahmen lieferte, aber dafür abenteuerlich aussieht. Doch  ich hatte Lust auf Wechselobjektive und einen Spiegel, später dann noch auf eine Digital-Kompaktkamera. Beide begleiteten mich noch vor drei Jahren auf Safari, weil mir die Digital-SLR immer zu gross, zu schwer waren und schlicht zu teuer.

old irish man in a pub

Old man in the pub (mit einer Kamera damals schon fast 40-jährig)

Fujifilm? Oh yeah baby!

Irgendwann erreichte mich die Welle des Hypes um die Fujifilm X100. Ich war angetan davon, denn ich mochte das Vintage-Design, das mich an meine Voigtländer erinnert und ich meine, Spiegel sind seit man Sensoren belichtet für den Amateurbereich dem Tod geweiht. Wenn mich Kolleginnen und Kollegen fragten, was man denn so kaufen soll, antwortete ich „Systemkamera“. Doch der Mythos der besseren Qualität von Spiegelreflex-Kameras hielt sich hartnäckig, sie trauten sich meistens nicht für den Schritt und beklagten sich danach über das Gewicht und die unpraktische Grösse für Unterwegs. Ich selbst hielt mich daran, als ich meinte, es sei Zeit, die Doppelstrategie von Analog-Spiegelreflex und Digital-Kompaktkamera aufzugeben. Da ich nicht in die selbe Limite wie damals mit dem 50mm-Festobjektiv der Voigtländer laufen wollte, sprang die Fujifil X-E2 mit ihren Wechselobjektiven in den scharfen Bereich meiner Kauflust. Sie hatte einfach alles: Vintage Design, klein, leicht, hervorragende Bildqualität und jede Menge Funktionen.

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Wasser, Himmel, Kontraste, wunderbar (und das mit der Zoom-Linse)

Die Erwartungen übertroffen

Als ich sie zum ersten Mal in den Händen hielt, bemerkte ich die Verarbeitungsqualität. Ein Aspekt im Produktdesign, den ich überdurchschnittlich schätze und der viel zu oft vernachlässigt wird. Es geht um Emotionen, das Gefühl, wenn man ein Gerät in der Hand hält, die Bedienung erfühlt. Es gibt einem die Rückmeldung, etwas Wertiges gekauft zu haben.
Doch der erste Eindruck schwand nicht. Sie hat mich bis heute nicht nicht aus ihrem Bann  gelassen, die hübsche Kamera aus dem Hause Fujifilm. Erst recht, als ich mir zum Standard-Zoom-Objektiv (das schon gewaltige Bilder produzierte) auch noch das Fujinon XF 35mm f/1.4 R kaufte. Die für rund 550 Franken erstandene Linse liefert Bilder und Tiefenunschärfen, die meinen Zahnarzt schon den Uhrenkatalog durchstöbern lässt, auf die Gefahr hin, dass mir der Unterkiefer auf den Boden knallt.

Kontrovers diskutiert ist der elektronischen Viewfinder. Ich mag ihn sehr, denn für mich als Amateur sehe ich so sofort die Blendenkorrektur, habe die Wasserwaage im Blickfeld, mit dem Druck auf die Tiefenschärfenvorschau gleich alles im Bild was ich brauche und keinen Parallax-Effekt. Die Möglichkeiten sind so vielseitig, dass ich noch lange nicht alle ausprobieren konnte oder gar begreife .Wenn ich Mängel aufzählen müsste, wären es die geringe Batterielebensdauer, dass die Vorschau von hochformatigen Bildern im Querformat angezeigt werden (gibt sicher eine Einstellung dagegen), dass die Remote-iPhone-App, die man als Fernauslöser nutzen könnte, nur für die Pro-Version funktioniert und die je nach Objektiv unterschiedlichen Modi für die manuelle Fokussierhilfe.

Doch das ist schon sehr gesucht, denn ich muss attestieren, hätte ich die Kamera spezifizieren und bauen dürfen, ich hätte das nicht so gut hinbekommen wie  Fujifilm. Genau so hat sich wohl damals mein Vater gefühlt, als er sich die Voigtländer gekauft hatte.

coffee and newspaper

Weitere Impressionen meiner Fujifilm X-E2 auf Flickr