Das elektronische Bild ist für SBB immer noch Neuland

Als ich vor einem Jahr ein GA kaufen wollte, geriet ich wegen eines Fotos, das partout physisch abgeliefert werden muss, auf eine Odyssee. Jetzt, ein Jahr später, stelle ich fest, dass elektronische Daten der SBB noch immer Probleme bereiten.

Kein neues GA

Mein GA wollte ich nicht verlängern, weil sich meine Lebensumstände geändert haben und das GA mir darum keinen Mehrwert bietet. Auch die SBB möchte wohl nicht, dass ich das GA verlängere, denn entweder habe ich die Meldung verpasst oder ich habe keinen Hinweis für die Verlängerung erhalten. Das muss ja auch nicht sein, wäre aber noch hübsch, um die Bestandskunden bei der Stange zu halten. Andere Firmen  tun das und bieten Bestandskunden, die das wohl zweitteuerste Produkt (GA 2. Klasse) kaufen, auch noch Zusatzleistungen an. Das macht die SBB vielleicht auch, aber auch das habe ich nicht mitbekommen. Die App, ein physisches Schrieben, oder auch per E-Mail (wo es halt vielleicht untergeht) böten hierzu Gelegenheit für Hinweise.

Da wir also beide nicht wollten, dass ich weiter ein GA habe, habe ich mich für einen ZVV-Netzpass für einen Monat und für ein Halbtax-Abonnement entschieden. Das sollte auch nicht auf meinem Telefon sein, denn weil mein Telefon ein Smartphone ist, geht dem immer wieder der Saft aus und dann stehe ich zwar mit gültigem Ticket da, kann es aber nicht präsentieren, was die SBB verständlicherweise nicht mag.

Verstaubt

Ich begab mich zum Hauptbahnhof, zog mein Los und setzte mich in den Warteraum. Das ist etwas antiquiert, wo es doch online geht, aber für einen Dialog mag ich den persönlichen Kontakt. Als ich auf mein Losglück wartete, fiel mir der Fotoautomat auf und in der Vorahnung was folgen würde, dachte ich: „ou Mist!“.

Ding! Ich war an der Reihe. Die freundliche Kundenberaterin hatte sehr schnell mein Profil auf ihrem Schirm, denn blöderweise hatte ich das abgelaufene GA nicht mehr mit. CRM, geht ja. Sie wies mich darauf hin, dass mein Foto doch etwas antiquiert sei. Da gab ich ihr recht, schliesslich wollte ich es darum vor einem Jahr ersetzen. Sie verstand aber nicht, dass ein physisches Foto genauso verstaubt ist und die ganze Geschichte vor einem Jahr wollte ich ihr nicht eröffnen. Ich verstand auch, dass das gegen ihren Prozess geht und Prozesse in grossen Firmen nur schwer zu ändern sind. Trotzdem wurde sie – genau so wie ich – etwas unwirsch ob meines Widerstandes jetzt noch schnell für zwei Minuten ein Foto zu machen (und mich wohl wieder zuhinterst in die Warteschleife zu setzen). Ich sähe gar nicht mehr so aus, wie auf dem Foto, meinte sie und auch da gab ich ihr Recht.

Wie ich mich erinnerte, war mein Foto aber neun Jahre und elf Monate alt, worum ich sie bat, es weiter zu verwenden. Das in der Hoffnung, dass vielleicht in einem Jahr auch die SBB im 21ten Jahrhundert landet und ihren Bestandskunden ein Profil ermöglichen, auf dem sie ein Foto hochladen können oder sie gucken sich den Prozess „vor-Ort-Digitalbild-erstellen“ des Passbüros ab, die können das.

Ticket in unpraktischer GrösseAch, wenn wir beim Entstauben sind: Dieses Ticket-Format ist eigentlich auch im letzten Jahrhundert ausgestorben.