Wenn einer eine Reise tat – Klappe, die letzte

Imagebild Sonnenuntergang

Und dann geht die Sonne wieder unter. All good things must have an end

Und dann ist die Reise vorbei. 4678.4 Km Motorrad gefahren, bei Temperaturen von 4 bis 18 Grad Celsius. Vier fremde Länder besucht (OK, eines – Schweden – nur für 15 Minuten durchfahren). Drei Wochen aus dem Koffer gelebt, anderes Essen probiert, mit Menschen gesprochen, die ich vorher nicht kannte, Gedanken vergessen, die mich beschäftigten und neue gesponnen, von denen ich noch nicht weiss, wie sie meine Zukunft bestimmen werden. Auch wenn ich die Erlebnisse und Eindrücke erst noch alle verarbeiten muss, schliesse ich mit diesem Betrag den Reiseblog Nordkap.

Vorbereitung

Wie sich zeigte, war ich bei der Kleiderwahl sehr gut unterwegs. Zumindest, was die Menge angeht, bei der Zusammensetzung für die angesagten Temperaturen war ich zu optimistisch; mindestens eine lange Unterhose hätte ins Gepäck gemusst. Dafür hätte ich mir Badetuch und das zweite Paar Schuhe sparen können. Zudem hatte ich mir viel zu viel Gedanken über das Fotografieren gemacht (zu viele Speicherkarten, wenig Zeit zum Fotografieren). Der Soziusrucksack ist eine prima Sache, auch wenn sich an einem Ort jemand daran zu schaffen machte.

Fjorde in Norwegen

Jetzt wisst ihr, wieso Slartibartfast Fjorde mag

Ich ging davon aus, dass die von der Reiseorganisation vorgeschlagenen Routen die besten sind und habe die stundenlang in mein Navi programmiert (dafür müsste ich bei der Software von Garmin eigentlich einen Orden bekommen). Ich hätte mir in der Zeit besser Gedanken über Alternativrouten gemacht. Denn oft sind wir genau solche gefahren und die Vorbereitung war dann irgendwie zwischen Abendessen und Abfahrt.

Pre-Paid-Karten habe ich nicht gebraucht, fast alle Hotels hatten ein gratis WLAN. Das Bloggen mit dem iPad über die Bluetooth-Tastatur ging ganz gut, manchmal jedoch mit sekundenlangem Delay zwischen Tippen und Anzeige des Buchstabens, das war wohl WordPress geschuldet und raubte mir auch den Nerv. die Texte alle nochmals durchzulesen und hat wohl zu unzähligen Fehlern und Typos geführt. Snapseed als Ersatz für Lightroom für die Fotobearbeitung unterwegs hat sehr gut funktioniert.

Was noch? Ja, die R1200GS ist einfach ideal für eine solche Reise, love my bike.

Entscheidungen

Die schwierigste Entscheidung war diese betreffend meiner Rückenprobleme. Auch wenn ich diese schwierige Entscheidung richtig getroffen hatte, zeigte sich mir doch bei meiner Heimkehr, wie trügerisch die Sicherheit sein kann. So kroch ich nacht der ersten Nacht daheim fast auf allen Vieren aus dem Bett, dabei dachte ich, ich sei über das Gröbste hinweg. Wir werden sehen, wie sich das weiterentwickelt.

Die Entscheidung, die Tour nicht alleine zu bestreiten, war ebenfalls gut, denn es hätte zu viel schiefgehen können, man plant ja gerne einfach mit dem Best Case.

Der schönste Plan ist nichts wert, wenn das Fahren der Route keinen Spass macht. So haben wir im Trio eigentlich immer aufgrund des Wetters und der Verfassung während des Frühstücks entschieden, ob wir die «Diretissima« oder die «Scenic Route» fahren werden. Wegen den unsicheren Wetterprognosen machte das vorher schlicht keinen Sinn

Überraschungen

Landschaft Norwegen mit Pferd

Einfach schön

Urlaub soll auch Überraschungen bescheren. So sah‘ ich zwar keine Elche, aber sonst viele Tiere: Hasen, Ren, einen Rehbock, unzählige Vögel und sogar eine Schneeeule, die direkt vor meinem Helm durchflog. Von der Landschaft hatte ich auch viel erwartet, aber ihre Weite dann durchfahren zu können, war schlicht umwerfend.

Überraschend war, wie sich 15 Grad im Norden anfühlen (irgendwie ein paar Grad kälter als bei uns) und die Mitternachtsonne, die ich zwar wegen Bewölkung nicht sah, aber hell war es trotzdem. Es ist schlicht überwältigend, zu erleben, dass an sechs Abenden nie Nacht wird. Der Körper stellt sich auch überraschend schnell darauf ein

Busszettel

Plastikbusse, Gelb färbt ab

Wenig überraschend war, wie die Töfffahrer schnell zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen.

Biker im Bauch einer Fähre

Meute Motorradleute bei der letzten Fährüberfahrt

Überraschend, dass die Osloer Polizei Nachts um 2.30 Uhr etwa 15 Motorradfahrer wegen Falschparken büsst.

Überraschend war auch, dass ich mit dem Motor mit 1200cc Hubraum mit 4.3 Litern Benzin pro 100Km durchkam. Ein Wert, der mit dem vielen «stop and go» in Deutschland und der Schweiz schlicht nicht möglich ist. Wenig überraschend war, wie die Agressivität auf den Strassen zunimmt, je dichter sie befahren werden. Von Lörrach nach Zürich hat mich auf der Autobahn jemand fast abgedrängt, und später fuhr mir bei 120Km/h einer etwa 10 Meter auf. In der ganzen 16 Tagen zuvor hatte ich einen einzigen Finnen-Opa, der mich auch fast abgedrängt hätte. Der war aber irgendwie eh‘ im eigenen Universum seine Kurven am Drehen.

Zu guter Letzt

Ich möchte allen Danken, die mich auf der Reise unterstützt haben: Familie, Freunde und Freundinnen, die ich hatte und vor allem die Freunde und Freundinnen, die ich dazugewonnen habe. Ihr habt mein beeindruckendes Erlebnis noch weiter bereichert.

Abendstimmung in Finnland

Fernweh

PS: Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ich mal ein Haus baue. Eine Sauna gehört da rein.

 

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