Geburtstagsglückwünsche auf Social Media – Ein Dilemma

Letzten Donnerstag war es wieder mal so weit: Ich feierte mein Dasein. Das gibt auch immer etwas die Möglichkeit Antworten zu suchen. Im „Hitchhikers Guide to the Galaxy“ wurde die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest ja mit 42 beantwortet. Da ich wegen dem Auffahrtsfest den ganzen Tag frei hatte, entschied ich mich für ein kleines Experiment um die Antwort zu finden, wie man sich auf Social Media am besten für Glückwünsche bedankt.

Gratulationen erfolgen heute über Social Media

Wie schon viele andere bereits früher festgestellt haben, erfolgen heutzutage die meisten Gratulationen nicht mehr über Besuche (das Ding, wo man klingeln muss), SMS oder Telefon (das Ding, wo man bezahlen muss) sondern über Xing, Facebook, Twitter und Konsorten. Das ist billig (darum funktionieren die Plattformen auch) und praktisch (die erinnern einem an die Geburtstage). Letzteres ist auch für mich ein Segen. Ich lege selbst nicht so grossen Wert auf die Geburtstagsfeierei, darum vergesse ich auch schon mal den einen oder anderen Geburtstag. Nichts desto trotz freue ich mich natürlich über jeden Glückwunsch.

Social Media ist ein Massenmedium

Doch Social Media ist ein Massenkommunikationsmittel, die Diskussionen um möglichst viele Follower, Retweets und Favs sind Zeugnis davon. An Geburtstagen bemerkt man das besonders gut. Es ist schlicht umwerfend, von wie vielen Menschen man Gratulationen bekommt. Überrollt von der Lawine der Gratulationen, greift man jeweils zu einem kollektiven „Dankeschön“, ob auf Facebook oder auf Twitter. Das wollte ich dieses Jahr nicht tun.

Das Experiment: Jedem persönlich und möglichst individuell antworten

Da ich, wie eingangs erwähnt, einen arbeitsfreien Tag hatte, wollte ich jedem einzeln mit einer möglichst individuellen Botschaft für eine Gratulation danken. Sprich: Wer mir kurz und knapp „Happy Birthday“ sagte, bekam kurz und knapp Antwort. Wer einen originelle Wunsch sandte, sollte auch eine originelle Antwort bekommen. Dabei möchte ich festhalten, dass ich mich auch an den einfachen „Happy Birthdays“ sehr erfreut habe. Auf Facebook habe ich nicht nur „geliked“ sondern auch einen Kommentar auf den Post geschrieben.

Ganz anstrengend schön

Ich meine, ich habe das, bis auf eine Ausnahme, wo ich einen Tweet an zwei Personen absetzte, eingehalten. Am Morgen im Kaffee, habe ich dafür sicher 1.5 Stunden freudig getippt (natürlich noch mit etwas sonstigem Rumgesurfe). Total habe ich sicher 2-3 Stunden Glückwünsche beantwortet, was an einem Arbeitstag schlicht unmöglich gewesen wäre. Mit der Pinwand ist das auf Facebook ja gut gelöst, aber auf Twitter hat das am Morgen natürlich dazu geführt, dass ich Timelines anderer Leute ordentlich mit „Geburtstagsspam“ flutete. Ich nenne das Spam, denn wer will schon mitlesen, was ich jemandem auf einen Glückwunsch antworte, ist schliesslich individuell. Ich kann mir vorstellen, dass mich sogar einige „gemutet“ haben an dem Tag. An DEM Tag, meinem Geburtstag, wohlgemerkt!

Twitter: Direct Message oder öffentlich?

Für persönliche Kommunikation gibt es auf Twitter ja Direct Messages. Die muss man dann auch schön individuell abarbeiten, wie SMS (früher, kännsch?), geht aus einem inneren Zwang irgendwie gar nicht anders. Der Nachteil von Direct Messages ist aber, dass das einem Empfänger lästig sein kann (siehe oben, Zwang, innerer) zudem versagt die Multiplikation. Denn manch eine(r) hat nur wegen öffentlicher Tweets überhaupt davon mitbekommen, dass ich Geburtstag hatte und daraufhin gratuliert. Ich vermute, darum bekam ich auch eine SMS – die mich sehr freute – von einem Menschen, von dem ich es nicht erwartet hätte. Schön, nicht?

Was tun? Spammen oder kollektiv danken?

Ich glaube das Dilemma ist inzwischen jedem ersichtlich. Wenn ich ein paar Personen folge und die es mir jeweils gleich tun, dann besteht meine Timeline täglich bald nur noch aus Geburtstagsglückwünschen. Doch da ist ein Mensch, der mir gratuliert, dem will ich auch auf Social Media persönlich dafür danken, das würde ich auf der Strasse schliesslich auch tun. Aber was tun jetzt, was ist meine Empfehlung? Es gibt keine, denn letztlich muss jeder das individuell richtige Verhalten für sich selbst rausfinden.

So geht es mir nicht anders als den Menschen aus „Hitchhikers Guide to the Galaxy“, die mit der Antwort 42 auch nichts anfangen konnten. Denn die Antwort auf mein Experiment lässt mich unschlüssig, was am besten zu tun ist. Sicher werde ich vermehrt Direct Messages schreiben, manchmal einen Facebook-Post „nur“ „liken“. Sonst werde ich weiterhin einfach instinktiv handeln und mich in guter alter Hippiemanier darum scheren, geblockt oder entfolgt zu werden und wer weiss, vielleicht war ja einfach die Frage falsch gestellt.

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5 Kommentare zu “Geburtstagsglückwünsche auf Social Media – Ein Dilemma

  1. Ich wollte zuerst nur liken, doch ein Kommentar ist ein besseres Feedback als nur das „like“.
    Ich versuche auch immer auf alle Geburtstagswünsche etwas zu schreiben. Denn mindestens ein Danke gehört sich. Einfach ein oder zwei Tage später nur ein Status mit „Besten Dank für all die Geburtstagswünsche“ find ich billig und zeigt pure bequemlichkeit.

  2. 2012 scheint man ja landläufig in den Mechanismen von Social angekommen zu sein, Social Data und deren Automatismen werden selbstverständlich und dazu gehört dieses vermeintliche Nahverhältnis in all unseren so genannten „schwachen sozialen Bindungen“: Vor zwei Jahren hab ich auch drüber nachgedacht, hab mir Ähnliches vorgenommen, und war dann Tage damit beschäftigt, die sich aus diesen freundlich-unverbindlichen Konversationen heraus ergebenden Gespräche wieder auf ein „normales“ Mass zurückzubekommen. Und selbst wenn wir in der Lage sind, uns soziologisch diesen Tatsachen zu stellen, gehts uns nah, mir zumindest: Von wem erwarte ich mir zumindest eine DM/Mention/FB-Wallpost/… Eine Lösung weiss ich gleich wenig, ausser dem, was du „instinktiv reagieren“ nennst. Vielleicht ists einfach menschlich, sich über Kleinigkeiten zu freuen, auch wenn sie gar nicht ganz so ernst sind. Oder doch ernst sind, und man begreifts nicht, und löst damit Enttäuschung aus. Hmm. Ratlos. Btw: http://hofrat.ch/2010/11/geburtstag-zu-haben/

  3. Siehst du, darum habe ich meinen eigenen Geburtstag vergessen bzw abgeschafft. Hat nur Vorteile: ich bleibe für immer und ewig jung und geschmeidig und muss nie Danke sage… oh, mein Geburtstag.

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