Die Social-Media-Subkultur und ihre Beachtung

FotoDie bekannte Agentur Jung von Matt/Limmat hatte  (Anm: Nicht ganz korrekt -> siehe Nachtrag ganz unten im Blog) auch über persoenlich.com  Kund getan, dass sie auf http://twitter.com/Festzeitschrift für den Art Directors Club eine Festschrift lancieren möchten, welche die Twitter-Gemeinde Satz für Satz schreiben soll. Das ist grundsätzlich eine originelle Idee, hat aber den Makel, dass die Idee nicht mehr ganz so frisch ist, denn Mona Hinnen hatte das über monah.ch bereits zwei Mal erfolgreich, nämlich als #twory umgesetzt.  Das hat dann auch auf den Dialogmedien einen negativen Begeisterungssturm (Anmerkung: Ich verzichte explizit auf das Wort des Jahres) ausgelöst. Es wurde von Kopieren und Ideenklau berichtet.  Jung von Matt/Limmat beteuert derweil, nichts davon gewusst  und auch Recherche betrieben zu haben. Das glaube ich ihnen auch, denn man kann nicht alles finden und die Idee ist nicht so abwägig, dass man sie nicht mehrmals haben kann. Kein Beinbruch also, aber die ganze Geschichte gab mir schon etwas zu denken (so viel, dass ich meine Mittagspause für diesen Beitrag opfere).

Warum wurde Jung von Matt/Limmat nicht auf die #twory aufmerksam?

„Ich weiss, dass ich nichts weiss“ Sokrates

Man kann nicht alles wissen, das ist mir schon klar und als ich mir so die Liste von Twitter-Profilen ansah, denen die @JvM_Limmat folgt, stellte ich fest, dass sie vielen andere Agenturen (auch auf Dialogmedien spezialisierte) und Fachmedien folgen, wie auch auch einigen Privaten, die im Dialogmedien-Kuchen als „Rosinen“ bezeichnet werden dürfen. @JvM_Limmat hätte also auf die #twory aufmerksam werden können.  Dass auch das in der Flut von Meldungen untergehen kann, auch das ist nachvollziehbar.  Anders herum kann man sich auch fragen: Warum ist es der #twory nicht gelungen, genügend Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen? @monah hat sich die Frage auch gestellt und überlegt sich, künftig Medienmitteilungen zu schreiben. Ob das persoenlich.com auch verbreiten wird, zweifle ich etwas an.

Das Insiderproblem der Dialogmedien-Subkultur

Das Problem der Geschichte orte ich an einem ganz anderen Punkt: Ich habe schon viele tolle Anlässe besuchen dürfen (e.g. Twitterbier Zürisee, Twittboat, erugf und viele mehr) oder auch ausgelassen (z.B. den Avatarday) aber ich haben noch selten jemand von einer der angestammten Agenturen dort getroffen.
Sprich, es gibt wohl ein Graben zwischen dieser „Subkultur“ – die ja eigentlich keine ist, passiert ja alles öffentlich – und den angestammten Agenturen. Der Dialog wird also nicht gesucht, nur das Instrument. Um diesen Graben zuzuschütten, müsste man an der richtigen Zeit, die meist nicht während der Arbeitszeit ist, vor Ort sein. Und ja, Dialogmedien funktionieren nicht nur auf dem elektronischen Kanal.
Vielleicht können die spezialisierten Agenturen diese Brücke ja schlagen, denn diese haben den Kontakt zur „Basis“, nehmen oft lieber an einem Social Media- als an einem Branchen-Anlass teil. Zum letzteren wären sie vielleicht auch gar nicht eingeladen.  Sie haben das dafür nötige Wissen, das sich die angestammten Agenturen zurzeit krampfhaft anzueignen versuchen (oder auch nicht). So würde eine spezialisierte Agentur auf ihrer Webssite wohl auch keine Rubrik „Social Media News“ anbringen , deren letzter Beitrag über zwei Monate alt ist. Natürlich ist es auch kein Garant, dass es besser wird, aber ein Anfang, den Graben zuzuschütten. Ich meine, wir würden alle davon profitieren.

  • Die angestammte Agentur, dass sie sich das Wissen „insourcen“ kann, wenn sie bereit ist, was abzugeben (oder sonst müssen sie halt selbst an der Subkultur teilnehmen)
  • Die spezialisierte Agentur, dass sie in der Branche beachteter wird.
  • Die Subkultur, dass ihre Ideen besser bekannt werden, ohne dass sie gleich instrumentalisert werden.

PS: Und haut nicht immer gleich drauf, entspannt euch. Nicht jeder macht alles mit böser Absicht.

PPS: Bin gespannt ob Jung von Matt/Limmat bei monah.ch was sponsort

Nachtrag:

  • Mir wurde per DM mitgeteilt , dass Jung von Matt/Limmat eigentlich nichts damit zu tun hat. Demzufolge wäre meine Schlussfolgerung aufgrund des Persönlich-Artikels, dass sie dies Kund taten, nicht richtig.  Aktuell gibt es aber keine öffentliche Info dazu (oder ich habe auch diese nicht gefunden). 
  • Wie mir @dworni mitteilte hatte „Herr @KevinDax hatte die Tweetstory-Idee schon 2009“ 
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Ein Kommentar zu “Die Social-Media-Subkultur und ihre Beachtung

  1. Danke für diesen Bericht. Hatte den gleichen Gedanken fand aber die richtigen Worte nicht 🙂 Ich bin auch keinesfalls „böse“ oder verärgert. Mich freut die Resonanz und die daraus resultierenden Gedanken, Tweets und Feedbacks. Ich glaube auch dass wir in einer Art Community gefangen sind von denen es eine ganze Menge andere gibt die endlich mal miteinander sprechen sollten 😉 Bin gespannt was 2013 bringt. Auf alle fälle herzlichen Dank für deinen Beitrag!

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