Fujifilm X-E2: Wenn Hersteller meine Wünsche besser verstehen als ich

XE2 Foto: (Mein Schnuckelchen) by Boris Baldinger

voigti

Red eyes hard to be avoided

Meine erste Kamera war eine Voigtländer VITOMATIC IIa. Die alte Sucherkamera von meinem Vater, mit festen 1:2.8/50-Objektiv. Eine wunderbare Kamera, ohne jegliche Elektronik, mit Kelle und Markirungsnadel als Belichtungshilfe usw. Die Kamera war praktisch, weil sie in eine Jackentasche passte und gut, weil sie eine schnelle Linse hatte. Damit gelangen mir – der s/w-Fotografie liebt – zuweilen auch mal aussergewöhnliche Bilder.  Etwas weniger praktisch war der Blitz der kaum brauchbare Aufnahmen lieferte, aber dafür abenteuerlich aussieht. Doch  ich hatte Lust auf Wechselobjektive und einen Spiegel, später dann noch auf eine Digital-Kompaktkamera. Beide begleiteten mich noch vor drei Jahren auf Safari, weil mir die Digital-SLR immer zu gross, zu schwer waren und schlicht zu teuer.

old irish man in a pub

Old man in the pub (mit einer Kamera damals schon fast 40-jährig)

Fujifilm? Oh yeah baby!

Irgendwann erreichte mich die Welle des Hypes um die Fujifilm X100. Ich war angetan davon, denn ich mochte das Vintage-Design, das mich an meine Voigtländer erinnert und ich meine, Spiegel sind seit man Sensoren belichtet für den Amateurbereich dem Tod geweiht. Wenn mich Kolleginnen und Kollegen fragten, was man denn so kaufen soll, antwortete ich „Systemkamera“. Doch der Mythos der besseren Qualität von Spiegelreflex-Kameras hielt sich hartnäckig, sie trauten sich meistens nicht für den Schritt und beklagten sich danach über das Gewicht und die unpraktische Grösse für Unterwegs. Ich selbst hielt mich daran, als ich meinte, es sei Zeit, die Doppelstrategie von Analog-Spiegelreflex und Digital-Kompaktkamera aufzugeben. Da ich nicht in die selbe Limite wie damals mit dem 50mm-Festobjektiv der Voigtländer laufen wollte, sprang die Fujifil X-E2 mit ihren Wechselobjektiven in den scharfen Bereich meiner Kauflust. Sie hatte einfach alles: Vintage Design, klein, leicht, hervorragende Bildqualität und jede Menge Funktionen.

DSCF4848

Wasser, Himmel, Kontraste, wunderbar (und das mit der Zoom-Linse)

Die Erwartungen übertroffen

Als ich sie zum ersten Mal in den Händen hielt, bemerkte ich die Verarbeitungsqualität. Ein Aspekt im Produktdesign, den ich überdurchschnittlich schätze und der viel zu oft vernachlässigt wird. Es geht um Emotionen, das Gefühl, wenn man ein Gerät in der Hand hält, die Bedienung erfühlt. Es gibt einem die Rückmeldung, etwas Wertiges gekauft zu haben.
Doch der erste Eindruck schwand nicht. Sie hat mich bis heute nicht nicht aus ihrem Bann  gelassen, die hübsche Kamera aus dem Hause Fujifilm. Erst recht, als ich mir zum Standard-Zoom-Objektiv (das schon gewaltige Bilder produzierte) auch noch das Fujinon XF 35mm f/1.4 R kaufte. Die für rund 550 Franken erstandene Linse liefert Bilder und Tiefenunschärfen, die meinen Zahnarzt schon den Uhrenkatalog durchstöbern lässt, auf die Gefahr hin, dass mir der Unterkiefer auf den Boden knallt.

Kontrovers diskutiert ist der elektronischen Viewfinder. Ich mag ihn sehr, denn für mich als Amateur sehe ich so sofort die Blendenkorrektur, habe die Wasserwaage im Blickfeld, mit dem Druck auf die Tiefenschärfenvorschau gleich alles im Bild was ich brauche und keinen Parallax-Effekt. Die Möglichkeiten sind so vielseitig, dass ich noch lange nicht alle ausprobieren konnte oder gar begreife .Wenn ich Mängel aufzählen müsste, wären es die geringe Batterielebensdauer, dass die Vorschau von hochformatigen Bildern im Querformat angezeigt werden (gibt sicher eine Einstellung dagegen), dass die Remote-iPhone-App, die man als Fernauslöser nutzen könnte, nur für die Pro-Version funktioniert und die je nach Objektiv unterschiedlichen Modi für die manuelle Fokussierhilfe.

Doch das ist schon sehr gesucht, denn ich muss attestieren, hätte ich die Kamera spezifizieren und bauen dürfen, ich hätte das nicht so gut hinbekommen wie  Fujifilm. Genau so hat sich wohl damals mein Vater gefühlt, als er sich die Voigtländer gekauft hatte.

coffee and newspaper

Weitere Impressionen meiner Fujifilm X-E2 auf Flickr

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3 Kommentare zu “Fujifilm X-E2: Wenn Hersteller meine Wünsche besser verstehen als ich

  1. Super Beitrag. Ich kann mich den Ausführungen vollends anschliessen, den auch die X100S, ebenfalls aus dem Hause FujiFilm, die ich gewählt habe, mir jedesmal ein Lächeln auf meine Lippen bringt, wenn ich sie verwende, so sieht Spass und Freude am Fotografieren kombiniert mit super Qualität aus. Probiert es selber aus, in dem ihr euch mal eine FujiFilm zur Hand nehmt.

  2. Pingback: Vorbereitung – Tech-Plunder | The life according to Slartbart

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