Norwegen, so

Wir haben recht viel Wetterglück auf unserer Reise, darüber sind wir uns einig. Klar, auch heute wurden wir eine Stunde stark verregnet, aber es war eine Stunde auf sechs. Nicht sechs von sechs. Diese Weeterschwankungen gehören zur Natur Norwegens, das irgendwie Kanada und Neuseeland zusammen ist (auch wenn ich Neuseeland nur vom Hörensagensehen kenne).  

Das könnte auch in den Rocky Mountains sein

 
Norwegen ist aber auch Lachszucht, denn unser unstillbares Bedürfnis nach diesem Fisch führt zur industriellen Produktion. Ob das gut oder schlecht ist, darüber scheiden sich die Geister. Die Zuchtbecken sind aber in jedem der unzähligen und beeindruckenden Fjorde zu finden. Wie olympische RInge stehen sie dort im Wettstreit um Erträge.  

Fischzucht – des Salmes Kern

 
Doch wo Fjorde sind, braucht es auch Brücken, Tunnels und Fähren. Wenn man schon meint, dass wir Schweizer in jeden Berg ein Loch bohren, dann graben die Norweger unter jedem Fjord einen Tunnel, oder bauen eine beeindruckende Brücke darüber. Wenn das irgendwie nicht geht, dann gibt es die sehr speditiven, unkomplizierten und modern wirkenden Fähren. 

 

Fähre, Meertauglich

 
Alles prima in Norwegen also? Nein, auch hier ist nicht das Paradies. Viele Orte wirken unnahbar und kalt, die Strassen sind zum Teil in einem schlechten Zustand und Restaurants oder Cafés findet man fast nur an Tankstellen. Der Terroranschlag von 2011 ist in allen Zeitungen.  Was aber sehr positiv auffällt, ist das stressfreie Motorradfahren, die Hilfsbereitschaft, die Englischkenntnisse, die Gastfreundschaft und sicher noch vieles mehr, das mir jetzt gerade nicht mehr einfällt. Was fällt sonst noch auf? Während wir unsere Flachdächer besser oder schlechter begrünen und Überlegungen zur Vertikalbegrünung anstellen, haben die Norweger schon lange die Giebelbegrünung eingeführt. Das sieht auch noch toll aus. Überhaupt: In Norwegen ist irgendwie alles ein Haus; die Bushaltestelle, die Werbung, der Briefkasten, sie alle haben einen Giebel, bunte Farben und weiss gerahmte Fenster. 

Mehr Fotos?

Ich weiss, ihr möchtet sicher gerne noch mehr Fotos sehen, aber auf dem Motorrad ist das etwas schwierig und man kann auch nicht an jeder Ecke anhalten, Helm / Handschuhe abstreifen, Fotoapparat hervornehmen und die ganze Prozedur in umgekehrter Wirkungsrichtung wiederholen. Zudem muss auch das Wetter mtspielen. Darum gibt es gar nicht viel mehr Bilder, als diese hier in diesem Blog. 

Merci

Übrigens herzlichen Dank für die zahlreichen Genesungswünsche und aufmunternden Worte. Das hilft mir, wenn der Genuss wegen den Beschwerden zu weichen droht oder wenn ich schlaflos daran rumturne, wie der nächste Tag wohl wird. Bettenglück habe ich leider wenig. So habe ich eben auch wieder meine Matratze auf dem Boden gelegt, weil das Bett viel zu weich ist. Wenigstens sind die Betten nicht mit Fussbrettern ausgerüstet (unangenehm, wenn man fast länger als das Bett ist): Aber Hand aufs Herz, das Wetterglück ist wichtiger. Mit ihm werden die Erinnerungen verbunden werden.
PS: Dachte ich in Finnland, dass man nur mit einem Boot ein echter Finne (m) ist, gilt das für die Norweger (m) wohl mit dem Traktor.

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Nordkapp!

Ich bin froh, habe ich meine Reise nicht abgebrochen. Auch wenn ich noch nicht in der Hälfte bin und sich mein Zustand heute wieder etwas verschlechtert hat. Ohne Medis ging es schlicht nicht. Neben dem mir der Schmerz manchmal den Schlaf raubt, tut das, seit wir den Polarkreis überschritten haben, auch mein Wach-Zentrum. Ich habe ja eigentlich nie Probleme zu schlafen, aber dieses dauernde Hell bringt meinen Körper recht ordentlich durcheinander. Ich nehme aber an, dass ich mich rasch daran gewöhne. 

  
Gestern Montag hatte ich es geschafft. Ich hatte mit meinem Motorrad den nördlichesten Punkt Europas erreicht. Das zusammen mit einer Gruppe von 29 Motorradfahrerinnen und -Fahrern. Die Strecken fahre ich übrigens zusammen mit Olaf und Albert, wir sind ein gutes Team mit einem guten Fahrrythmus. Albert, der seit dreissig Jahren in Finnland lebt, hat uns mit seinem Finnisch den Aufenthalt bei den Suomi noch einfacher gemacht. 

Was – zumindest bei Motorradfahrern – ja auch wichtig ist, ist wer welches Motorrad fährt. Albert ist mit einer 650 V-Strom unterwegs und Olaf mit ne Super Ténéré. Typischerweise fahre ich voraus und das hat einen einfachen Grund. Auf den langen Strecken kann ich den Tempomat einschalten und die anderen müssen dadurch nicht andauernd ihre Tacho prüfen. Das schont Kräfte, aber die braucht es bei Tagesstrecken von bis zu 480 Km und 6 Stunden reiner Fahrzeit. 

 

Drei Königinnen

 
Nordkapp, der kleine Höhepunkt

Natürlich ist das Nordkapp etwas Spezielles (gestern war es auch speziell kalt mit etwa 4 Grad Celsius). Wäre es nicht so, würde man nicht Unmengemen Menschen auf Velos (unglaublich, die Leistung), in Wohnmobilen oder in Cars unablässig zu diesem Punkt pilgern. Der Ort selbst ist natürlich primär sehr touristisch. Was mich vor allem beeindruckt hat, ist das Wetterschauspiel. Wolken lösen Sonne ab, Nebel hüllt einem ein und etwas Regen kommt. Letztlich hatten wir Glück und konnten ein paar Sonnenstrahlen geniessen. Mein eigentlicher Reisehöhepunkt sollen aber die Lofoten werden. Diese Inselgruppe mit ihrem urtümlichen Charme, die mit Tunnels und Brücken verbunden ist.

Ungebändigte faszinierende Landschaft

Ja, es war schon erstaunlich, wie sich die Landschaft beim Überqueren der Grenze schlagartig geändert hat. Die endlosen Wälder wichen einer Art Tundra und führten uns heute über ein Hochplateau, das etwa so zu beschreiben ist, wie wenn man 1.5 Stunden Albula-Pass fahren würde. Einfach ohne Steigung und Kurven. Die Weiten und die karge, rauhe Landschaft ist beeindruckend. Man wähnt sich in Alaska oder in Russland. Morgen wird eine längere Fjord-Fahrt anstehen, auch das wird mich beeindrucken. 

   PS: Die spinnen, die Nordländer. Die Hotels sind entweder überheizt oder unterkühlt. 

Hei hei! Finnland, Hei! Norwegen

  Was soll ich sagen? Drei Tage durch Finnland gefahren. Das kommt einem vor, wie wenn man drei Tage durch den Schweizer Nationalpark fährt. Wälder über Wälder, schlicht beeindruckend. Nachdem wir gestern Prachtswetter hatten, wurden wir heute teilweise verregnet. Da merkt man auf einmal, dass die wasserdichten Schuhe es nicht mehr sind. Ich hatte wohl bei dem einen oder anderen Einsteigen die Gore-Tex-Membrane zerrissen, aber nach 480 Km Fahrt ist das auch egal, schliesslicht wartet eine Sauna auf einem. Für den Rest der Reise wird an Regentagen dann Slart Gyver gefragt sein.

Die Finnen

Morgen geht es ans Nordkapp, es sollte trocken bleiben und da es die Chance auf Sonne gibt – was am Nordkapp nicht so häufig ist – werden wir das Kapp selbst wohl morgen schon besuchen wollen, nicht wie planmässig am Dienstag. Das bedeutet auch, dass wir Finnland verlassen werden und den Rest der Reise in Norwegen verbringen, wohl nix mehr mit Sauna. Gelegenheit ein paar Sachen zu erwähnen, die mir aufgefallen sind. 

  1. Der andere Umgang mit Kleinkindern. Ein Restaurant mit 20 Kleinkindern und keines trötzelt vorlaut oder schreit? Bei uns undenkbar, in Finnland ganz normal. Die Eltern gehen auch mal für ein paar Minuten zum Buffet, derweil die drei Kinder, die jetzt alleine am Tisch sind, sich nicht aufs Dach geben, nix umwerfen etc. Die Kleine fasst das Glas (!) alleine und trinkt die Milch darin ohne einen Schluck zu vergeuden. Der Papa nimmt den Säugling mit in die Sauna und der höckelt da und scheint das Ganze kommentarlos zu geniessen. Nach zehn Uhr trifft man (fast) keine Kinderwagen mehr an und auch keine Kinder in einer Bar. Woran es liegt, das weiss ich nicht, aber es fühlt sich enorm entspannt an. 
  2. Überraschendes: Da kommt einem beim Motorradfahren schon mal eine Blockhhütte auf Anhänger entgegen und die Bushaltestelle im Nirgendwo hat keinen Fussweg der zu ihr führt. Wenn man 100 Km/h fahren kann, dann fährt man das auch über dutzende Kilometer hinweg, es gibt kaum Ausnahmen. Die Sauna im Hotel kostet oft Eintritt. Die Zapfanlage für das Bier hat eine Halterung, die das Glas schräg stellt, oft hat es sogar dazugehörig ein Dosiersystem. 

Polarkreis
Zurück zur Reise: Heute habe ich zum ersten Mal den Polarkreis passiert, als ich durch Lappland fuhr. Rovaniemi, der Ort, an dem offenbar der Weihnachtsmann haust, war entsprechend touristisch, respektive das Santa-Center ausserhalb, weshalb ich kurz winkte und dann am rechten Lenkerende drehte. Die Landschaft wird karger, die Bäume werden kleiner und aus Elchen werden (quasi) Rentiere. Erstere  habe ich nicht gesehen, was auf einem Motorrad  eigentlich etwas Gutes ist. Die schnuckligen Ren sind mit bei ner Pirsch ausserhalb des Hotels vor die Linse geäst. Ach ja und Mücken hat es, hier ist der Teufel los.

  

Entscheidung bei Unsicherheit

Entscheide bei Unsicherheit lernt man in vielen Führungsseminarien. Ist die Gesundheit und Schmerz mit im Spiel, wird das Ganze aber haarig. Ich begab mit am Mittwochabend auf die Fähre, suchte aber in Travemünde vorher noch eine Physiotherapeutin auf, um meine Muskulatur wieder etwas auflockern zu können und mir noch en paar Übungen abzuholen. Für den Entscheid kann dir aber niemand wirklich helfen. Ich entschloss mich für die Fähre, weil mir das knapp Zwei Tage mehr Raum für die Entscheidung brachte. Am ersten Morgen brauchte ich sehr lange, bis ich Schuhen und Socken war, konnte aber schmerzfrei auf dem Rücken schlafen. Ich entschied mich, die Medis zu nehmen und das brachte etwas Besserung. Sicher auch das strahlende Wetter auf der Ostsee. 

 

der «Finlady» etwas unverschämt auf den Hintern geguckt


Für die zweite Nacht war die Frage: Ausprobieren wie es ohne Medis geht oder gucken, ob es weitere Besserung gibt. Ich entschloss mich für Zweiteres und konnte dadurch sogar wieder auf der Seite schlafen. Doch die Frage blieb: 14 Tage durchkämpfen oder nochmals ne Fähre buchen und in 6 Tagen wieder im heimischen Bett auszukurieren. Zudem war die Frage, ob mich ein Weiterfahren im Gegesungsprozess nicht mehere Wochen zurückwarf. Die Zeichen standen auf Umkehr, auch als ich die Fähre wieder verliess. 
 

Welche Farbe darf es denn sein?

 
Doch ich fühlte mich recht schmerzfrei und wenn man darüber spricht, merkt man auf einmal, dass schon viele Ähnliches durchlebt haben. Darum kam der Tipp von einem Mitbiker: Bring den Schmerzlevel mit zwei Tagen Medis wieder in den grünen Bereich, dass sich die Muskulatur entspannen kann. 

So schreibe ich diese Zeilen am Ende meiner ersten Etappe. Ohne Schmerz und der Versicherung meiner hier getroffenen Töff-Kumpels, dass sie mir helfen, falls es rauh wird. Beim Motorradfahren hatte ich ja immer wenig Schmerzen und ich habe genügend Reserve an Medis. Die Fahrt konnte ich voll und ganz geniessen, also maximal noch 13 Tage ;-). Finnland: was für Weiten, was für Seen, was für Wälder! 

Für morgen ist gutes Wetter angesagt. Die Reise geht weiter. Ich blicke nach vorne, nicht zurück. (Es ist hier übrigens halb elf und fast noch taghell). 

  

Hamburg

Habe ich schon gesagt, dass Hamburg meine deutsche Lieblingsstadt ist? Wieso das so ist, weiss ich auch nicht so genau. Ich mag Hafenstädte und an Hamburg speziell dieser Mix aus Grösse gepaart mit der Individualität der Quartiere und die HamburgerInnen als Type. 

Angekommen bin ich mit  dem Autozug, was auf dem Motorrad immer auch eine Herausforderung ist. Die Kopffreiheit auf der unteren Etage der Güterzüge ist keine. Bei etwa 1.60m Höhe muss man zusehen, dass man nicht dauernd mit dem Kopf anschlägt. Das bedeutet, die Brust auf den Tank legen und den Kopf in den Nacken kippen, um durch die Scheibe sehen zu können, wo man hinfährt. Die Ausfahrt durch den Bahnhof Altona ist aber immer ein Erlebnis. 

Frische Luft

Nach vielen Stadtspaziergängen und der Feststellung, dass die Elbphilharmonie immer noch nicht fertig ist,  aber ein imposantes Bild abgibt, war mal an der Zeit ein paar neue Dinge zu erkunden. Beispielsweise  das Wälderhaus Wilhelmsburg oder das Planetarium Hamburg am Rande des Stadtparks. Da wegen der Mitarnachtssonne Polarlichter nicht oder kaum zu sehen sein werden, hatte ich mich entschieden, die Vorführung dazu im Planetarium zu besuchen. Die Bilder waren sehr eindücklich, wenn du das mal in einem Planetarium sehen kannst, solltes du es nicht verpassen. Immer wieder beeindruckt mich die Hafencity und der verfügbare Platz in Hamburg. Die riesigen Strassenbreiten, die eine grosszügige Verkehrsnutzug zulässt und das Riesenprojekt Hafencity, das in der Schweiz wohl einfach undenkbar wäre. Aber Ansätze davon könnte man übernehmen. Beipsielsweise der riesige Kinderspielplatz auf einem Flachdach. 

Wo mein Auge auch immer haften bleibt, ist bei den Aushublöchern. Ja, genau, wie ein Senior an der Baustelle guckte ich jeweils da runter und sehe Sand, Sand und nochmals Sand. Die Vorstellung eine Stadt auf Sand zu bauen, statt auf festen oder gar felsigen Boden ist für mich als Schweizer ungewohnt.  

Dunkle Wolken

Leider gibt es nicht nur Tolles zu bereichten. Mein Rücken macht mir mehr zu schaffen als bisher. Zwar macht mir die eine, ursprünglich am stärksten schmerzende Stelle kein Probem mehr, dafür hatte ich bis jetzt nie Probleme mit dem Liegen. Diese Nacht fand ich keine schmerzfreie Position, das bahnte sich schon letzte Nacht an. So habe ich mitten in der Nacht Übungen gemacht, die nichts halfen und das Antirheumatika genommen, das ein bisschen half. Das ist eine neue Dimension. Vielleicht liegt es an dem Hotelbett, vielleicht auch hat sich meine Muskulatur einfach inzwischen zu fest verkrampft. Auf jeden Fall werde ich heute Abend den Trade-off haben, die Fähre zu nehmen oder die Reise abzubrechten. Es wird eine schwere Entscheidung. 




Los gehts

Nun ist es soweit, die Reise geht los. Nachdem ich gestern zum ersten Mal seit Monaten schmerzfrei aufstehen  konnte, kam heute gleich wieder der Rückschlag. Wenigstens geht Töfffahren recht schmerzfrei. Die Packerei ging weit länger als erwartet. Erwartungsgemäss jedoch verlief der Umgang mit dem Platzangebot, ich wollte mehr mitnehmen, als da Platz war. Da zum Teil kalte 8 Grad in der Nacht angesagt sind, machte es das für mich nicht einfacher. Zumal ich die Koffer nicht zu mehr Staueraum «ausgefahren» habe, denn vielleicht will ich ja auch mal was einkaufen. so blieb auch die Regenjacke zu Hause, ich werde einfach das Gore-Tex-Innenfutter meines Töffanzuges tragen, sollte Petrus mir nicht gnädig sein. Was sich bereits jetzt zeigte, der Soziusrucksack ist ne tolle Sache, quasi mein Handschuhfach.  

Mein Berg von einem Töff

 Ich fuhr gemütlich los, und wollte rechtzeitig zum Verlad auf dem Autozug in Lörrach sein. Stressfreies und defensives Fahren ist angesagt. Noch ein kurzer Schwatz mit der Nachbarin und los gings. Bis Brugg, da merkte ich – zum Glück, danke Unterbewusstsein! –dass ich ja Fahrausweis, ID, etc. nicht bei mir hatte. U-Turn, und aus wars mit dem stressfreien Fahren 😉

Gut hatte ich genügend Reserve eingeplant. Ich schaffte den Zug noch locker. Das Verladen ist jedoch mit dem Töff immer ne Sache. Mit dem Kopf quasi auf dem Tank, so nieder ist das (sic!). Dafür habe ich einen Schlafabteil für mich alleine (und ein Loch im Portemonnaie). Das Bett ist natürlich immer noch viel  zu klein für mich, aber kein Vergleich zu den Liegeabteilen, in denen ich ewa 2 Minuten zum  Schlafen kam, damals. So liege ich auf dem Bauch, Knie an der Wand und Füsse gegen die Decke gestreckt, um genügend Platz zu haben, diese Zeilen zu schreiben. Wenn ich morgen aufwache, werde ich in Hamburg sein. Ich kann es kaum erwarten. 

 

Zu romantisch, das Bild

  

Dafür mit Bad (und Spiegel)

 

Vorbereitung – die Unterhosen(um-)frage

Nachtrag Tech-Gadgets

Bevor ich die Frage dieses Blogbeitrags nicht lösen kann, sei noch etwas nachgetragen. Bei den Tech-Gadgets habe ich mein Helm-Kommunikationssystem vergessen. Von @ragl  erhielt ich den Tipp einer tollen Helm-Intercom von UClear, den HBC 200, mit dem man Musik lauschen und Telefonanrufe entgegennehmen kann. Das Noise Canceling ist so gut wie die witzige Werbung suggeriert. Beim Objektiv habe ich mich für das Fujinon XF 55 -200 entschieden und gegen einen Tankrucksack, weil Touratech mit einem Soziusrucksack eine bessere Idee hatte! Denn wofür einen Soziussitz mitnehmen, wenn niemand drauf sitzt? Ein neues (schweineteures, ey Schuberth, grummel) Pinlock-Visier für den Helm gab es auch noch.
Was noch? Online-Shopping-Frust hatte ich, weil die regenfesten Handschuhe zu klein sind und die DHL/Post-Logistik einfach noch nicht auf der Höhe der Verschickerei ist; beispielsweise kann nur der Absender eine fehlerhafte Empfängeradresse korrigieren. Ich hoffe bloss, die Xiaomi Yi kommt noch rechtzeitig an.

Nun aber zu den Unterhosen

Reisen heisst immer auch Verzicht. Verzicht auf das bequeme Bett zuhause, das bekannte Essen, vollen Kühlschrank, Waschmaschine, Tagesgewohnheiten, Lieblings-TV-Show oder auch Hygienestandard. Dass mein Reisegepäck limitiert sein wird, habe ich schon im letzten Post ausgeführt und all die Ladegeräte und Ersatzakkus für den Tech-Kram nehmen noch zusätzlich Platz weg. Das wird bedeuten, eine Hose und ein paar Schuhe müssen reichen, ein Badehose muss auch mit, T-Shirts, Socken, Regenjacke, Wind-Stopper, Necessaire, Reiseapotheke, Badetuch, etwas Warmes, drei Hektoliter Moskitoschutz, bitzli Sonnencreme, Fischerrute?, Socken und eben Unterhosen. Aber wie viele nimmt man mit, wenn man drei Wochen jeden Tag an einem anderen Ort ist und darum kaum zum Waschen kommen wird. Der Schreibgott Max Goldt widmete sich in «die rot-blaue Luftmatraze» aus «Schliess einfach die Augen stell dir vor, ich wäre Heinz Klunker»  der sinnvollen Körperpflege und meinte:

Leseglück

Leseglück

Der Menschheit Erfahrungssschatz lehrt, dass es lediglich vier Körperstellen gibt, die einen Hang zum beschleunigten Stinken haben. Hat man längere Zeit enge Schuhe getragen, erhöht sich die Anzahl auf sechs. Nur diese Stellen muss man regelmässig reinigen, und damit auch Hinterwäldler wissen, was gemeint ist, möchte ich diese Stellen nun aufzählen: Achsel (links), Achsel (rechts), Fuss (links), Fuss (rechts) und dann noch zwei.

Der Unterhose kommt also besondere Bedeutung in Sachen Hygiene zu. Da es heute ja offenbar schon Menschen gibt, welche die Dinger mehrmals täglich wechseln, möchte ich gar nicht wissen, wie deren Reinigungsrituale aussehen und vermute, dass das ein Überschwingen der Menschheit zum schicklichen Stinken im Rokkoko ist und das Angebrachte irgendwo dazwischen zu finden wäre. Aber wo? In der Marktforschung habe ich gelernt, dass es nicht viel Sinn macht, nach Hygiene, ethischem oder sexuellem Verhalten zu fragen, weil die Menschen zwar eifrig antworten, aber ebenso eifrig ganz was anderes tun, als was sie sagen. Da solche Fragereien aber lustig sind, hier ein Mitmach-Dingsi:

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Wie viele Unterhosen ich jetzt mitnehme? Das geht niemanden was an. #superslart würde sich an Chuck Norris halten, #slartfuzius Gewand ist ja wie ein Schottenrock, da weiss man es nicht so genau. Wie auch immer: Waschpulver kommt auf alle Fälle mit und für den Fall aller Fälle gibt es ja Einkaufsgelegenheit. Neben all dem Verzicht, vergisst man in den Ferien ja oft, dass man gar nicht alles mitzunehmen braucht, weil man das Fehlende schlicht einkaufen kann.