Meine Odyssee bei SBB

Bevorzugter Fotoapparat

Foto: Silvio Tanaka by Creative Commons

Nach langem Ringen und Rechnen habe ich mich entschlossen, ein Generalabonnement (GA) der SBB zu kaufen. Die Rechnung geht für mich zwar nicht auf, ich habe mich letztlich aus Bequemlichkeit dafür entschieden. Vor allem nachfolgende Gründe gaben der Bequemlichkeit den Vorzug über die (kleine) Rechnungsdifferenz:

  • Bevor ich ein Ticket kaufe, möchte ich nicht immer meinen Telefon-Akkustand überprüfen müssen und danach zittern, falls meine Prognose zu progressiv war
  • Last-Minute Tickets
  • Automaten die nur Hartgeld akzeptieren
  • Anschlusstickets im ZVV sind mit dem Mobile-Client wegen der Zonenregelung nur sehr umständlich zu kaufen
  • Ich möchte neben dem Halbtax nicht noch zwei weitere Tickets mitführen, wobei eines davon (das Monatsabo) keine Kreditkartengrösse aufweist.

Voller Freude machte ich mich auf, mich an Kaufrausch-Glücksgefühlen zu erfreuen.

Erster Versuch: Über das Internet

Ich finde den Online-Weg ja praktisch, denn ich kann auch am Sonntag bestellen und auch von zu Hause aus und SBB ist hier im Allgemeinen sehr fortschrittlich (wie auch bei den ganzen Mobile-Tickets). Ich wählte Zahlungsmethode „Postcard“, schluckte noch einmal kräftig und drücke auf  „OK“  für das Bezahlen von 3350CHF. Die Zahlung scheitert leider und mir wurde ausser einem nichtssagenden Fehlercode kein Grund genannt (das ist wohl das Problem von Postfinance).

Merke: Fehlercodes sind für Entwickler, nicht für Benutzer

Da ich Ferien habe, denke ich OK, geh ich am Hauptbahnhof vorbei.

Zweiter Versuch: Am Schalter

Ich mach mich also an den Schalter und warte am Sonntag 30 Minuten im Wartesaal. Die Frau (sehr freundlich) teilt mir mit, ohne physisches Foto könne Sie mir kein Abo ausstellen. Das Foto müsse aufgeklebt werden und werde danach eingescant. Sie sah mir das dicke Fragezeichen, das wohl über meinem Kopf zu schweben schien, vermutlich an und lächelte etwas gedrückt.

Moment mal: Elektronisches auf Papier drucken, damit es elektronisch verarbeitet werden kann?

Aber sie eine Vermutung für den Fehlercode: Der bedeutete wohl, dass die Limite überschritten sei, weil bei Debit-Direct-Karten diese oft bei 3000 Franken liege. Aha, dachte ich, das macht Sinn, ich kaufe selten was, das mehr als 3000 Franken kostet und fragte sie darum, ob ich denn übers Internet das Foto wechseln könne. Sie sah nach und meinte, das gehe. Also packte ich meine sieben Sachen (auch dabei, das elektronische Foto) und und trottete nach Hause.

Dritter Versuch: Übers Internet

Zuhause machte ich mich übers den Webshop her, fand aber weder in meinem Profil einen Punkt, wo ich mein Foto ansehen, noch ändern konnte, noch im Bestellprozess einen Hinweis, wo ich das tun könnte. Es ist zu sagen, ich wollte mein Foto wechseln, weil es zehnjährig ist, ich eine andere Brille trage und die Haare auch nicht mehr lange sind wie dannzumal. Sprich: Kein Zugbegleiter würde mich wohl ohne zuvor was Verbotenes geraucht zu haben (also wirklich keiner, denn das tun die nicht) auf Anhieb erkennen. Wie auch immer, der Hauptgrund ist natürlich, dass ich das Foto grässlich finde. Da ich aber das GA am Mittwoch brauchte, habe ich den Bestellprozess abgeschlossen (jetzt mit Kreditkarte, die hat ne höhere Limite), das Bemerkungsfeld mit dem Anliegen des Fotowechsels ausgefüllt (das Bemerkungsfeld lässt etwa 40 Zeichen zu!) und mir das provisorische Abo (A4) ausgedruckt. Zudem habe ich über das Webformular mein Anliegen mitgeteilt, dass ich ein neues Foto schicken / hochladen wolle, bevor sie mir das Abo ausstellten, nicht dass mir die SBB es danach nochmals ausstellen müsste. Die Antwort war eine automatische Meldung, dass die Beantwortung etwas dauern könne.

Telefonodyssee

Nachdem ich nach 48h noch nichts erfahren hatte und befürchtete, dass mein Anliegen nicht rechtzeitig ankommen würde, melde ich mich bei einem Freund von der SBB, zur Hilfe fürs weiteren Vorgehen. Der konnte mir auch helfen (war nicht anders zu erwarten, der ist gut). Ich ignorierte den Hinweis auf Social Media und griff zum guten alten Telefon, weil mir das lösungsbringender erschien. Ich rief 0900 300 300 an. Die Dame (superfreundlich, auch sie) gab mir die GA-Hotline 0848 44 66 88 (diese Telefonnummer habe ich im Web nicht gefunden). Der Herr von dieser Hotline (auch er, superfreundlich) meinte, er könne nichts machen, da das eine Online-Bestellung sei und somit bereits ausgelöst und mir nur die Tickethotline unter 0848 222 722 weiterhelfen könne. Also rief ich dort an(war unterwegs und musste mir all die Nummern im Tram irgendwohin kritzeln).

Als Kunde möchte ich verbunden werden, mir nicht irgendwelche Nummern aufschreiben müssen

Der Herr (ihr ahnt es, auch er superfreundlich) hat mich dann aufgeklärt:

  • dass das Abo schon in Produktion sei
  • Online könne das Foto nicht geändert werden, nur am Schalter, dann aber nur auf Papier
  • Das Foto online aber zwingend geändert werden müsse, wenn es älter als zehn Jahre sei (meines sei acht Jahre und elf Monate alt).
  • Ich, wenn ich es ändern wolle, nach dem Erhalt des Abos dieses am Schalter mit einem physischen Foto umtauschen müsse und eine Bearbeitungsgebühr von 30CHF zu entrichten habe

Ich war extrem hässig (aber immer superfreundlich, weiss schliesslich, dass die am anderen Ende nix dafür können).

Fazit

Die Service-Stellen von SBB sind sehr freundlich und hilfsbereit.

Das Sicherheitsmerkmal Foto wird durch das Verunmögliche eines Online-Fotowechsels geschwächt.

Das Telefon ist für gewisse Dinge einfach besser als Social Media.

Ich habe für die ganze Geschichte etwa 4 Stunden und 3350CHF (plus ein paar Telefonanrufe, von denen ich gar nicht weiss, ob mich einer was kostete) aufgewendet um zu erfahren, dass man Online keine Foto hochladen kann, ausser man muss; dass das aber am Schalter geht, aber nur, wenn man ein physisches Foto mitnimmt (das dann digitalisiert wird).

Ich finde, ich habe das Recht, ein anderes Foto auf meinem neu ausgestellten Ausweis zu erhalten. Für mich, kostet das Recht einen halben Tag Ferien, die Suche nach einem Drucker, der so was noch ausdrucken kann (plus die Kosten dafür) und eine Gebühr von 30 Franken.

Ich werde das nicht tun, weil ich nicht bereit bin, dafür diese Kosten zu tragen. Als Konsequenz werde ich mich jedes Mal über die SBB ärgern, wenn ich die nächsten zwei Jahre mein GA vorzeigen muss.

Motzen kann jeder, was kann man denn besser machen?

  • Dem Kunden die Hoheit über sein Foto lassen
  • Dem Kunden bei einer Online-Bestellung ermöglichen, sein Foto zu ändern
  • Den Kunden sein Foto selber verwalten lassen. Sollte das Foto zum Ausstellungszeitpunkt nicht genügend sein, kann man den Kunden informieren, z.B. mit einem Merkblatt (falls das beim Hochladen nicht schon klar gemacht werden kann)
  • Bessere Information über die Prozesse. Ich habe mich Online nie wirklich wohl gefühlt, darum bin ich auch an den Schalter gegangen
  • Fehlermeldungen mit Informationen an den Benutzer, nicht an den Entwickler (ist nicht der Fisch von SBB)
  • Anrufe weiterleiten und nicht Telefonnummer angeben
  • Eine Kommentarzeile mit mehr als 40 Zeichen zulassen
  • Auch ein Übergangsabo in Kreditkartengrösse erstellen
  • Ich mich selbst bei der Nase nehmen, um das beim eigenen Webshop besser zu machen, falls es dort denn mal ein Foto braucht.

Selbst ist der Mann

Ich habe ja vor ein paar Tagen an gleicher Stelle in bester „Poser“-Manier über mein nigelnagelneues Nexus 7 berichtet. Als ich es mit der ganzen Posiererei noch weiter trieb und es – zusammen mit meinem selbstgenähten Sleve – auch noch dem lieben @pixelfreund unter die Nase rieb, meinte dieser trocken, er hätte an meiner Stelle im Blogbeitrag ja über den Sleve berichtet. Dabei nicht genug, hob er das Teil danach in einem Tweet gleich aufs Tablett (nicht das Nexus 7, das silberne, kännsch?):

Für die Techies aber erst noch ein paar Updates zum Nexus 7

  • iOS 5 wirkt veraltet, hat aber schon ein paar Dinge, die ich vermisse (Save to Desktop etc.)
  • Ich will meine Apps zurück (nein, für gewisse Dinge reicht der Browser einfach nicht)
  • Das iPhone wirkt auf einmal klein, wenn man es in der Hand hält
  • Konfig auf Android ist immer noch wie Konfig mit vi (für die Mehrheit unbrauchbar)
  • OS 4.1.1 (Jelly Bean) stürzt doch recht oft ab
  • Google Play? Na ja (bis urks)
  • Widgets!
  • Die Grösse ist genial für unterwegs, das iPad würde ich wohl kaum mitschleppen
  • Will es nicht mehr hergeben, Punkt
  • Gibt noch keine Sleves -> Oha, jetzt sind wir wieder beim Thema

Es gibt noch keine Sleves

Es war ein mal vor langer Zeit, ich orderte sehr früh (huch, ich werde zum Poser) den Kindle3. Den Schnuckel hatte ich bereits ab dem ersten Tag so doll lieb, dass ich mich um dessen Display sorgte. Schliesslich säumten verschiedene geschlissene Telefone den Weg meiner Mobilgerätegeschichte, wie derweil Leichen die Pfade einer mittelalterlichen Schlacht (weiss ich zwar nicht, war nicht dabei, aber die Überlieferungen sind so genauso grauenvoll, wie meine Geräte nach dem Unglück jeweils ausgesehen hatten).

Nun, was tun? Fragte sich der Mann und suchte wie wild im Netz nach Abhilfe. Doch all die Sleves waren entweder verfügbar und hässlich oder verfügbar und nur in USA, Kanada und Hawaii zu haben. Da mir ein Flug nach Hawaii etwas zu umständlich schien, nahm ich das Tram zum Talacker, um mich mit geeignetem Stoff und Klettverschluss einzudecken (Schere, Nadel, Faden und Fingerhut hatte ich bereits, die gehören ja wie ein Phasenprüfer in jeden Männerhaushalt). So hatte ich mir flugs eine kleine, niedliche (und wie ich meine, ganz ansehnliche) Hülle für mein Kindle 3 gezimmert geschustert genäht. Für die besorgte Leserinnenschaft; der Blutverlust hielt sich in Grenzen

Und was hast das jetzt mit dem Nexus 7 zu tun? Nun, beim Tablet hatte ich dasselbe Problem, wie damals beim Kindle 3, das hat dann natürlich ne Synapse gefeuert und mich versuchen lassen, das Nexus 7 in die Hülle zu stopfen. Schau her, es passte.

So trage ich nun mein Tablet in meinem selbsgenähten Schutzumschlag über die sieben Berge. Zumindest solange, bis ich meine neue, etwas besseren Schutz bietende (und hoffentlich schöner genähte) Hülle bei mir eintrifft. Dann gehört mein „Schmuckstück“ wieder dem Kindle ganz alleine.

Meine Tasche (hatte noch nie eine immobile)

@treimannch hat auf dem Firmenblog heute darüber berichtet, was er denn so mit sich rumträgt, den ganzen langen Tag und hat angefragt, was ich denn so vergleichbares in meiner Tasche mit mir rumtrage. Fand ich interessant und kippte das Ding mal aus. Da kam wenig Geekiges zum Vorschein, aber vielleicht für manchen was Überraschendes.

Noch kurz zur Tasche: Meine Kuriertasche Jil ist von Harold’s-Bags, brandneu, gebe ich nienienie mehr her.

  1. Sanddorn-Handcrème von Weleda. Die beste, basta.
  2. Schreibzeugs, braucht’s ja.
  3. Papiertaschentücher, braucht’s ja auch.
  4. Mein Streckenabo, irgendwie muss ich ja zur Arbeit kommen.
  5. à propos zur Arbeit kommen. Heute mit dem Töff.
  6. Und weil mit dem Töff gekommen, fehlt die NZZ.
  7. Und darum fehlt auch mein MP3Player von iRiver (die Audioqualität des iPhones ist mir einfach zu schlecht).
  8. Meine in-ears, schweineteuer, schweinegut.
  9. En Schigg.
  10. Ein schlaues (Notiz an mich, Bücher können nicht schlau sein) Buch von einem schlauen Mann, das wir in unserem Management-Lesezirkel zur Hand nehmen
  11. Mein Kartenhalter von Holstee, luvin it!
  12. Carmex.
  13. Mein USB-Stick mit verschlüsselten Daten.
  14. Ein DayDeal-Kleber, kürzlich in die Hände gekommen, sucht noch Anhang.

Was natürlich auch fehlt ist mein iPhone4, mit dem ich die Foto gemacht habe und das Moleskine, das mich fast immer begleitet. Aber eben, etwas Abwechslung darf ja sein.

Und was trägst du so tagtäglich mit dir rum?

PS: Zum Titel: Der Blogbeitrag von @Treimannch hiess „Meine mobile Tasche“ 😉

Taschen anderer Menschen:

Geburtstagsglückwünsche auf Social Media – Ein Dilemma

Letzten Donnerstag war es wieder mal so weit: Ich feierte mein Dasein. Das gibt auch immer etwas die Möglichkeit Antworten zu suchen. Im „Hitchhikers Guide to the Galaxy“ wurde die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest ja mit 42 beantwortet. Da ich wegen dem Auffahrtsfest den ganzen Tag frei hatte, entschied ich mich für ein kleines Experiment um die Antwort zu finden, wie man sich auf Social Media am besten für Glückwünsche bedankt.

Gratulationen erfolgen heute über Social Media

Wie schon viele andere bereits früher festgestellt haben, erfolgen heutzutage die meisten Gratulationen nicht mehr über Besuche (das Ding, wo man klingeln muss), SMS oder Telefon (das Ding, wo man bezahlen muss) sondern über Xing, Facebook, Twitter und Konsorten. Das ist billig (darum funktionieren die Plattformen auch) und praktisch (die erinnern einem an die Geburtstage). Letzteres ist auch für mich ein Segen. Ich lege selbst nicht so grossen Wert auf die Geburtstagsfeierei, darum vergesse ich auch schon mal den einen oder anderen Geburtstag. Nichts desto trotz freue ich mich natürlich über jeden Glückwunsch.

Social Media ist ein Massenmedium

Doch Social Media ist ein Massenkommunikationsmittel, die Diskussionen um möglichst viele Follower, Retweets und Favs sind Zeugnis davon. An Geburtstagen bemerkt man das besonders gut. Es ist schlicht umwerfend, von wie vielen Menschen man Gratulationen bekommt. Überrollt von der Lawine der Gratulationen, greift man jeweils zu einem kollektiven „Dankeschön“, ob auf Facebook oder auf Twitter. Das wollte ich dieses Jahr nicht tun.

Das Experiment: Jedem persönlich und möglichst individuell antworten

Da ich, wie eingangs erwähnt, einen arbeitsfreien Tag hatte, wollte ich jedem einzeln mit einer möglichst individuellen Botschaft für eine Gratulation danken. Sprich: Wer mir kurz und knapp „Happy Birthday“ sagte, bekam kurz und knapp Antwort. Wer einen originelle Wunsch sandte, sollte auch eine originelle Antwort bekommen. Dabei möchte ich festhalten, dass ich mich auch an den einfachen „Happy Birthdays“ sehr erfreut habe. Auf Facebook habe ich nicht nur „geliked“ sondern auch einen Kommentar auf den Post geschrieben.

Ganz anstrengend schön

Ich meine, ich habe das, bis auf eine Ausnahme, wo ich einen Tweet an zwei Personen absetzte, eingehalten. Am Morgen im Kaffee, habe ich dafür sicher 1.5 Stunden freudig getippt (natürlich noch mit etwas sonstigem Rumgesurfe). Total habe ich sicher 2-3 Stunden Glückwünsche beantwortet, was an einem Arbeitstag schlicht unmöglich gewesen wäre. Mit der Pinwand ist das auf Facebook ja gut gelöst, aber auf Twitter hat das am Morgen natürlich dazu geführt, dass ich Timelines anderer Leute ordentlich mit „Geburtstagsspam“ flutete. Ich nenne das Spam, denn wer will schon mitlesen, was ich jemandem auf einen Glückwunsch antworte, ist schliesslich individuell. Ich kann mir vorstellen, dass mich sogar einige „gemutet“ haben an dem Tag. An DEM Tag, meinem Geburtstag, wohlgemerkt!

Twitter: Direct Message oder öffentlich?

Für persönliche Kommunikation gibt es auf Twitter ja Direct Messages. Die muss man dann auch schön individuell abarbeiten, wie SMS (früher, kännsch?), geht aus einem inneren Zwang irgendwie gar nicht anders. Der Nachteil von Direct Messages ist aber, dass das einem Empfänger lästig sein kann (siehe oben, Zwang, innerer) zudem versagt die Multiplikation. Denn manch eine(r) hat nur wegen öffentlicher Tweets überhaupt davon mitbekommen, dass ich Geburtstag hatte und daraufhin gratuliert. Ich vermute, darum bekam ich auch eine SMS – die mich sehr freute – von einem Menschen, von dem ich es nicht erwartet hätte. Schön, nicht?

Was tun? Spammen oder kollektiv danken?

Ich glaube das Dilemma ist inzwischen jedem ersichtlich. Wenn ich ein paar Personen folge und die es mir jeweils gleich tun, dann besteht meine Timeline täglich bald nur noch aus Geburtstagsglückwünschen. Doch da ist ein Mensch, der mir gratuliert, dem will ich auch auf Social Media persönlich dafür danken, das würde ich auf der Strasse schliesslich auch tun. Aber was tun jetzt, was ist meine Empfehlung? Es gibt keine, denn letztlich muss jeder das individuell richtige Verhalten für sich selbst rausfinden.

So geht es mir nicht anders als den Menschen aus „Hitchhikers Guide to the Galaxy“, die mit der Antwort 42 auch nichts anfangen konnten. Denn die Antwort auf mein Experiment lässt mich unschlüssig, was am besten zu tun ist. Sicher werde ich vermehrt Direct Messages schreiben, manchmal einen Facebook-Post „nur“ „liken“. Sonst werde ich weiterhin einfach instinktiv handeln und mich in guter alter Hippiemanier darum scheren, geblockt oder entfolgt zu werden und wer weiss, vielleicht war ja einfach die Frage falsch gestellt.

Internet-Superstars? Nein, Twitter-Hippies braucht das Land

Kürzlich hat David Worni Blum (2666 Follower) unter dem Titel „Wie man zum Internet-Superstar wird“ einen beachtenswerten und ungemein beachteten Blogpost verfasst. Ich (743 Follower) bin weiss Gott [you name it] kein Internet-Superstar und ich will – ganz ehrlich – auch keiner werden. Halt! Mag man darauf einwenden, es gibt auf Twitter keine Menschen ohne Geltungsdrang. Stimmt, auch ich habe gerne, wenn meine Tweets gelesen werden und verstehe nicht, wieso der Tweet, den ich supercalifragilistikexpialidotios-lustig fand, von niemandem mit einem Sternchen versehen wurde, ganz im Gegensatz zu einem lakonisch dahin geschriebenen geistigen Aussetzer. Die Chance auf Sternchen wäre mit optimalem Timing sicher grösser, also habe ich mir schnell die Buffer-App und Social Bro herunter geladen und zu werkeln begonnen, doch plötzlich sagte ich mir, „was tust du hier eigentlich“?

Um was geht es eigentlich

Damit ich hier nicht einen falschen Eindruck erwecke: Ich find den @dworni @david_blum und sein Blogbeitrag toll. Die Beispiele in meinem Blogpost sind so auch keine über David, denn ich bin froh um all seine Links und Tipps, ganz generell und im Speziellen macht das was er zu mehr Followern sagt, ja sehr viel Sinn.
Damit meine Timeline nun um neun Uhr nicht von einer Lawine gebufferter Tweets erdrückt wird und ich mit der Sondierstange nach solchen stochern muss, auf die jemand antworten kann, möchte ich etwas zum Nachdenken anregen.

Size doesn’t matter

Mir geht die ganze Prahlerei um die Follower- oder Freundes-Zahl recht auf den männlichen Drüsenhalter. Das meine ich wohlgemerkt für persönliche Accounts und nicht für solche, die Soziale Medien Netzwerke zu Geschäftszwecken nutzen, von denen also abhängt, ob am Freitag Butterbrot oder Rindsbraten auf den Tisch kommt.

Schon seit dem ersten Tag auf Twitter hatte ich Mühe damit, dass mir Leute sagten, dass ich da was falsch mache. So tu ich auch heute immer noch so manchens, was „man“ nicht tun sollte:

  • Ich gebe nicht meinen vollen Namen an und finde mich kein bisschen weniger authentisch dabei. Ich mach das, weil mich nicht jeder auf Anhieb finden soll, aber finden kann und darf (wer es wissen möchte, der gibt im Kommando-Fenster einfach mal „whois slartbart.com“ ein, man darf mich an der Adresse auch besuchen kommen oder Kuchen hinschicken).
  • Ich verwende für #slartfuzius und #superslart keine separaten Accounts
  • Ich schreibe nicht nur über Fachthemen, oder nur Lustiges, oder nur Schlaues, oder Halbschlaues. Ich mach ein grosses Twitter-Birchermüesli draus.
  • Ich überreize auch schon mal so manche Timeline, weil mir grad hundert Dinge ein- und auffallen.
  • Ich twittere impulsiv, weil ich so bin (nicht immer, aber manchmal, dafür recht heftig).
  • Ich verwende auch schon mal bescheuerte Hashtags, weil ein Tag ja ein Anhängsel ist und ich meinen Tweets anhängen kann was ich will.

Und was ich auch nicht will (ganz ohne rebellischen Unterton) ist:

  • „taktische“ Tweets schreiben
  • Jemandem zu folgen, um ihm eine Direktnachricht zu schreiben und danach wieder zu entfolgen – gewisses Zwitschervögel tun das tatsächlich-, wieso auch immer.
  • auch noch meine Meldungen planen und koordinieren müssen (weil planen und koordinieren tu ich als Marketingleiter den ganzen Tag schon genug)

Genau weil ich so bin, führt das dazu, dass gute Tweets nicht ankommen oder dass ich einen Tweet lösche, bei dem die Idee so schnell in den Fingern war, dass sich das Hirn nicht mehr dazwischen schalten konnte.

Mehr Mut!

In den siebziger Jahren hatten sich die Hippies die Kleider vom Leib gerissen (und noch vieles mehr getan), um sich gegen den Konformismus aufzulehnen. Ich war damals ja noch hinter dem Mond (oder wo auch immer) und kenne das nur vom Hörensagen, fände aber mehr Hippietum täte Twitter gut. Drum rege ich an, es mir gleich zu tun, die Konventionen über Bord zu werfen und einfach drauflos zu twittern. Impulsiv, ohne Rücksicht auf andere Timelines (Gewisse Apps könne zu laut zwitschernde Vögel mal für einen Tag ausblenden). Schreib wann du willst und was du willst, auch wenn der Supertweet dann vielleicht nicht gelesen wird. Schreib auch mal politisch Unkorrektes, auf die Gefahr hin, entfolgt zu werden. Benutze die Energie und die Kreativität für den Content, indem du was Schönes schreibts und nicht für die Optimierung deiner Followerzahl, das kommt dann von selbst und wenn nicht, so what?

Harmony and understanding
Sympathy and trust abounding
No more falsehoods or derisions
Golden living dreams of visions
Mystic crystal revalation
And the mind’s true liberation. [Hair-Aquarius]

Wieso ich jemandem folge

Für mich macht es keinen Unterschied, ob eine(r) 15 oder 1500 Follower hat, ich folge einfach Menschen:

  • die etwas aus ihrem Leben erzählen
  • die witzig sind
  • die Interessantes von sich geben
  • die auch mal widersprechen
  • die gerne in den Dialog treten (aber nicht nur darum twittern)
  • die was tun, statt nur zu bemängeln
  • die Sprache als Sackmesser und nicht als Hammer sehen
  • die man auch in Real Life mal sehen kann
  • die auch auf die Rechtschreibung achten
  • an deren Tweets ich mir erfreuen kann

Das sind übrigens alles Dinge, die auch ein @dworni @david_blum auf sich vereint und darum folge ich ihm und mir ist dabei völlig egal, wenn ich ganz viele Tweets von im verpasse, es hat genügend gute dabei. Wenn ich keine verpassen möchte,  könnte ich ja auch Listen erstellen und lesen (was ich aber auch nicht tu, du ahnst warum).
Mir folgen ja auch ein paar Menschen (und ein paar Firmen und ein paar Roboter), ganz so schlimm kann mein „Fehlverhalten“ ja nicht sein. Vielleicht werde ich auch mal die Buffer-App verwenden, um anderer Timeline zu schonen, aber sicher nicht darum, um zu den besten Tageszeiten zu tweeten. Wegen meinem Twitter-Birchermüesli sieht nämlich auch mein Social-Bro-Graph aus wie ein Frosch, der nicht mehr rechtzeitig über die Strasse kam und ein Auge einfach auf 9 Uhr  liegen blieb.

Frosch, geplatzt