Rentnerleben – 3 – Reisen

„Man reist ja nicht um anzukommen, sondern um zu reisen“
Johann Wolfgang von Goethe

Namibia Landscape

So ist das auch mit der Auszeit. Man macht sie ja nicht um wieder in der Arbeit anzukommen, sondern um etwas zu unternehmen und mehr über sich selbst zu erfahren.

Die Auszeit ist eine Reise

Das Wort Reise stammt von sich erheben was auch gut für die  Auszeit passt, denn sie selbst ist wie eine Reise durch die eigenen Wünsche und Werte. Wie eng die Auszeit mit dem Reisen verbunden ist, widerspiegelt sich nirgends deutlicher als an Zitaten zum Reisen:

„Reisen ist tödlich für Vorurteile“ Mark Twain

Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.“ Hermann Hesse

Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
Freude, Schönheit der Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise.
Höchste Zeit ist´s: Reise, reise!“ Wilhelm Busch

„Richtig“ reisen

Die Auszeit bietet natürlich selbst beste Möglichkeiten um zu reisen. Man kann spontan auf Angebote eingehen und günstig reisen, weil locker am Dienstag ab- und am Donnerstag zurückreisen kann. Bei mir kam das etwas zu kurz und ich setze es auf die Liste „next time better“. Für ausgiebigere Reisen empfehle ich, diese zeitlich an den Beginn der Auszeit zu legen. Das hat mehrere Gründe:

  • Zu Beginn ist der Kontostand noch höher, man knausert nicht. Und auf Reisen zu knausern, finde ich eine schlechte Idee.
  • Reisen befreit den Geist: Ein guter Startpunkt für die Auszeit.
  • Reisen bietet die Möglichkeit, sich Gedanken zur Auszeit zu machen.
  • Die Auszeit danach bietet genügend Zeit, um Fotos zu sortieren und Berichte zu schreiben.
Ich habe meine Restferien – also noch bevor es richtig abging – genutzt, um meine Auszeit zu starten und bereiste zusammen mit einem guten Freund einen Monat Namibia, Botswana und Simbabwe. Die kleine Fotoserie auf  Flicker gibt wohl einen guten Eindruck, wie einfach es dabei ist, auf neue Gedanken kommen. Die Länder kann man übrigens wärmstens empfehlen und das Überwinden meiner Abneigung gegen langes Fliegen – bei fast 2m Körperlänge jedes Mal eine Tortur – hat sich restlos gelohnt.

Kleine Reisen

Wie oft erlebt man, dass man jemanden nicht besucht, weil es zeitlich oder emotional zuviel geworden wäre. Eine Freundin in der Ostschweiz besuchen, für einen Treff doch noch nach Bern fahren, etc. oder einen Tag mit Ray wandern zu gehen.  Auch das sind Dinge, die würde ich nächstes Mal noch mehr tun, das kam etwas zu kurz, denn das Programm füllt sich schnell, wenn man das tut, was man schon lange tun wollte, genau darum geht es im nächsten Kapitel:

Rentnerleben – 4- tun, was man schon lange wollte

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Rentnerleben – 2 – Vorkehrungen treffen

Bevor du entspannt loslegen kannst, gilt es die Auszeit etwas abzusichern. Tipps und Tricks dazu (alle Angaben ohne Gewähr) sollen dir helfen, deine Badehose nach dem Sprung ins Wasser auch noch anzuhaben. Weil es viel zu beachten gibt, wenn man aus dem Mainstream der Gesellschaft ausbricht (Hörempfehlung: Society von Eddie Vedder), ist dieser Beitrag etwas länger.

Wie viel darf es denn sein?

Befristete Auszeit oder unbefristet, das ist hier die Frage. Für mich persönlich gab es die Option befristet nicht, denn ich meine, dass man geistig nicht frei ist, wenn man im Hinterstübchen schon wieder an des Ende und einen neuen Job denkt. Als Hilfe zum Loslassen habe ich mir dabei eine Frist gesetzt, ab wann ich frühestens wieder mit der Jobsuche beginne und bis dann auch schweren Herzens gute Angebote abgelehnt. Ich würde es genau wieder so tun, die Chance auf eine Auszeit bietet sich weniger oft, als die Chance auf einen neuen Job.

Burn-Rate festlegen

Wie viel Kohle brauche ich für’s Leben pro Monat? Die Frage sollte man sich sowieso öfters mal stellen und mit Wohnung, Krankenkasse, Versicherungen, Steuern, Motorfahrzeug kommt das schon einiges zusammen. Auf was bin ich bereits zu verzichten, was nicht?  Ich beispielsweise wollte intensiver Golf spielen, das packt dann zusammen mit den Mobility-Fahrkosten gleich ein paar Hunderter pro Monat obendrauf.

Neben dieser Burn-Rate lohnt sich auch die Überlegung, wie viel Geld man nach der Auszeit noch haben möchte. So wird schnell klar, wie lange das Abenteuer maximal geht und wichtig dabei: Einen Monat mehr einkalkulieren, denn der nächste Zapfen kommt erste Ende Monat.

Versicherungen

Unfall

Die ersten 30 Tage nach dem Niederlegen der Arbeit ist man i.d.R. noch vom Arbeitgeber gegen Unfall versichert. Danach gibt es zwei einfache Möglichkeiten zur Versicherung:

  1. Abredeversicherung: Damit kann man sich bei der Unfallversicherung des letzten Arbeitgebers für eine maximale Dauer von sechs Monaten versichern.
  2. Unfallversicherung bei deiner Krankenkasse

Die Kosten sind um die CHF25 pro Monat und für beide Varianten vergleichbar. Ich habe mir sagen lassen, dass die Leistungen bei der Abredeversicherung besser seien, dafür muss man aber daran denken, dass das Unfallrisiko nach dem siebten Monat nicht mehr gedeckt ist.

Invalidität infolge Krankheit

So aus dem „Gspüri“ meint man, dass das Risko eine Invalidität durch Unfall grösser ist. In der Tat werden viel mehr Menschen durch Krankheit invalide (Chronische Leiden, Krebs etc.). Bist du angestellt, ist dieses Risiko über AHV und Pensionskasse abgedeckt. Fällt die Pensionskasse weg ist dieses Risiko auch nicht mehr versichert und es bleibt die AHV, die gibt im besten Fall für einen Arbeitsleben-Mittelalterlichen so um die CHF20’000/Jahr. Damit kommt man nicht weit. Hier lohnt sich also eine Erwerbsausfallversicherung. Bis rund CHF30’000 pro Jahr kann man das auf dem Formularweg machen, darüber geht’s zur Untersuchung beim Vertrauensarzt der Versicherung. Aber auch der Formularweg hat es in sich, wer kennt schon alle Arztbesuche der letzten zehn Jahre und wenn man, wie ich, manchmal Rückenbeschwerden hat, gibt’s auch noch ein Zusatzformular. Alles ist so gehalten, dass man das Gefühl hat, man unterschreibt etwas, bei dem die Versicherung immer einen Punkt findet, wieso sie im Schadenfall nicht zahlen muss.

Ich hatte mich für die Zeit bis 65 über CHF 30’000 versichert. Das macht dann ca. CHF1’200 Prämie pro Jahr, happig, aber fahrlässig, wenn man darauf verzichtet. Ich hatte zwei Versicherungen offerieren lassen, die Unterschiede waren gering.

Pensionskasse

Damit dein Geld, das du dir angespart hast nicht verloren geht, kannst du es auf einem Freizügigkeits-Konto anlegen. Und zwar bei einer Bank (Konto) oder bei einer Versicherung (Police). Bei ner Versicherung kann man teilweise auch die Invaliditätsrisiken abdecken. Eigentlich egal was du tust. Ich finde ein Konto besser (one thing for one thing) und erhalte auf das Vermögen aktuell 1.5% Zins. Wenn die Auszeit vorbei ist, überweist du das Geld wieder in die neue Pensionskasse.

***** NACHTRAG  ****

AHV

Damit man keine Beitragslücke schafft, die später zu grösseren Einschränkungen der Rente führt, ist es wichtig, sicher zu stellen, dass man pro Kalenderjahr den Mindestbeitrag einbezahlt hat. Über Details kann die Ausgleichskasse deiner Region Auskunft geben.

***** ENDE NACHTRAG ***

Arbeitslosigkeit

Ich wollte einen freien Kopf haben und nicht irgendwelchen Administrativdingen nachrennen und hatte mich darum nicht arbeitslos gemeldet. Das brachte mir mitunter auch etwas Kritik ein „ist eine Versicherung“, „musste deine Kohle schützen“, etc. da muss man halt darüber stehen. Wäre ich auf Stellensuche gegangen und hätte die Kriterien der Arbeitslosenversicherung (RAV) erfüllt, hätte ich mich wohl auch gemeldet, aber so weit kam es bei mir nicht.
Auf jeden Fall lohnt es sich die Zeit für die Stellensuche zu dokumentieren, auch wenn man noch nicht angemeldet ist. Man kann diese Aufwände gegenüber der ALV gelten machen, insbesondere um die Einstelltage (mehr dazu nachstehend) zu verkürzen. Hier eine Zusammenfassung zur ALV:

  • Man ist auch bezugsberechtigt, wenn man selbst gekündigt hat. Das wird jedoch als „verschuldet“ angesehen, und mit ein bis 60 sogenannten Einstelltagen (das ist wie eine Karenzfrist, in der nix bezahlt wird) bestraft„.
  • Bezugsberechtigt ist grundsätzlich jeder, der 12 Beitragsmonate in den letzten zwei Jahren entrichtet hat.
  • Wer Unterhaltspflichten hat oder dessen Durchschnittslohn 3’797 Franken nicht übersteigt, erhält ein Taggeld von 80% auf den durchschnittlich AHV-versicherten Lohn der letzten sechs oder zwölf Monate (je nach dem was vorteilhafter für den Versicherten ist).
    Erfüllt man diese Bedingungen nicht, reduziert sich der Ansatz auf 70%
  • Ausbezahlt werden fünf Taggelder die Woche, bis i.d.R. 520 Tage. Je nach letztem Lohn erfolgt die Zahlung nach fünf bis 20 Tagen (unbedingt mit einberechnen, damit die Reserven nicht knapp werden)

Mehr Details zur ALV in dieser Broschüre

Freunde und Familie

Etwas, das ich auch unterschätzt hatte, ist Freunde und Familie möglichst schnell über das Vorhaben und die Gründe dafür zu informieren. Die brennen nämlich darauf mehr zu erfahren und dichten sich ihre Version sonst selbst zusammen.

Jetzt wo die Badehose erst mal unverrutschbar sitzt, geht es unbeschwert los in die Auszeit und dabei sollte das Reisen nicht fehlen. Mehr dazu liest du im Teil 3:

Rentnerleben – 3 – Reisen 

Rentnerleben – 1 – Der Sprung

Vorweg: Natürlich bin ich kein Rentner, dazu bin ich noch zu jung, sondern geniesse seit April eine Auszeit vom Berufsleben. Mehr zur – nicht ganz unwichtigen – Terminologie weiter unten. Wie das so ist mit den schönen Dingen im Leben, muss alles auch einmal ein Ende haben. Das meinte auch Carlos Santana in They All Went to Mexiko

Und da ich per 1. Dezember 2011 wieder ins Berufsleben einsteigen werde, findet auch mein Rentnerleben ein Ende. Bis dann werde ich meine wichtigsten Erkenntnisse und Erfahrungen hier, quasi im Rentnerblog, dokumentieren. Solltest du dir selbst schon mal überlegt haben, eine Auszeit zu nehmen, oder einfach wissen möchtest, wie es mir ergangen ist, dann solltest du keinen Rentnerleben-Betrag verpassen. Also, Pack dir ne Rheumadecke, es geht los mit Teil 1: Dem Sprung

Terminologie: Sabbatical? Nein Auszeit!

Ich selbst nannte meine Auszeit Schnupperlehre als Renter. Im Prinzip hatte ich ja genau das vor zu tun, was man so tut, wenn man nicht arbeiten muss. Mit dem Unterscheid zum Rentnerdasein halt, dass da eben keine Rente ausgezahlt wird, man dafür Dinge tun kann, die in jüngerem Alter einfacher sind. Wenn ich das jeweils sagte, „Schnupperlehre als Rentner“, bekam ich neben einem Lächeln auch oft „aha, Sabbatical“ zu hören. Auch wenn Sabbat ja „Innehalten nach getaner Arbeit“ bedeutet, fiele der Begriff bei mir als Agnostiker auf unbestellten Boden. Der Begriff wird zudem auch in der Wissenschaft verwendet um sich für eine bestimmte Zeit frei neuen Themen zu widmen, um auch eine Neuorientierung vorzunehmen. Auch das wollte ich im Grundsatz nicht. Damit sind wir bereits beim ersten Punkt für eine Auszeit, dass man sich erst einmal klar werden muss, warum man die Auszeit machen möchte.

Warum?

Natürlich hatte ich viel zu viel gearbeitet, konnte meine Begeisterung nicht mehr so finden, wie ich es von mir gewohnt bin, hatte in 25 Jahren Arbeitsleben nie länger als 4 Wochen frei und so einige Ideen was man so tun könnte, wenn man mal nicht arbeiten müsste. Aber das alles ist der falsche Ansatz, um die Frage nach dem Warum zu beantworten, denn die zentrale Frage ist: Warum nicht?
Ich brauche bestimmt ein Jahr um meine geistigen Elektronen in umgekehrte Richtung in die Bahn zu schicken. Welche Gründe gibt es denn, es nicht zu tun? Recht wenige, Familie lass ich knapp gelten, aber Hand aufs Herz, ginge auch mit, oder?

Die Schweiz ist eine Insel der Glückseeligkeit

Kurz: Ich kam zum Schluss, mein einziges Risiko ist Krankheit. Denn ich kann was, habe eine gute Ausbildung, tollen Arbeitsnachweis und meinen Lebensstil nicht an Orte hingeschraubt, die ich mir zwar hätte leisten können, mich aber nicht glücklicher gemacht hätten und ich habe auch keinen falschen Stolz, wenn es finanziell eng würde, einen Job zu machen, der nur den Grossteil meiner Ausgaben deckte. Und wenn alle Stricke reissen, haben wir ein Sozialsystem, das mir ermöglichen würde, mich wieder einzugliedern. Was ein grosses Geschenk, in ein solches Land geboren worden zu sein.

Der Sprung

Mit all der nötigen Erkenntnis und Reflektion ist der gross anmutende Sprung in Wirklichkeit ein kleiner. Wie das erste Mal auf dem Sprungturm von der 5-Meter-Plattform. Kaum ist man im Wasser, lacht man über den Widerstand, den man oben noch spürte. Eigentlich macht man den Sprung schon dann, wenn man den Sprungturm besteigt und daran denkt, eine Auszeit zu nehmen. Das einzige was man dann noch falsch machen kann, ist umzudrehen und runterzuklettern. Man wir das Leben lang daran denken: Was wäre, wenn ich auf den Turm gestiegen und gesprungen wäre?

Bei aller Euphorie, es lohnt sich ein paar Vorkehrungen zu treffen, denn ohne Wasser im Becken und Badehosen, die beim Kopfsprung runterrutschen, kann man sich blamieren oder ernsthaft Schaden nehmen. Mehr dazu liest du im Teil2:

Rentnerleben – 2- Vorkehrungen treffen