Rentnerleben – 3 – Reisen

„Man reist ja nicht um anzukommen, sondern um zu reisen“
Johann Wolfgang von Goethe

Namibia Landscape

So ist das auch mit der Auszeit. Man macht sie ja nicht um wieder in der Arbeit anzukommen, sondern um etwas zu unternehmen und mehr über sich selbst zu erfahren.

Die Auszeit ist eine Reise

Das Wort Reise stammt von sich erheben was auch gut für die  Auszeit passt, denn sie selbst ist wie eine Reise durch die eigenen Wünsche und Werte. Wie eng die Auszeit mit dem Reisen verbunden ist, widerspiegelt sich nirgends deutlicher als an Zitaten zum Reisen:

„Reisen ist tödlich für Vorurteile“ Mark Twain

Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.“ Hermann Hesse

Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
Freude, Schönheit der Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise.
Höchste Zeit ist´s: Reise, reise!“ Wilhelm Busch

„Richtig“ reisen

Die Auszeit bietet natürlich selbst beste Möglichkeiten um zu reisen. Man kann spontan auf Angebote eingehen und günstig reisen, weil locker am Dienstag ab- und am Donnerstag zurückreisen kann. Bei mir kam das etwas zu kurz und ich setze es auf die Liste „next time better“. Für ausgiebigere Reisen empfehle ich, diese zeitlich an den Beginn der Auszeit zu legen. Das hat mehrere Gründe:

  • Zu Beginn ist der Kontostand noch höher, man knausert nicht. Und auf Reisen zu knausern, finde ich eine schlechte Idee.
  • Reisen befreit den Geist: Ein guter Startpunkt für die Auszeit.
  • Reisen bietet die Möglichkeit, sich Gedanken zur Auszeit zu machen.
  • Die Auszeit danach bietet genügend Zeit, um Fotos zu sortieren und Berichte zu schreiben.
Ich habe meine Restferien – also noch bevor es richtig abging – genutzt, um meine Auszeit zu starten und bereiste zusammen mit einem guten Freund einen Monat Namibia, Botswana und Simbabwe. Die kleine Fotoserie auf  Flicker gibt wohl einen guten Eindruck, wie einfach es dabei ist, auf neue Gedanken kommen. Die Länder kann man übrigens wärmstens empfehlen und das Überwinden meiner Abneigung gegen langes Fliegen – bei fast 2m Körperlänge jedes Mal eine Tortur – hat sich restlos gelohnt.

Kleine Reisen

Wie oft erlebt man, dass man jemanden nicht besucht, weil es zeitlich oder emotional zuviel geworden wäre. Eine Freundin in der Ostschweiz besuchen, für einen Treff doch noch nach Bern fahren, etc. oder einen Tag mit Ray wandern zu gehen.  Auch das sind Dinge, die würde ich nächstes Mal noch mehr tun, das kam etwas zu kurz, denn das Programm füllt sich schnell, wenn man das tut, was man schon lange tun wollte, genau darum geht es im nächsten Kapitel:

Rentnerleben – 4- tun, was man schon lange wollte

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Rentnerleben – 2 – Vorkehrungen treffen

Bevor du entspannt loslegen kannst, gilt es die Auszeit etwas abzusichern. Tipps und Tricks dazu (alle Angaben ohne Gewähr) sollen dir helfen, deine Badehose nach dem Sprung ins Wasser auch noch anzuhaben. Weil es viel zu beachten gibt, wenn man aus dem Mainstream der Gesellschaft ausbricht (Hörempfehlung: Society von Eddie Vedder), ist dieser Beitrag etwas länger.

Wie viel darf es denn sein?

Befristete Auszeit oder unbefristet, das ist hier die Frage. Für mich persönlich gab es die Option befristet nicht, denn ich meine, dass man geistig nicht frei ist, wenn man im Hinterstübchen schon wieder an des Ende und einen neuen Job denkt. Als Hilfe zum Loslassen habe ich mir dabei eine Frist gesetzt, ab wann ich frühestens wieder mit der Jobsuche beginne und bis dann auch schweren Herzens gute Angebote abgelehnt. Ich würde es genau wieder so tun, die Chance auf eine Auszeit bietet sich weniger oft, als die Chance auf einen neuen Job.

Burn-Rate festlegen

Wie viel Kohle brauche ich für’s Leben pro Monat? Die Frage sollte man sich sowieso öfters mal stellen und mit Wohnung, Krankenkasse, Versicherungen, Steuern, Motorfahrzeug kommt das schon einiges zusammen. Auf was bin ich bereits zu verzichten, was nicht?  Ich beispielsweise wollte intensiver Golf spielen, das packt dann zusammen mit den Mobility-Fahrkosten gleich ein paar Hunderter pro Monat obendrauf.

Neben dieser Burn-Rate lohnt sich auch die Überlegung, wie viel Geld man nach der Auszeit noch haben möchte. So wird schnell klar, wie lange das Abenteuer maximal geht und wichtig dabei: Einen Monat mehr einkalkulieren, denn der nächste Zapfen kommt erste Ende Monat.

Versicherungen

Unfall

Die ersten 30 Tage nach dem Niederlegen der Arbeit ist man i.d.R. noch vom Arbeitgeber gegen Unfall versichert. Danach gibt es zwei einfache Möglichkeiten zur Versicherung:

  1. Abredeversicherung: Damit kann man sich bei der Unfallversicherung des letzten Arbeitgebers für eine maximale Dauer von sechs Monaten versichern.
  2. Unfallversicherung bei deiner Krankenkasse

Die Kosten sind um die CHF25 pro Monat und für beide Varianten vergleichbar. Ich habe mir sagen lassen, dass die Leistungen bei der Abredeversicherung besser seien, dafür muss man aber daran denken, dass das Unfallrisiko nach dem siebten Monat nicht mehr gedeckt ist.

Invalidität infolge Krankheit

So aus dem „Gspüri“ meint man, dass das Risko eine Invalidität durch Unfall grösser ist. In der Tat werden viel mehr Menschen durch Krankheit invalide (Chronische Leiden, Krebs etc.). Bist du angestellt, ist dieses Risiko über AHV und Pensionskasse abgedeckt. Fällt die Pensionskasse weg ist dieses Risiko auch nicht mehr versichert und es bleibt die AHV, die gibt im besten Fall für einen Arbeitsleben-Mittelalterlichen so um die CHF20’000/Jahr. Damit kommt man nicht weit. Hier lohnt sich also eine Erwerbsausfallversicherung. Bis rund CHF30’000 pro Jahr kann man das auf dem Formularweg machen, darüber geht’s zur Untersuchung beim Vertrauensarzt der Versicherung. Aber auch der Formularweg hat es in sich, wer kennt schon alle Arztbesuche der letzten zehn Jahre und wenn man, wie ich, manchmal Rückenbeschwerden hat, gibt’s auch noch ein Zusatzformular. Alles ist so gehalten, dass man das Gefühl hat, man unterschreibt etwas, bei dem die Versicherung immer einen Punkt findet, wieso sie im Schadenfall nicht zahlen muss.

Ich hatte mich für die Zeit bis 65 über CHF 30’000 versichert. Das macht dann ca. CHF1’200 Prämie pro Jahr, happig, aber fahrlässig, wenn man darauf verzichtet. Ich hatte zwei Versicherungen offerieren lassen, die Unterschiede waren gering.

Pensionskasse

Damit dein Geld, das du dir angespart hast nicht verloren geht, kannst du es auf einem Freizügigkeits-Konto anlegen. Und zwar bei einer Bank (Konto) oder bei einer Versicherung (Police). Bei ner Versicherung kann man teilweise auch die Invaliditätsrisiken abdecken. Eigentlich egal was du tust. Ich finde ein Konto besser (one thing for one thing) und erhalte auf das Vermögen aktuell 1.5% Zins. Wenn die Auszeit vorbei ist, überweist du das Geld wieder in die neue Pensionskasse.

***** NACHTRAG  ****

AHV

Damit man keine Beitragslücke schafft, die später zu grösseren Einschränkungen der Rente führt, ist es wichtig, sicher zu stellen, dass man pro Kalenderjahr den Mindestbeitrag einbezahlt hat. Über Details kann die Ausgleichskasse deiner Region Auskunft geben.

***** ENDE NACHTRAG ***

Arbeitslosigkeit

Ich wollte einen freien Kopf haben und nicht irgendwelchen Administrativdingen nachrennen und hatte mich darum nicht arbeitslos gemeldet. Das brachte mir mitunter auch etwas Kritik ein „ist eine Versicherung“, „musste deine Kohle schützen“, etc. da muss man halt darüber stehen. Wäre ich auf Stellensuche gegangen und hätte die Kriterien der Arbeitslosenversicherung (RAV) erfüllt, hätte ich mich wohl auch gemeldet, aber so weit kam es bei mir nicht.
Auf jeden Fall lohnt es sich die Zeit für die Stellensuche zu dokumentieren, auch wenn man noch nicht angemeldet ist. Man kann diese Aufwände gegenüber der ALV gelten machen, insbesondere um die Einstelltage (mehr dazu nachstehend) zu verkürzen. Hier eine Zusammenfassung zur ALV:

  • Man ist auch bezugsberechtigt, wenn man selbst gekündigt hat. Das wird jedoch als „verschuldet“ angesehen, und mit ein bis 60 sogenannten Einstelltagen (das ist wie eine Karenzfrist, in der nix bezahlt wird) bestraft„.
  • Bezugsberechtigt ist grundsätzlich jeder, der 12 Beitragsmonate in den letzten zwei Jahren entrichtet hat.
  • Wer Unterhaltspflichten hat oder dessen Durchschnittslohn 3’797 Franken nicht übersteigt, erhält ein Taggeld von 80% auf den durchschnittlich AHV-versicherten Lohn der letzten sechs oder zwölf Monate (je nach dem was vorteilhafter für den Versicherten ist).
    Erfüllt man diese Bedingungen nicht, reduziert sich der Ansatz auf 70%
  • Ausbezahlt werden fünf Taggelder die Woche, bis i.d.R. 520 Tage. Je nach letztem Lohn erfolgt die Zahlung nach fünf bis 20 Tagen (unbedingt mit einberechnen, damit die Reserven nicht knapp werden)

Mehr Details zur ALV in dieser Broschüre

Freunde und Familie

Etwas, das ich auch unterschätzt hatte, ist Freunde und Familie möglichst schnell über das Vorhaben und die Gründe dafür zu informieren. Die brennen nämlich darauf mehr zu erfahren und dichten sich ihre Version sonst selbst zusammen.

Jetzt wo die Badehose erst mal unverrutschbar sitzt, geht es unbeschwert los in die Auszeit und dabei sollte das Reisen nicht fehlen. Mehr dazu liest du im Teil 3:

Rentnerleben – 3 – Reisen 

Rentnerleben – 1 – Der Sprung

Vorweg: Natürlich bin ich kein Rentner, dazu bin ich noch zu jung, sondern geniesse seit April eine Auszeit vom Berufsleben. Mehr zur – nicht ganz unwichtigen – Terminologie weiter unten. Wie das so ist mit den schönen Dingen im Leben, muss alles auch einmal ein Ende haben. Das meinte auch Carlos Santana in They All Went to Mexiko

Und da ich per 1. Dezember 2011 wieder ins Berufsleben einsteigen werde, findet auch mein Rentnerleben ein Ende. Bis dann werde ich meine wichtigsten Erkenntnisse und Erfahrungen hier, quasi im Rentnerblog, dokumentieren. Solltest du dir selbst schon mal überlegt haben, eine Auszeit zu nehmen, oder einfach wissen möchtest, wie es mir ergangen ist, dann solltest du keinen Rentnerleben-Betrag verpassen. Also, Pack dir ne Rheumadecke, es geht los mit Teil 1: Dem Sprung

Terminologie: Sabbatical? Nein Auszeit!

Ich selbst nannte meine Auszeit Schnupperlehre als Renter. Im Prinzip hatte ich ja genau das vor zu tun, was man so tut, wenn man nicht arbeiten muss. Mit dem Unterscheid zum Rentnerdasein halt, dass da eben keine Rente ausgezahlt wird, man dafür Dinge tun kann, die in jüngerem Alter einfacher sind. Wenn ich das jeweils sagte, „Schnupperlehre als Rentner“, bekam ich neben einem Lächeln auch oft „aha, Sabbatical“ zu hören. Auch wenn Sabbat ja „Innehalten nach getaner Arbeit“ bedeutet, fiele der Begriff bei mir als Agnostiker auf unbestellten Boden. Der Begriff wird zudem auch in der Wissenschaft verwendet um sich für eine bestimmte Zeit frei neuen Themen zu widmen, um auch eine Neuorientierung vorzunehmen. Auch das wollte ich im Grundsatz nicht. Damit sind wir bereits beim ersten Punkt für eine Auszeit, dass man sich erst einmal klar werden muss, warum man die Auszeit machen möchte.

Warum?

Natürlich hatte ich viel zu viel gearbeitet, konnte meine Begeisterung nicht mehr so finden, wie ich es von mir gewohnt bin, hatte in 25 Jahren Arbeitsleben nie länger als 4 Wochen frei und so einige Ideen was man so tun könnte, wenn man mal nicht arbeiten müsste. Aber das alles ist der falsche Ansatz, um die Frage nach dem Warum zu beantworten, denn die zentrale Frage ist: Warum nicht?
Ich brauche bestimmt ein Jahr um meine geistigen Elektronen in umgekehrte Richtung in die Bahn zu schicken. Welche Gründe gibt es denn, es nicht zu tun? Recht wenige, Familie lass ich knapp gelten, aber Hand aufs Herz, ginge auch mit, oder?

Die Schweiz ist eine Insel der Glückseeligkeit

Kurz: Ich kam zum Schluss, mein einziges Risiko ist Krankheit. Denn ich kann was, habe eine gute Ausbildung, tollen Arbeitsnachweis und meinen Lebensstil nicht an Orte hingeschraubt, die ich mir zwar hätte leisten können, mich aber nicht glücklicher gemacht hätten und ich habe auch keinen falschen Stolz, wenn es finanziell eng würde, einen Job zu machen, der nur den Grossteil meiner Ausgaben deckte. Und wenn alle Stricke reissen, haben wir ein Sozialsystem, das mir ermöglichen würde, mich wieder einzugliedern. Was ein grosses Geschenk, in ein solches Land geboren worden zu sein.

Der Sprung

Mit all der nötigen Erkenntnis und Reflektion ist der gross anmutende Sprung in Wirklichkeit ein kleiner. Wie das erste Mal auf dem Sprungturm von der 5-Meter-Plattform. Kaum ist man im Wasser, lacht man über den Widerstand, den man oben noch spürte. Eigentlich macht man den Sprung schon dann, wenn man den Sprungturm besteigt und daran denkt, eine Auszeit zu nehmen. Das einzige was man dann noch falsch machen kann, ist umzudrehen und runterzuklettern. Man wir das Leben lang daran denken: Was wäre, wenn ich auf den Turm gestiegen und gesprungen wäre?

Bei aller Euphorie, es lohnt sich ein paar Vorkehrungen zu treffen, denn ohne Wasser im Becken und Badehosen, die beim Kopfsprung runterrutschen, kann man sich blamieren oder ernsthaft Schaden nehmen. Mehr dazu liest du im Teil2:

Rentnerleben – 2- Vorkehrungen treffen

Mac vs. PC (Nachschrift)

So schrieb ich damals über meine ersten Gehversuche mit meinem Mac Book Air. Unterdessen sind ein paar Gigabytes auf meiner Solid State Disk verschoben worden. Zeit ein paar Neuerungen zu publizieren.

Was hat sich geändert:

  • Ein paar Kurzbefehle haben sich bei mir eingenistet. Wie @leumund schon sagte, das hält das Hirn auf trab um nicht grau zu werden. Ich ertappe mich schon mal, wie ich im Geschäft eigentümlich agiere und den Delete-Button schon fast vergessen habe.
  • Mit der Tastatur komme ich besser zurecht, das macht sie aber insgesamt nicht besser.
  • Die Stromversorgung für den USB-Hub habe ich abgehängt (danke Stefan für den Tipp) Tastatur, Backupdisk, Scanner und Drucker brauchen keine zusätzlichen Milliamperes.
  • Spaces ist eingerichtet (Ok, aha, na ja)
  • Die Time Machine hat jedes zweite Mal ein Problem damit, ein Backup zu erstellen. Die Disk ist gemounted (einmal gelb, einmal schwarz was mir das wohl sagen möchte?) aber dennoch kann Time Machine dann nicht darauf schreiben. Info, Help etc. Fehlanzeige! Man hängt im backupfreien Raum. Unmounten, ausstecken, neu mounten erst dann geht es wieder.

Software Top und Flop

  • Evernote habe ich für die Notizvewaltung installiert. Das ist handy, aber man kommt sich nach OneNote vor wie wenn man von Business- zur Economy-Class zurückgestuft wird. Geht auch, man kommt an, aber einfach nicht so komfortabel.
  • Pages hat mich im Grossen und Ganzen positiv überrascht. Geht einfach und gut von der Hand. Da ich nicht viele Daten austauschen muss, braucht’s das Office zurzeit nicht mehr
  • Und tschüss Safari. Youtube bleibt hängen, zu viel Platzverbrauch in der Menüleiste, lahme Extensions. Welcome back Chrome
  • Finder uäh
  • Kleiner Helfer: Lyrica als add-on für iTunes

Was vermisse ich (immer noch)

  • Den Fenstermanager, der gibt bei Windows einfach eine bessere Übersicht und ist funktionaler als Expose & Dock.
  • Die Feder im Slot für SD-Karten. Das Ding (die Karte) dort reinzuhämmern bis nix mehr geht, ist nicht die feine Art, geht aber nicht anders beim Mac. Das passt für mich dann auch nicht zur Wertigkeit die das Air sonst auszeichnet.
  • Das „unmount all“ mit einem Knopf (ja ich weiss, gibt’s Software für, kann man konfigurieren etc. ). Das gehört für ein mobiles Gerät aber schlicht zur Standardausstattung. Push Button and Go ist die Devise, nicht Klickmarathon.

Dinge von denen ich immer noch nicht weiss wie’s geht

  • Einen Ordner direkt in einem Unterordner erstellen (kann doch nicht so schwer sein).
  • Wie man Skype wieder aus dem „Wenn du dich anmeldest, möchte ich dich neu installieren“-Modus bringen kann.
  • Wie man die Backuphistory eines einzelnen Files ansehen kann.

Was ärgert mich (immer noch)

  • Dass Fenster nicht in Vollansicht gehen, sondern in eine „Ich weiss besser als du, wie gross ein Fenster dargestellt werden soll“-Ansicht. Da fühle ich mich bevormundet. Es kann schon sein, dass sich ein Dokument (z.B. Google Docs) auf einer Ansicht öffne, von der ich erst wegnavieren muss. Die Zielgrösse ist dann aber grösser als die erste und das Fenster bleibt zu klein.
  • Dass die Fenstergrösse nicht an den Seiten geändert werden kann, sondern nur am fummeligen Dreieckchen unten rechts. In Kombination der Seitengrössenbevormundung wird das noch fataler.
  • Dass die Fensterverwaltung, wenn der Desktop auf einen externen Monitor erweitert wird, immer wieder die letzte Einstellung vergisst. Erst zeigt es den externen Monitor nicht an, dann den des Notis. Wie man wohl „benutzte Einstellungen merken“ dazu bringt, sich was zu merken?
  • Der verschwenderische Platzverbrauch der Menü- und Fensterleiste. Die obersten, sagen wir, 100 Pixel sind bei einem Notebook die mit wichtigsten.
  • Das Trackpad. Auch wenn die Gestures eine tolle Sache sind, verliere ich im Vergleich zum Trackpoint enorm Zeit, um zu einem bestimmten Punkt zu navigieren.
  • Der Speed beim Einlogen. Beim erweiterten Desktop geht das eine ganze Weile bis die Loginbox auf dem anderen Monitor erscheint (wenn überhaupt) und dann ist da auch schon mal der Fokus nicht mehr im Feld. Da geht zu viel Zeit verloren.

Was mir enorme Freude macht:

  • Dass der Rechner nicht automatisch die Lautsprecher anmacht, wenn ich die Aktivboxen / den Kopfhörer ausstecke. Das sollte Standardverhalten für alle mobilen Geräte sein. Das kommt mir so vor, als wollte ich das immer schon so habe.
  • Wie einfach man PDFs erstellen kann, ist ein Segen.
  • Die Grösse, das Gewicht und die Akkulaufzeit.
  • Der AppStore (auch wenn ich nicht verstehe, wieso das ausserhalb von iTunes gelöst wird).
  • Die Hilfsbereitschaft der Apple-Fans. Fast jeder hat mir gesagt „Melde dich wenn du nicht weiter kommst, ich weiss ziemlich viel“.
  • Die klare Ablagestruktur von Programmen und Dateien erleichtert die Arbeit ungemein.

Fazit:

Wer Umsteigt, braucht lange, um sich ans neue System zu gewöhnen. Das macht keinen Unterschied ob von PC zu Mac oder umgekehrt. Klar, dass man dabei vermisst, was einem zuvor einfach von der Hand ging. Ich werde immer noch gefragt, wie zufrieden ich mit dem Mac bin. Nun, ich bin sehr zufrieden. Die Grösse und Portabilität in Verbindung mit so viel Nutzen, das ist einfach genial. Aber ich kann nicht sagen, dass ich den Mac besser finde als den PC (was von einem Umsteiger wie mir, so scheint’s, erwartet wird) ich hatte an beiden Systemen meine Freude, denn es sind beides gute Helfer und darum finde ich die Mac vs. PC -Debatte überflüssig.

Mac vs. PC (aus der Sicht eines Agnostikers)

Nein, ich finde weder Steve Jobs noch Bill Gates sind Gott (ich bin Agnostiker und im -somit für mich hypothetischen- Fall, dass es so was gäbe, würde der/die wohl kaum eine Brille tragen). Ich erwähne das, weil die Argumentationen um Mac vs. PC meist in der Art und Weise geführt werden, wie es religiöse Eiferer tun. Ich finde Windows nicht besser und Apple nicht schlechter als es ist. Mein erstes Apple Produkt war ein iPhone 3G und hätte es damals schon eine vernünftige Android-Alternative gegeben, wäre dies meine Wahl gewesen. Ganz einfach darum, weil mir Lobhudelei suspekt ist (und Apple ja über den grünen Klee gelobt wird) und ich offene Systeme bevorzuge. Aber jetzt bin ich im convenience-lock-in (den Vorteil, den weniger offene Systeme bieten) des iPhone gefangen. Meine Rechner waren jahrelang Windows-Rechner – ich war zufrieden damit, die konnten, was ich wollte. OK, da läuft noch ein Linux um die Musik zu streamen, aber wie Gabe Schwarzer in seinem Mac vs. PC vs. Linux über Linux sagt: „Go play with your Servers, Linux, this is grown-ups talk here“. Anmerkung: Die Migration von Suse auf Ubuntu (auch so ein über den grünen Klee gelobtes Produkt) die ich dieser Tage vornahm, benötigte unzählige Stunden mit trial/error und Forumswühlerei (stöhn).

Ich bin ein Verfechter von „form follows function“ und nicht umgekehrt. Darum stand bei mir, als musikaffinen Menschen, auch nie Harman/Kardon oder Bose rum, sondern Geräte und Boxen die gut tönten (und manchmal schrecklich aussahen). Gemach! Vor zwei Wochen habe ich mir ein Mac Book Air gekauft, weil so leicht und klein (was für mich als Stadtwanderer funktional wichtig ist) und weil man ja auch mal die andere Seite des Hages ansehen sollte, bevor man den Stab über diesen bricht. Zeit genug also für ein erstes Urteil.

Zum Vergleich:

  • Bisher: Lenovo X60 Tablet (LEN) Intel Core 2 DUO 1.6GHz 3GB RAM, 80GB SSD (nachgerüstet) das Teil ist bald vier Jahre alt
  • Neu: Mac Book Air 13.3“ (MBA) Intel Core 2 DUO 2.13GHz 4GB RAM, 256GB SSD

Verarbeitung

Die Verarbeitung des MBA ist schlicht umwerfend. Da klackert nichts, das Aluminium ist edel, die Spaltmasse sind klein. Da wirkt das LEN (OK schon ein paar Jahre alt) einfach minderwertiger.

Tastatur

Die Tastatur eines Lenovos ist für mich eigentlich nicht zu schlagen. Angenehme Mulden für ein Gespür, anständiger Hub. Da wirkt das MBA einfach nicht so doll, auch wenn man sich schnell an die Tastatur gewöhnt und das leise Tastaturklicken sehr angenehm ist. Sehr störend beim MBA ist, dass viele Sonderzeichen nicht angeschrieben sind, für alte Mac-Füchse wohl schon im Rückenmark programmiert, nicht so für ein Neueinsteiger. Das führt dann dazu, dass ich nach einem geschriebenen Tweet das „hashtag“ wählen möchte und mich auf youtube wiederfinde und der Tweet verloren ist. Nein, ich möchte nicht ein Menü öffnen müssen, um herauszufinden, wo sich das „hashtag“ versteckt oder die eckigen Klammern.  Die Unterscheidung von <fn>, <ctrl>, <alt>, <cmd> ist alles andere als intuitiv. Dazu hat die Tastatur eine Taste für „eject“ die aber keine Funktion besitzt. Anstelle davon wäre eine „delete“-Taste nützlich. Da muss man dann erst darauf kommen, dass man dafür <fn>+<backspace> drücken muss, das erschliesst sich einem ja nicht durch die Nabelschnur. Zudem hat die Backspace-Taste keinen Beschleuniger, da schläft einem schon mal das Gesicht ein. Mir muss auch keiner mehr kommen und über den „Affengriff“ lästern. Wer copy /paste auf der Apple-Tastatur machen muss, der hat danach Knöpfe in den Sehnen, die Tasten liegen so nahe zusammen. Dabei finde ich es auch nicht einfacher, die <cmd>-Taste mit dem rechten Daumen zu bedienen. Wohl einfach nur Gewöhnungssache sind all die neuen Shortcuts. Toll am MBA sind die Cursor-Tasten, die sehr schnell zu erfühlen sind und das gefräste Alu, das weniger Dreck ins Innere leitet und halt auch für das optische Erscheinungsbild. Aus Sicht der Bedienbarkeit finde ich es nicht gelungen, die Ein/Aus-Taste über der Backspace-Taste anzusiedeln, es führt zu Fehleingaben. Die Enter-Taste ist schlicht zu klein geraten und das obschon die MBA-Tastatur breiter ist als die des LEN.

Akku

In zwei Jahren werde ich wohl die Akkus ersetzen müssen. Ich bin gespannt, ob Apple diese in Stundenfrist wird ersetzen können, denn ich werde nicht tagelang auf meinen Rechner  verzichten wollen, schon gar nicht mit meinen privaten Daten darauf. Die Akkubetriebszeit ist nicht überragend, wenn man sie mit anderen Notebooks vergleicht. Dieser Vergleich ist aber nicht fair, denn es gibt kein so kleines und leichtes (vollwertiges) Notebook mit so viel Leistung und Akkubetriebszeit.

Display

Hier ist der Vergleich, sicher auch wegen des LEN-Alters, einseitig. Die Branche hat hier in vier Jahren einiges bewegt. Das Display von MBA ist toll, hell und der Wide-Screen macht alles etwas angenehmer. Aber dem Erfinder der Gloss-Displays gehört eine gescheuert, und zwar mit Anlauf (siehe „function follows form“)

Tippt man auf wackeliger Unterlage, wobbelt der Screen beim des MBA recht unangenehm, was ich bei der einfach fantastischen Dünne des Displays lieber in Kauf nehme als die – konstruktionsbedingt – eingeschränkte Neigung des Displays nach hinten.

Peripherie

MBA bietet keine Docking-Station. Das führt zum gehassten Kabelsalat am Arbeitsplatz. Ich dachte, das Problem gehöre der Vergangenheit an und sei gelöst. Irrtum, sprach der Igel, und stieg vom Kaktus und wie ich Apple einschätze wird das wohl auch so bleiben, weil sie für die Peripherie komplett auf Wireless setzten werden. Das führt dann dazu, dass die Backup-Disk, der Drucker, die Zehnertastatur und der Scanner wieder an einem USB-Hub hängen, der Strom säuft. Dafür ist der Anschluss eines zusätzlichen Screens mit dem MBA um einiges einfacher als mit dem LEN, wären da nicht die Dongels die man im Dutzend kaufen und rumschleppen muss. Generell ist das Anschliessen der Peripherie mit dem MBA jedoch recht einfach, meine Bluetooth-Maus verbindet zuverlässiger und schneller als mit dem LEN, das Aufsetzen von „Time Machine“ würde ich auch meinen Eltern zutrauen. Ganz übel finde ich, dass ich 20 Minuten brauchte um ein Internet-Tethering über Bluetooth einzurichten, mit einem iPhone 4 wohlgemerkt. Das funktionierte mit dem LEN einfacher und besser. Trotzt allem Tollen in Sachen Peripherie,  zwei Dinge vermisse ich beim MBA enorm: den Trackpoint und der Fingerprint-Reader. Ich bin offenbar einer der wenigen Benutzer, die sehr gut mit dem Trackpoint umgehen können. im Gegensatz zum Trackpad muss ich mit dem Trackpoint für das Scrollen und Navigieren die Hände nicht von der Tastatur nehmen und Falscheingaben sind praktisch ausgeschlossen. Das „instant-on“ des MBA verspielt sich wegen fehlendem Fingerprint-Reader einen allfälligen Vorteil gegenüber dem LEN (Win7 mit SSD ist verdammt schnell). Gerade bei Geräten im mobilen Einsatz bin ich froh, wenn ich die Authentifizierung einhändig machen kann, das ginge beim MBA nur mit einem „asdf“-Passwort.

Funktionalität

Der Funktionsvergleicht ist ja mehr OS X vs. Win7 und dabei war meine Erwartungshaltung (siehe Lobhudelei) an OS X schlicht zu gross. Die Bedienbarkeit des MBA ist nicht wesentlich besser als die des LEN. Beispielsweise schneidet OS X im Finder (der dem File Explorer schlicht unterlegen ist) in der Anzeige die Filenamen ab. Diese können dann nur mit mouse-over (und warten) angezeigt werden. Abgeschnitten werden auch Titel von Hilfetexten, so kann ich nicht beurteilen, welchen Artikel ich denn lesen möchte. Verschiedene Funktionen erschliessen sich mir (noch?) nicht: Windows-Maximize ist nicht bildschirmfüllend (oder nur vertikal), ein Browser der im erweiterten Bildschirm füllend ist, lässt den Dock verschwinden und Anwendungen die ich schliesse, laufen im Hintergrund weiter. Welche Vorteile habe ich davon? Ich weiss es schlicht nicht. Im Gegenteil dazu erahne ich, dass mir Expose und Spaces bei intensiverer Nutzung noch gefallen werden. Zukunftsweisend erachte ich dafür die „guesture recognition“ über das Trackpad. Hier hat Apple begriffen, dass man nicht auf einen vertikal aufgestelltes Display fingern möchte und die Funktionen erschliessen sich einem schnell. Ein grosses Plus von OS X ist die Softwareinstallation und die Konfiguration. Beide sind einfach, klar und ich bekomme nur so viel Information wie nötig. Aufholen muss OS X gegenüber Win7 aber mit den Display-Funktionen wie z.B. auto-dock und gruppierten Miniaturansichten mit Vorschau.

Leistung

SSD macht den Rechner schnell; egal was für ein Rechner. Davon profitiert auch das MBA, es ist superschnell. Was das MBA besser macht, ist wie es mit der Leistung umgeht. Das Gerät wird warm, aber nicht heiss und wenn die Wärme abgeführt werden muss, rauscht der Ventilator nicht gleich wie eine Flugzeugturbine los. Filetransfers sind sehr schnell, weil da kein Virenscanner seine Finger im Spiel hat, aber das ist wohl einfach eine Frage der (Verbreitungs-)Zeit.

Design

Dazu ist wohl alles gesagt.

Fazit:

Die Diskussion Mac vs. PC ist wie wenn wir Schweizer argumentieren, wieso wir keine Deutsche sind. Wir bauschen kleine Unterschiede zu grossen auf, denn:

  • Ist das MBA schneller ? Wenn ja, dann nicht dramatisch
  • Ist das MBA besser? Nein, einfach anders
  • Ist das MBA kleiner und leichter ? Ja!

Ja, genau darum habe ich es gekauft, weil es göttlich klein und leicht ist, mit einer Top-Performanz und genügend langer Akkubetriebsdauer. Genau das macht es einzigartig. Zu guter letzt macht das Arbeiten mit einem qualitativ hochwertigem Gerät mit gutem Design einfach mehr Spass.

PS: der HP-12 für das Dashboard ist natürlich auch ein Plus 😉