Blogstöckchen – dieses Dings an der Leine

10013Blogger (zähle mich selbst eigentlich gar nicht dazu) tun und schreiben ja Vieles. Aktuell ist es etwas in Mode, Stöckchen nachzuhecheln. Wenn ich als Kind den Hunden unserer Familie beim Spiel, das Stöckchen zu apportieren, zuschaute, dachte ich manchmal: „Mann sind die bescheuert!“ Jetzt bin ich selbst das zweite Mal dabei — vielleicht auch ein bisschen bescheuert, das Urteil überlasse ich der Leserin / dem Leser — einem virtuellen Stöckchen nachzurennen, es zu fassen und es zurückzubringen. Letztlich ist es immer eine gute Gelegenheit, sich wieder einmal mit sich selbst auseinander zu setzen. Heute zum Thema „Online“, drum bitte anschnallen.:

1. Auf welcher Plattform warst du zuerst unterwegs? Was war deine Motivation?

Die erste war vermutlich der Perron der Forchbahn. Spass beiseite: In dieser Online-Welt war es Xing, weil es mir damit einfacher fiel, Geschäftskontakte auseinander zu halten (bin grauenhaft schlecht mit Namen). Danach kam dann aber ganz schnell Twitter, einfach mal um zu verstehen.

2. Wie erklärst du einem Menschen, der sich überhaupt nicht damit auskennt, Twitter?

Twitter ist wie SMS-Austausch zwischen zwei oder mehreren Personen, den alle lesen können.

3. Wo befindet sich dein Smartphone über Nacht – und warum?

Im Eingang, weil es nicht neben mein Bett gehört, das mich ja schlafen lassen soll. Das war schon früher mit den „Dumb-Phon.. „.. äh.. „Classic Phones“ (auch noch die mit Schnur) so. Ich wollte mich damals schon nicht von einem Anruf wecken lassen. Ausnahme ist in Hotels, da brauche ich das Smartphone als Wecker.

4. Welche Online-Tools kannst du empfehlen?

Wunderlist, Google Bookmarks, Google Contacts, Google Docs, es gibt so viele (Evernote gehört nicht dazu, komme mir damit im Vergleich zu OneNote immer noch wie ein Hund im Zwinger vor). Ganz grundsätzlich bleibe ich bei Native-Tools, so auch bei der Twitter-App.

5. Ist es dir wichtig, wie viele Follower/Freunde du hast? Warum ja/nein?

Eigentlich ganz schnuppe, aber das stimmt nicht ganz. Absolut unwichtig ist es mir nicht, denn irgendwie ist es ja auch ein Relevanz-Index und man (jedermann?) möchte ja gerne relevant sein. Ich meine aber, dass es mir viel weniger wichtig ist als den meisten Personen die ich kenne. Siehe meinen Blogbeitrag „Internet-Superstars? Nein, Twitterhippies braucht das Land“ dazu.

6. Gehst du an Social Media-Treffen und warum tust du es (oder eben nicht)?

Klar, mich interessieren die Menschen hinter den Stories und es gibt viele interessante Menschen in diesen Sozialen Netzwerken. Letztlich vor allem bei Twitter, weil sich dort viele Menschen mit überdurchschnittlicher Sprachbegabung und Witz tummeln. Das mag ich.

7. Gehst du bewusst mit deiner Online-Zeit um und möchtest du diesbezüglich etwas ändern?

Ich frage mich manchmal schon, ob ich „Online-süchtig“ bin. Ich kann auf alle Fälle nicht behaupten, dass mein Suchtverhalten so unterschiedlich dem von Rauchern ist. Ganz grundsätzlich konnte ich diese Frage noch nie klar mit „nein“ beantworten. Dazu bin ich einfach zu neugierig. Es ist aber etwas, auf das ich ein wachendes Auge geworfen habe. Der Zustand, wenn ich auf dem „Online-Aff“ bin, erschreckt mich manchmal.

8. Was steht in deiner Twitter-Bio und was möchtest du damit aussagen?

Stadtwanderer, Text- und Musikliebhaber, Marketingmensch. Erfinder vom #urks & #nachsichtgerät, Medium zu #superslart & #slartfuzius. Privates Profil (strikt)

#tsüri (meistens) · slartbart.com

Ich glaube, das sagt alles, worum es mir auf Twitter geht und ich meine darum, es sei selbsterklärend.

9. Hast du schon einmal einen total emotionalen Post abgesetzt, was ist danach passiert und was hast du daraus gelernt?

Einmal? Kchch, immer wieder. Ich bin ein emotionaler Mensch, das gehört bei mir dazu. Gelernt habe ich daraus, das ich das immer noch zu wenig unterdrücken kann/will. Die Problematik liegt vor allem darin, dass halt einfach die Tonalität fehlt und das beim Empfänger, der Empfängerin in den falschen Hals kommen kann, das lässt sich dann kaum mehr korrigieren. Aber ich habe auch schon viele positive emotionale Posts abgesetzt. „Emotionen“ ist ja völlig zu unrecht negativ behaftet.

10. Welche fünf Begriffe beschreiben dein aktuelles Befinden?

Jobsuche, Neues, Reflektion, Ehrlichkeit, Freundschaft

Hasso, fass!

Wenn du auch gerne Stöckchen apportieren möchtest, hier ein paar Fragen von mir zum Thema „Online“:

  1. Was war dein bisher bestes Online-Erlebnis?
  2. Was war dein bisher übelstes Online-Erlebnis?
  3. Wann hast du zum letzten Mal einen Fax benutzt?
  4. Welchen Online-Promi möchtest du mal persönlich kennenlernen?
  5. Was möchtest du am liebsten online erledigen können, was heute noch nicht möglich ist?
  6. Was würdest die nie online abwickeln?
  7. Wärst du bereit deine Gesundheitsakte online zu verwalten (und wenn nein, warum nicht)?
  8. Was wird am Web am meisten überschätzt?
  9. Wie schaffst du es, dass du dich mit dem Web nicht zu fest ablenkst?
  10. Wenn du Twitter und Facebook mit einem Essen beschreiben müsstest, was würde in der Menükarte stehen?

Marketingleiter, ledig, sucht….

… eine Marke zum Verlieben

Nach zwei wundervollen, mehrjährigen Beziehungen zu den Marken Netcetera (B2B) und Brack.ch (B2C) suche ich ab November 2013 eine neue Marke, der ich meine Treue schwören und die ich auf Händen tragen darf.

Meine Mitgift

Ich sorge dafür, dass du

Für Brautschau auch gerne mal im Anzug

Für Brautschau auch gerne mal im Anzug

  • im besten Licht dastehst (Marketingkommunikation, PR)
  • geschätzt wirst und dich erfolgreich weiterentwickeln kannst (Markenpositionierung, Markenaufbau und -führung)
  • mit einer ausgeklügelten Koordination erfolgreich bist. (Integrierte Kommunikation)
  • immer mit der Zeit gehst. Falls du also mit Online Marketing, Mobile, Social Media oder E-Commerce noch nicht so viel Erfahrung hast, kein Problem, ich bringe das mit.
  • auch mal ausgefallene Dinge ausprobierst, die wir vielleicht beide noch nicht kennen
  • an Events und mit Sponsoringaktivitäten eine gute Falle machst
  • auch mal einen neidischen Blick erhältst

Mich zeichnet eine professionelle, zielgerichtete und methodische Vorgehensweise aus, die Ergebnisse schafft und keine Marketing-Schlagworte. Ich führe fordernd und fördernd. Dabei ist mir wichtig, dass Raum für Kreativität und Querdenken geschaffen wird. Gespräche, schöne Texte und Musik sind meine Inspiration.

Was ich mir von dir wünsche:

  • Mehr 360-Grad-Marketing, anstatt nationaler Adaption von internationalen Konzepten
  • Eine Vorstellung, wohin du dich mittel- und langfristig entwickeln möchtest
  • Einen offenen Geist, der den Wert von Mitarbeitern erkennt
  • Dass du deiner Intuition auch mal den Vorzug gegenüber der Zahlenflut lässt
  • Moderne Umgangsformen
  • Am liebsten eine Abteilung / ein Team, das ich führen darf

Da ich mein Herz auch an Zürich verloren habe, ziehe ich vor, wenn du in Zürich lebst oder hier zumindest eine Zweitwohnung hast.

Übrigens

Falls du jetzt denkst. „Ja, ja, das sagen sie am Anfang alle!“, bestätigen dir meine früheren Liebschaften gerne, dass ich keine leeren Versprechen abgebe. Branchenzugehörigkeit ist mir nicht so wichtig, schliesslich habe ich bereits für die Industrie, IT, Finanzdienstleistung und den Handel gearbeitet.

Melde dich!

Wenn du dich angesprochen fühlst, melde dich bitte — mit dem untenstehende Kontaktformular — bei mir, dann erzähle ich dir gerne mehr über mich. Falls nicht oder wenn du bereits einen beneidenswerten Markenflüsterer hast, freut es mich, wenn du meine Anzeige weiterleitest.

Vielen Dank, Marc Werlen

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Vielen Dank für deine Antwort. ✨

Das elektronische Bild ist für SBB immer noch Neuland

Als ich vor einem Jahr ein GA kaufen wollte, geriet ich wegen eines Fotos, das partout physisch abgeliefert werden muss, auf eine Odyssee. Jetzt, ein Jahr später, stelle ich fest, dass elektronische Daten der SBB noch immer Probleme bereiten.

Kein neues GA

Mein GA wollte ich nicht verlängern, weil sich meine Lebensumstände geändert haben und das GA mir darum keinen Mehrwert bietet. Auch die SBB möchte wohl nicht, dass ich das GA verlängere, denn entweder habe ich die Meldung verpasst oder ich habe keinen Hinweis für die Verlängerung erhalten. Das muss ja auch nicht sein, wäre aber noch hübsch, um die Bestandskunden bei der Stange zu halten. Andere Firmen  tun das und bieten Bestandskunden, die das wohl zweitteuerste Produkt (GA 2. Klasse) kaufen, auch noch Zusatzleistungen an. Das macht die SBB vielleicht auch, aber auch das habe ich nicht mitbekommen. Die App, ein physisches Schrieben, oder auch per E-Mail (wo es halt vielleicht untergeht) böten hierzu Gelegenheit für Hinweise.

Da wir also beide nicht wollten, dass ich weiter ein GA habe, habe ich mich für einen ZVV-Netzpass für einen Monat und für ein Halbtax-Abonnement entschieden. Das sollte auch nicht auf meinem Telefon sein, denn weil mein Telefon ein Smartphone ist, geht dem immer wieder der Saft aus und dann stehe ich zwar mit gültigem Ticket da, kann es aber nicht präsentieren, was die SBB verständlicherweise nicht mag.

Verstaubt

Ich begab mich zum Hauptbahnhof, zog mein Los und setzte mich in den Warteraum. Das ist etwas antiquiert, wo es doch online geht, aber für einen Dialog mag ich den persönlichen Kontakt. Als ich auf mein Losglück wartete, fiel mir der Fotoautomat auf und in der Vorahnung was folgen würde, dachte ich: „ou Mist!“.

Ding! Ich war an der Reihe. Die freundliche Kundenberaterin hatte sehr schnell mein Profil auf ihrem Schirm, denn blöderweise hatte ich das abgelaufene GA nicht mehr mit. CRM, geht ja. Sie wies mich darauf hin, dass mein Foto doch etwas antiquiert sei. Da gab ich ihr recht, schliesslich wollte ich es darum vor einem Jahr ersetzen. Sie verstand aber nicht, dass ein physisches Foto genauso verstaubt ist und die ganze Geschichte vor einem Jahr wollte ich ihr nicht eröffnen. Ich verstand auch, dass das gegen ihren Prozess geht und Prozesse in grossen Firmen nur schwer zu ändern sind. Trotzdem wurde sie – genau so wie ich – etwas unwirsch ob meines Widerstandes jetzt noch schnell für zwei Minuten ein Foto zu machen (und mich wohl wieder zuhinterst in die Warteschleife zu setzen). Ich sähe gar nicht mehr so aus, wie auf dem Foto, meinte sie und auch da gab ich ihr Recht.

Wie ich mich erinnerte, war mein Foto aber neun Jahre und elf Monate alt, worum ich sie bat, es weiter zu verwenden. Das in der Hoffnung, dass vielleicht in einem Jahr auch die SBB im 21ten Jahrhundert landet und ihren Bestandskunden ein Profil ermöglichen, auf dem sie ein Foto hochladen können oder sie gucken sich den Prozess „vor-Ort-Digitalbild-erstellen“ des Passbüros ab, die können das.

Ticket in unpraktischer GrösseAch, wenn wir beim Entstauben sind: Dieses Ticket-Format ist eigentlich auch im letzten Jahrhundert ausgestorben.

Das Problem der Transparenz

Breitbandantibiotika„Mehr Transparenz!“ ruft es derweilen aus aller Welten Wäldern, quasi als Breitbandantibiotika gegen alle gesellschaftlichen Krankheiten: Lohnungleichheit, proprietäre Daten, etc. pp. Transparenz ist ein wichtiges Mittel zur Bekämpfung von Ungerechtigkeit, kann sie aber auch verschärfen. Den Schlüsselgedanken für diese Erkenntnis gab mir das Referat des Philosophen  Richard David Precht  anlässlich des Marketingtages 2013. Er deutete das Experiment an Bonobs anders als „die Welt„. Er behauptet — und führt das Experiment als einen seiner Beweise an — dass der Mensch keinen angeborenen Gerechtigkeitssinn, sondern einen angeborenen Ungerechtigkeitssinn hat. Das tönt zunächst identisch und führt wohl auch oft zu demselben Resultat, basiert aber auf anderen Motiven. Es geht mir weniger um die Wortklauberei („Gerechtigkeit“ beschäftigt die Philosophen schliesslich schon seit Jahrtausenden), sondern um die Hilfe im Urteil, ob mehr Transparenz auch zu einem besseren Resultat führt.

Übrigens wird dem Ruf nach Transparenz selten ein Wort der Reichweite beigemischt. Für wen soll die Information transparent sein? Für alle, für relevante, für einzelne? Beispielsweise macht es — für mich — recht viel Sinn, dass meine Krankengeschichte für einen behandelnden Arzt transparent ist, jedoch wenig Sinn, dass sie auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist.  Das zeigt, dass der Begriff „Transparenz“ für sich selbst schon ein schwieriger ist. Denn wie nennt man das Beispiel? „Selektive Transparenz“ oder „Semi-Transparenz“.

Zur Veranschaulichung habe ich zwei Beispiele angefügt, die zeigen, dass die Beurteilung der Transparenz durch den Ansatz eines Ungerechtigkeitsverständnisses einfacher fällt.

Beispiel 1 – Die Untreue

Gerade letzte Woche habe ich von einem Kollegen erfahren, dass er mit seiner Ehefrau, mit der er schon seit Jahren verheiratet ist, eine Abmachung betreffend „Ausrutschern“, also Seitensprüngen hat. Sie haben abgemacht, dass sie sich einen Ausrutscher nicht erzählen würden. Sie lassen ihren Partner— dem Menschen, dem sie am meisten vertrauen — deswegen also komplett im Dunkeln. Sie machen das, weil sie wissen, dass der/die Gehörnte sich ungerecht behandelt fühlen würde und dass so etwas — eine Ausrutscher im Sinne des Wortes — einfach passieren kann und erst dann zum Problem wird, wenn die Probleme ganz an einem anderen Ort liegen, wo sie dann hoffentlich auch zur Sprache kommen.

Beispiel 2 – Die Managerlöhne

Vorweg: Ich find die Dimensionen, die Top-Managerlöhne angenommen haben auch verwerflich und nicht mehr logisch zu rechtfertigen. Aber was passiert, wenn die Managerlöhne für einen grossen Kreis offengelegt werden?  Würde Herr Brady Dougan auf Lohn verzichten, weil es gerechter wäre, dass er nicht mehr Lohn als seine Kollegen mit vergleichbarem Job erhält? Wohl kaum.

Würden seine Kollegen in vergleichbarer Position darauf pochen, dasselbe zu verdienen, weil sie sich sonst ungerecht behandelt fühlen? Sehr wahrscheinlich.

Als Resultat würde die gesamten Managerlöhne weiter ansteigen und die Lohnschere noch weiter aufgehen (kleiner Einschub: Nein, eine 1:x-Regelung macht da keinen Sinn, weil mit Regelung von Extremwerten die Lage einer Verteilung nur unzulässig verbessert wird. Bitte erspart mir einen Statistik-Blogbeitrag, danke).

Transparenz — Kein Breitbandmedikament, nur für überlegten Einsatz empfohlen

Ich meine, es gibt viele weitere Beispiele, die beweisen, dass die Förderung von Transparenz nicht zu einem besseren Resultat führt. Darum meine ich, dass Transparenz als Wirkstoff nur sehr gezielt eingesetzt werden sollte. Beispielsweise um als Bürger zu erkennen, welche Interesse ein Politiker verfolgt, oder Qualitätsbezeichnungen von Lebensmitteln. Doch wann anwenden? Als Entscheidungshilfe finde ich den Fünf-Schritte-Prozess spannend, den der Sicherheitsexperten Bruce Schneier empfiehlt, um zu entscheiden, ob eine Massnahme zur Verbesserung der Sicherheit taugt. Für die Transparenz würde ich noch einen zusätzlichen Punkt (0) hinzufügen:

0) Für wen soll die Information transparent sein?
1) Was für ein Problem löst die Transparenz?
2) Wie löst die Transparenz das Problem?
3) Welche neuen Probleme bringt die Transparenz hervor?
4) Welche ökonomischen und soziologischen Kosten löst die Transparenz aus?
5) Ist die Transparenz diese Kosten wert?

Diese Überlegungen auf Basis eines angeborenen Ungerechtigkeits-Empfindens anzustellen, hilft bei der Beurteilung gesellschaftlicher Probleme und nicht nur dem der Transparenz.

Das Öko-Feigenblatt

Ich lebe in der Stadt und besitze nur ein Motorrad. Das ist ökologisch nicht die Weisse Weste, brauche ich es zumal auch mal nur für eine Ausfahrt. Obschon ein Durchschnittsverbrauch von 5l/100Km für eine Maschine mit grossvolumigem Motor (1200cc) als sehr gering gilt, ist das doch eine Menge, wenn man das Gewicht mit dem eines Autos vergleicht. Nun, der Luftwiderstand ist halt immens grösser als bei einem Auto (ein gutes Auto hat einen cw-Wert von ca. 0.28, ein Motorrad etwa 0.7) und da dieser mit zunehmender Geschwindigkeit im Quadrat steigt, ist schnell klar, woher der Verbraucht kommt.  Ein Auto besitze ich dafür keines oder nur temporär, wenn ich mir eines über Mobility Car-Sharing borge. Wenn man das Fahrzeug für einen ganzen Tag braucht, kann das auch ganz schön teuer werden, darum bieten sie dafür die Möglichkeit, bei gängigen Autovermietern ein Fahrzeug zu mieten. Tolle Sache, Mobility und ökologisch sehr sinnvoll.

Emotionen steuern die Wahl

Fahrzeug Citroën DS5

Dass wir uns bei einem Kauf(oder Miet)-Entscheid von unseren Emotionen steuern lassen, ist nichts Neues. Ich merkte das, als ich sah, dass ich für nur 10 Franken mehr statt irgendeiner namenlosen Büchse eine Alfa Romeo Giulietta mieten konnte. „Herz hüpf, schönes Auto, endlich mal sehen, ob die Alfas denn wirklich so tolle Autos sind“, sagte das Teufelchen auf meiner Schulter. Das Engelchen sagte: „Schau dir mal den Verbrauch an, da kannst du bei geplanten 300 Km gleich für 10 Franken eine Klasse höher, mit noch tieferem Verbraucht buchen und fährst günstiger. Zudem ökologisch, ey!“ Was soll ich sagen? Das Teufelchen gewann.

Bei der Buchung stand da: „oder vergleichbar“. Ich ahnte schon, dass ich ein vergleichbares Fahrzeug erhalten würde,  bekam dann einen Citroën DS5 Hybrid. „DS“ oder eben „Deesse“ bezeichnete damals  -zurecht- die Göttin der Fahrzeuge. Heute sieht die Kiste mehr aus wie ein Transformer aus den bekannten Hollywood-Filmen. „Ein Auto voller moderner Technik“, beteuerte die Vermieterin. Da hatte sie recht.

Der Öko-Schwachsinn

Ich stieg also ein und stellte mal Spiegel und Sitz ein. Dafür betätigte ich etwa 20 Elektromotoren. An die Spiegelverstellung hat man sich unterdessen ja gewöhnt, ist auch praktisch. Aber wieso muss man den Sitz elektrisch mit einem schweren Kerl darauf sitzend verstellen könne? Ich meine, bei konventionellen Fahrzeugen mache ich einen Griff unter den Sitz, Zack! im letzten Rastpunkt: schnell, einfach, praktisch. Aber das ist wohl wie mit der Klimaanlage, die ist ne Verbrauchsschleuder, aber halt einfach so praktisch, dass ich sie auch nicht mehr missen möchte. Daneben hatte es ein Head-Up-Display, das sich elektrisch verstellen lässt, drei elektrische Dach-Rollos, ein elektrischer Kofferraumdeckel, Massagesitze und ein Staufach in der Armablage das gekühlt und beleuchtet ist. Das ist alles praktisch, aber ökologisch kompletter Schwachsinn.

Mit weniger Fahrzeuggewicht und weniger elektrischen Verbrauchern könne der Verbrauch wohl am wirkungsvollsten gesenkt werden.

Man kann sich zudem überlegen ob es sinnvoll ist, ein Fahrzeug für den Hybridantrieb ca. 300Kg schwerer zu machen. Das Hybrid-Fahrzeug wiegt rund 1800 Kg! Zum Vergleich: Das einzige alltagstaugliche Auto, das ich je besass, war ein gebrauchter, alter (Jahrgang 1986) Saab 900 Aero Turbo. Der hatte auch den ganzen elektrischen Schnickschnack, einen aufwändigen Motor und dickes Blech. Dieser „Schwedenpanzer“ wog damals 1300 Kg (und verbrauchte 10l/100Km).

Da ich mit dem DS5 vor allem auf der Autobahn unterwegs war, lief der Elektromotor eher selten, ausser es war Stau (es war) und für das Rollen in der Stadt. Die Überraschung kam an der Zapfsäule, als ich für etwas mehr als 300 Km etwas weniger als 20l Diesel nachtanken musste. OK, war von der Vermietung wohl nicht ganz voll (alter Trick), der Motor hatte erst 3000 Kilometer auf dem Buckel, die Klimaanlage musste bei 35 °C ordentlich arbeiten und im Stau hatte ich auch die Massagefunktion eingeschaltet, das macht man dann halt wie automatisch, überall rumdrücken. Aber man kann es drehen und wenden wie man möchte. Das ist massiv zu viel. Dass der Motor „Airdream“ (!) heisst, wirkt dann fast zynisch.

Ein Feigenblatt für die Ökologie

Ein Hybrid-Auto mit 1800 Kg Gewicht, dessen Diesel säuft und der mit Elektromotoren und -Verbrauchern nur so vollgestopft ist, soll uns das Gewissen beruhigen. Offenbar funktioniert das, denn die Fahrzeuge werden allgemein von Jahr zu Jahr schwerer und es gibt kaum kritische Stimmen gegen Hybrid-Autos. Zudem, weil ich auch nicht weiss, was mit all den Batterien mal geschehen wird (weiss das jemand?). Wie auch immer, es wird auf jeden Fall viel graue Energie brauchen für die Aufbereitung und Entsorgung.

Nichtsdestotrotz glaube ich, dass der Hybrid-Antrieb in die richtige Richtung geht, es sicher bessere Hybrid-Fahrzeuge als den DS5 gibt und wenn mal eine Wasserstoff-Brennstoffzelle die Batterie ablöst und der Verbrennungsmotor nur noch für Vortrieb dient (tschüss Alternator), dann haben wir wohl einen sehr grossen Schritt gemacht. Dass Autos wieder leichten werden, daran glaube ich nicht, wenn ich sehe, wie viele SUVs und hubraumstarke Fahrzeuge so in der Stadt unterwegs sind. Vielleicht sollten wir uns überlegen, in unseren Schulen statt Frühenglisch, Physik und Ökologie einfliessen zu lassen, damit wir künftig besser erkennen, wenn uns Öko-Feigenblätter vorgehalten werde. Das ist Polemik, zugegeben.