Wenn einer eine Reise tut…

Es gibt Urlaub und es gibt Reisen. Auch ich mag es mal abzuschalten und mich für eine Woche dem süssen Nichtstun hinzugeben. Noch mehr mag ich aber das Reisen. Leider fehlt mir dazu manchmal die Möglichkeit, das so zu tun, wie ich möchte und manchmal auch ganz einfach die Lust. Irgendwann werde ich dem Nichtreisen aber überdrüssig und dann packt es mich, wie dieses Jahr. Die skandinavischen Länder standen schon lange auf meiner Wunschliste, aber zwei Wochen an einen See in Schweden Angeln gehen, da wäre mir wohl der Himmel auf den Kopf gefallen. So entschied ich mich für eine ein wenig abenteuerliche Reise, die mit dem Motorrad ans Nordkap und wieder zurück. Zumindest von Hamburg aus, bis dahin und von dorthin nehme ich den Autozug (bei dessen horrenden Preisen ich mich schon frage, wie die es schaffen, diese Dienstleistung nicht rentabel gestalten zu können, ganz nebenbei gesagt).

Reisen ist immer ein Abenteuer

Im Gegensatz zum Urlaub ist Reisen immer auch ein Abenteuer. Man lernt neue Leute kennen und du durchreist ein oder mehrere Länder mit ihrer ganz eigenen Natur, ihrem Duft, ihrer Eigenart. Für mich ist Reisen auch immer eine Reise zu mir selbst. Ein gute Gelegenheit, sich zu überlegen, was man schon lange von Bord werfen wollte, was es auszuprobieren gibt und was man im Leben anders oder weiter gleich machen möchte. Da ich nicht gerne sehr lange Motorrad fahre und Fisch nicht eben zu meiner Leibspeise gehört, habe ich so schon zwei kleine Abenteuer vor mir, zu denen ich einen neuen Zugang finden möchte.

Vorbereitung ist die halbe Miete

toeffMit dem Motorrad fast drei Wochen zu reisen, bringt so ein paar Sachen mit sich. Es ist nicht ganz ungefährlich und man muss sich auf das Nötigste an Gepäck reduzieren, eine Hose und ein paar Schuhe müssen es tun, auch wenn ich sonst nie mehr als zwei Tage nacheinander dieselben Schuhe trage. So habe ich als Vorbereitung schon mal ein zweitägiges Enduro-Training absolviert, auch wenn ich auf befestigten Strassen unterwegs sein werde, aber es gibt einem halt ein extrem gutes Gefühl für die Maschine.

Ein Reiseblog

Auf die Frage über Twitter habe ich mich entschieden einen Reiseblog zu führen. Ob ich das während der ganzen Reise tun werde, weiss ich nicht, mal sehen, wie viel Lust ich danach habe, wenn ich 6 Stunden im strömenden Regen gefahren bin und alles nicht mehr richtig trocken werden will. Bilder von mir (Selfies) wird es keine geben, soviel vorweg. Nachdem sich der Blick ungefragt am Facebookbild meines tödlich verunglückten besten Freundes bediente und es unmaskiert auf die Titelseite druckte, bin ich ein gebranntes Kind, das war der absolute Horror. Darum habe ich mich auch aus obigem Bild (etwas billig) wegretuschiert. Und diejenigen von euch, die jetzt «Hä? Spinnt der?» denken, kennen mich zu wenig. Sich den Risiken einer Reise bewusst sein, gehört bei mir dazu. Es kann einem immer ein Rentier oder sonst jemand mit gleich viel geistiger Rechenleistung vor oder in das Motorrad fahren, hoffentlich bleibt es dann bei einem einfachen Umfaller. Zudem hilft mir der Gedanken heil anzukommen auch dabei, meinen Übermut im Zaum zu halten und noch vernünftiger unterwegs zu sein als sonst. Thema abgehakt.

Bevor es losgeht werde ich wohl noch ein paar Beiträge über die Vorbereitung schreiben. Auf der Reise nehme ich dann die auf Twitter an mich herangetragenen Wünsche zu Herzen:

  • Unbedingt / ja nicht Hotelempfehlungen (was jetzt?)
  • Routenvorschläge
  • Persönliche, kleine Erlebnisse
  • Tipps und Fotos
  • Besonderheiten der besuchten Ziele
  • Ein- und Durchsichten

Aye! Hier mal vorweg meine Reiseroute

Der Kunde im Zentrum

10365845_726574974064926_704206452789269645_nAls Marketingleiter reagiere ich immer mit: „was denn sonst, den Kühlschrank?“, wenn ich wieder mal lese, dass ein Unternehmen neu den Kunden ins Zentrum stellen will. Was es wirklich heisst im Zentrum zu stehen, wurde mir aber bei meinem Motorrad-Mechaniker – dem Töffmech – wieder einmal bewusst. „Beim Töffmech?“, magst du jetzt fragen, mit Vorstellungen von hohen Rechnungen und schulterzuckenden Werkstattchefs. Zugegeben, der Ruf der Motorrad- (und wohl auch Auto-) Mechaniker steht nicht zum Besten.

Ich, der wohl nicht mehr ganz zeitgemässe Käufer

Ich als Käufer bin ein schlechter Feilscher. Der Preis muss stimmen, klar, aber ich renne nicht jedem Schnäppchen hinterher und ich füge auch nicht jeder Diskussion um ein Kaufgeschäft „können wir noch was am Preis machen“ an. Das sei – zumindest wenn ich auf manche Kolleginnen und Kollegen höre – nicht besonders schlau. Das mag sein, aber es ist mein Verständnis von Fairness. Genauso wie ich dafür meine Leistung einfordere wenn etwas nicht stimmt. So hat mich Alpinestars mit einer Produktqualität, die nicht im geringsten dem Kaufpreis entspricht und einem Kundenservice, der nach dem Verkaufsbeleg aufhört, als Kunde verloren.

Arrigoni Sport. Ein Motorradhändler mit der Sicht aufs Ganze

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Umso mehr hat mich das Erlebnis mit meinem Töffmech überrascht. Ich habe mir letztes Jahr erstmals ein fabrikneues Motorrad gekauft. Ein wunderbares Gefährt, das mir, der kein Auto besitzt, viel Mobilität und auch viel Fahrspass bietet. Aber es gab einen Punkt, der mich immer störte und den ich seit Anbeginn bei meinem Töffmech monierte. Die Situation verbesserte sich, als ein Teil auf Garantie getauscht wurde, aber es war noch nicht gut. Der Töffmech fand nichts Auffälliges und der Hersteller auch nicht. „Und was, wenn ich jetzt in zwei Jahren einen Schaden am Motorrad habe? Dann will ich nicht am Berg stehen“, meinte ich zum Töffmech. Er reagierte erst nicht und bot mir an, dass ich direkt mit dem Hersteller sprechen soll. Das ging für mich in Ordnung, weil mit einer Zwischenstation in der Kommunikation immer etwas auf der Strecke bleibt und es letztlich um mich und den Hersteller ging.

Eine Woche danach meldete sich der Werkstattchef und teilte mir nicht die Kontaktinformationen mit, sondern dass sich der Inhaber entschieden habe, das besagte Teil auszuwechseln. Ich war sprachlos – wer mich kennt, weiss was das bedeutet. Wie ich nachher erfuhr, kostete nur schon das Material einen mittleren vierstelligen Betrag und der Austausch brachte rund einen Tag Arbeit mit sich.

Ich bin nicht der Kunde, der jeden Tag ein und aus geht. Ich bringe rund einmal im Jahr den Töff in den Service, stelle ihn über Winter bei ihm ein und zeige auch Verständnis, wenn mal etwas nicht ganz so läuft, wie ich mir das vorstelle. Wo gehobelt wird, fallen schliesslich Späne. Dani Arrigoni, der umsichtige Besitzer, begründete seinen Entscheid just damit, dass ich jahrelanger Kunde bin, mich immer korrekt verhalten habe, den Punkt seit Beginn immer wieder erwähnt habe und er mir darum Glauben schenke, dass etwas nicht in Ordnung sei, auch wenn sie den Fehler nicht reproduzieren konnten.

Dass ich meine Motorrad weiterhin nur in die Hände von Arrigoni Sport lasse, ist wohl klar und um den Kühlschrank auch mal wieder ins Zentrum zu stellen, hatte ich mein Topcase mit ein paar kühlen Bieren aufgeladen, bevor ich meinen Töff zur grossen Operation brachte. Oder wie Philipp Maloney sagen würde: „So geht das!“

PS: Und wenn du dich fragst, was es denn jetzt gewesen ist, was getauscht wurde, dann muss ich dich enttäuschen. Ich möchte schliesslich nicht, dass jemand das liest und dasselbe ohne Grund behauptet.

It’s about time – not

timeApple hat eine Uhr auf den Markt gebracht. Es wurde deshalb viel über Uhren gesprochen, viel über den Einfluss, aber wenig über Märkte. Darum meine ich:

  1. Geht die Schweizer Uhrenindustrie vor die Hunde? Nein
  2. Wird die Apple Watch ein Erfolg? Ja, in USA und Europa
  3. Ist die Apple Watch ein disruptives Produkt? Nicht die Bohne!

Aber von vorne:

„In welchem Markt sind Sie tätig?“

Das fragte mein Lehrer jeweils. Die Frage schien trivial zu beantworten zu sein. Doch aus dem Café-Markt wurde schnell ein „Daheim aber anderswo“-Markt bei Starbucks oder eben aus dem Uhrenmarkt ein Zeitanzeige-Markt. Das kann man als akademisch abtun, aber wenn man herausfinden möchte, wer einem konkurrenziert, dann ist das essenziell, diese Nuancen zu kennen. Denn was hat das Flugzeug mehr konkurrenziert? Der Zug oder die Telefonkonferenz?

Wer ist heute im Zeitanzeigemarkt führend? Wohl die Mobiltefone und auch noch die Uhren.

Welchen Markt greift den die Apple Watch an? Den Markt um Quantified-Self-Produkte (oder von mir aus der Ich-will-das-Logfile-von-mir-Markt) und den Markt für mobiles Zahlen. Die Anzeige der Zeit ist ein nettes Nebenprodukt wie das Telefonieren eines ist, seit Apple mit dem iPhone gezeigt hat, dass der Markt kein Telefoniemarkt mehr ist, sondern ein unterwegs-das-Internet-nutzen-Markt.

Geht die Schweizer Uhrenindustrie zugrunde?

Absatz vs. Umsatz. Das soll Apple zum Einstürzen bringen? Ich glaube nicht. Bild aus „W The Journal“

Nein, denn die Apple Watch bedient die oben genannten Märkte, die teuren Schweizer Uhren den Markt für gehobenen Lifestyle, bei der aktuellen Zinsituation vielleicht sogar den Anlagenmarkt.

Schwierig wird es für diejenigen, die etwas hübsch die Zeit anzeigen möchten, die Gadgets für Quantified-Self und für all die nerdy-Techkram-Zeitanzeiger. Am stärksten ist gefährdet, wer z.B. ein Golf-GPS für ans Handgelenk bietet, oder Pulsuhren, oder Uhren im Preissegment von 100 – 500 Franken. Eine Swatch kostet 180 Franken, die iWatch 350, eine Omega Speedmaster 4000. Wäre ich Fossil, Garmin, Casio, Seiko, Suunto und wie sie alle heissen, dann würde ich mir schon mal den Muff ausmotten oder das Katzenfell.

Guckt man sich den Absatzmarkt der Schweizer Uhren an (siehe Studie Credit Suisse), und überlegt sich, wo denn die Apple Watch so hinzielt, gibt es wenig Überdeckung. Der Anteil an Exporten nach USA geht schon seit Jahren zurück wie in fast gleichem Masse der Export nach Hongkong ansteigt. Klar Export heiss noch nicht, dass auch in denselben Markt abgesetzt wird, aber ein gutes Indiz ist es dennoch.

Ein weiterer Aspekt, der aufzeigt, wo die Entwicklung des Schweizer Uhrenmarktes stattfindet, ist der Anteil mechanischer Uhren. In den letzten Jahren ist dieser auf fast 25% angestiegen. Ein Käufer einer solchen Uhr würde die Apple Watch kaum als Substitut ansehen, sondern als Komplementärgut.

Und Swatch?

Hauptabnehmer für Kleinuhren aus der Schweiz ist China, mit fast 30%. Werden diese Kleinuhren dort von der Apple Watch, also einem Produkt aus der USA verdrängt werden? Ich habe so meine Zweifel, wenn ich mir die weltpolitische Lage so überlege. USA, Japan, Europa VAE wird wohl der Hauptabsatzmarkt der Apple Watch sein.

Zugegeben: Ich weiss (immer noch) nicht, wieso Swatch so gut funktioniert. Wohl, weil sie im Accessoire-Markt tätig sind und darum wird Swatch wohl auch nur indirekt von der Apple Watch konkurrenziert werden. Ein weiterer meiner Gedanken zur Konkurrenzsituation: Ich kenne niemanden in meinem Freundeskreis, der heute eine Swatch kauft/trägt, aber einige, die wohl bald mit einer Apple Watch am Handgelenk rumlaufen werden

 Die Position am Markt ist entscheidend (einmal mehr)

Man kann es nur gebetsmühlenartig wiederholen. Wer sich ausschliesslich tief hängenden Früchten widmet oder sonst etwas im Markt rumeiert, wer also seine Position im Markt noch nicht gefunden hat, sollte schnell eine Lösung finden, das Zeitfenster schliesst sich wegen der Apple Watch rasant. Gleiches gilt, wer mit einem „wearable“-Produkt sein Stammgeschäft erweiterte.

Apple, ein proprietäres System mit geschlossener Markt – Reichweite limitert

Ich kann mir gut vorstellen, dass die Apple Watch in USA und Europa einen guten Erfolgt erzielen kann, da aber mit beschränkter Reichweite.

Apple schafft dank der starken Markenabhängigkeit ihrer Käufer, was sich andere nur wünschen können. Darum schafft es Apple auch fast immer, die kritische Hürde für ein Produkt zu nehmen, weil ihnen die Appelisten alles aus den Händen reissen, was sie bauen, egal wie gut dass das ist. Davon können Google und Microsoft genauso träumen, wie all die Crowd-Funded-Startups.

Das Problem ist, dass Apple durch die Proprietärität ihrer System in der Reichweite begrenzt ist. Das hat sich beim iPhone gezeigt, das rasant in den Markt der Smartphones einfiel und in horrender Geschwindigkeit Marktanteile gewann. Aber seit Jahren verharrt Apple auf einem Marktanteil von 15-20 Prozent. Ein grossartiger Wert, ohne Frage, aber eben nicht ausbaufähig. Sollte sich also Apple mit seiner Uhr im Quantified-Self-Markt der USA und Europa 20 Prozent sichern, wird das der Schweizer Uhrenindustrie wohl nicht weh tun, ganz im Gegensatz zum Fuelband, Jawbone, etc.

Die Gefahr liegt dort, wo keine Bewegung ist

Aus all den genannten Gründen meine ich, dass die Apple Watch den Zeitanzeigemarkt nicht einbrechen lassen wird. Es ist schlicht eine andere Situation als bei der Lancierung des iPhones, denn wenige sahen das Telefon als Lifestyle-Produkt vergleichbar mit einer Uhr mit mehreren Tausend Franken Wert,  noch wenigere als Wertanlage . All meinem Abwiegeln zum Trotz wird die Schweizer Uhrenindustrie gut daran tun, die Apple Watch nicht mit einem Lächeln abzutun. Denn zu wissen, in welchem Markt man tätig ist und eine klare Position darin zu finden, wird durch das neue Gadget von Apple umso wichtiger werden.

Fujifilm X-E2: Wenn Hersteller meine Wünsche besser verstehen als ich

XE2 Foto: (Mein Schnuckelchen) by Boris Baldinger

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Red eyes hard to be avoided

Meine erste Kamera war eine Voigtländer VITOMATIC IIa. Die alte Sucherkamera von meinem Vater, mit festen 1:2.8/50-Objektiv. Eine wunderbare Kamera, ohne jegliche Elektronik, mit Kelle und Markirungsnadel als Belichtungshilfe usw. Die Kamera war praktisch, weil sie in eine Jackentasche passte und gut, weil sie eine schnelle Linse hatte. Damit gelangen mir – der s/w-Fotografie liebt – zuweilen auch mal aussergewöhnliche Bilder.  Etwas weniger praktisch war der Blitz der kaum brauchbare Aufnahmen lieferte, aber dafür abenteuerlich aussieht. Doch  ich hatte Lust auf Wechselobjektive und einen Spiegel, später dann noch auf eine Digital-Kompaktkamera. Beide begleiteten mich noch vor drei Jahren auf Safari, weil mir die Digital-SLR immer zu gross, zu schwer waren und schlicht zu teuer.

old irish man in a pub

Old man in the pub (mit einer Kamera damals schon fast 40-jährig)

Fujifilm? Oh yeah baby!

Irgendwann erreichte mich die Welle des Hypes um die Fujifilm X100. Ich war angetan davon, denn ich mochte das Vintage-Design, das mich an meine Voigtländer erinnert und ich meine, Spiegel sind seit man Sensoren belichtet für den Amateurbereich dem Tod geweiht. Wenn mich Kolleginnen und Kollegen fragten, was man denn so kaufen soll, antwortete ich „Systemkamera“. Doch der Mythos der besseren Qualität von Spiegelreflex-Kameras hielt sich hartnäckig, sie trauten sich meistens nicht für den Schritt und beklagten sich danach über das Gewicht und die unpraktische Grösse für Unterwegs. Ich selbst hielt mich daran, als ich meinte, es sei Zeit, die Doppelstrategie von Analog-Spiegelreflex und Digital-Kompaktkamera aufzugeben. Da ich nicht in die selbe Limite wie damals mit dem 50mm-Festobjektiv der Voigtländer laufen wollte, sprang die Fujifil X-E2 mit ihren Wechselobjektiven in den scharfen Bereich meiner Kauflust. Sie hatte einfach alles: Vintage Design, klein, leicht, hervorragende Bildqualität und jede Menge Funktionen.

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Wasser, Himmel, Kontraste, wunderbar (und das mit der Zoom-Linse)

Die Erwartungen übertroffen

Als ich sie zum ersten Mal in den Händen hielt, bemerkte ich die Verarbeitungsqualität. Ein Aspekt im Produktdesign, den ich überdurchschnittlich schätze und der viel zu oft vernachlässigt wird. Es geht um Emotionen, das Gefühl, wenn man ein Gerät in der Hand hält, die Bedienung erfühlt. Es gibt einem die Rückmeldung, etwas Wertiges gekauft zu haben.
Doch der erste Eindruck schwand nicht. Sie hat mich bis heute nicht nicht aus ihrem Bann  gelassen, die hübsche Kamera aus dem Hause Fujifilm. Erst recht, als ich mir zum Standard-Zoom-Objektiv (das schon gewaltige Bilder produzierte) auch noch das Fujinon XF 35mm f/1.4 R kaufte. Die für rund 550 Franken erstandene Linse liefert Bilder und Tiefenunschärfen, die meinen Zahnarzt schon den Uhrenkatalog durchstöbern lässt, auf die Gefahr hin, dass mir der Unterkiefer auf den Boden knallt.

Kontrovers diskutiert ist der elektronischen Viewfinder. Ich mag ihn sehr, denn für mich als Amateur sehe ich so sofort die Blendenkorrektur, habe die Wasserwaage im Blickfeld, mit dem Druck auf die Tiefenschärfenvorschau gleich alles im Bild was ich brauche und keinen Parallax-Effekt. Die Möglichkeiten sind so vielseitig, dass ich noch lange nicht alle ausprobieren konnte oder gar begreife .Wenn ich Mängel aufzählen müsste, wären es die geringe Batterielebensdauer, dass die Vorschau von hochformatigen Bildern im Querformat angezeigt werden (gibt sicher eine Einstellung dagegen), dass die Remote-iPhone-App, die man als Fernauslöser nutzen könnte, nur für die Pro-Version funktioniert und die je nach Objektiv unterschiedlichen Modi für die manuelle Fokussierhilfe.

Doch das ist schon sehr gesucht, denn ich muss attestieren, hätte ich die Kamera spezifizieren und bauen dürfen, ich hätte das nicht so gut hinbekommen wie  Fujifilm. Genau so hat sich wohl damals mein Vater gefühlt, als er sich die Voigtländer gekauft hatte.

coffee and newspaper

Weitere Impressionen meiner Fujifilm X-E2 auf Flickr

Wie ich den Fussball verändern würde

Blumenwiese

Mehr Fussballblumen

Vorweg, man muss den Fussball nicht verändern. Es gibt immer noch attraktive, tolle Spiele. Dennoch finde ich, eine Überarbeitung des Regelwerks wäre angebracht, denn selbst für eine Armada von Schiedsrichtern (wie viele sind es aktuell? Fünf?) sind Spielentscheidende Fehler immer weniger zu vermeiden. Wäre ich der Fussballgott, ich würde folgende neue Regeln aufstellen:

Offside – Im Zweifel für den Stürmer

Es ist bewiesen, dass ein Mensch den Offside-Entscheid nicht korrekt fällen kann. Die Mannschaften nutzen das immer mehr aus und was früher um duzende von Zentimetern ging, ist heute fast eine Milimeterentscheidung. Ich würde – und ich meinte gar, das ist im Regelwerk sogar so festgehalten – konsequent im Zweifel für den angreifenden Spieler entscheiden. Sprich: ist sich der Linien- und Schiedsrichter nicht sicher, wird nicht gepfiffen. Das würde eine unheimliche Dynamik bringen

Linienrichter neu überdenken

Heute rennen die Linienrichter an der Grundlinie auf und ab. Es wäre doch viel sinnvoller, dass sich diese freier bewegen könnten und sich so  z.B. bei einem Eckball an den Torpfosten stellen können.

Statt einen 5. offiziellen einen zweiten Spielleiter

Jeder übernimmt eine Hälfte und beide sehen immer zwei Sichten des Spiels. Funktioniert im Handball prima und auch das Hockey hat das eingeführt.

Zeitstrafen

Wer eine Gelbe kassiert, geht 10 Minuten raus. Taktische Fouls zu Gunsten einer Gelben liegen so nicht mehr drin und es kann gut sein, dass sich einer überlegt, nicht einzusteigen, wenn einer seiner Kollegen bereits auf der Strafbank sitzt. Trifft die Zeitstrafe einen Torhüter, geht stellvertretend ein Feldspieler auf die Bank.

Zudem könnte man sich überlegen, dass man früher ahndet, die zweite Gelbe aber 15Minuten Ausschluss bedeutet und der Spieler dafür erst bei der dritten gelben Karte die Rote sieht.

Challenge

Einzelne Spielsituationen sind Spielentscheidend. Eine Tätlichkeit, ein Penalty, eine Strafe. Jeder Trainer bekommt für das Spiel eine Challenge. Bei der kann einer der Spielleiter die Szene anschauen. Hat der Challenger Recht, erhält er die Challenge zurück, hat er nicht Recht, verfällt sie.

2×30 Minuten effektive Spielzeit

Wie im Hockey wird die Uhr jeweils angehalten. Gespielt wird zwei Mal 30 Minuten effektive Spielzeit. Das Ganze Brimborium mit Nachspielzeit, sich am Boden Wälzen um Zeit zu schinden, etc. entfällt.

Sinnvolle Kartenregelung bei Penalty

Altes Leid: Torwart macht das Foul und bekommt neben dem Penalty auch noch die Rote aufgebrummt. Neu nur noch den Penalty und wenn das Tackling sehr grob war, Rot, wenn grob Gelb, wenn leicht nix zusätzlich

Spielführer in die Verantwortung nehmen

Rudelbildung ist eine „Saumode“, die es fast nur im Fussball gibt. Bei einer Rudelbildung soll der Spielleiter den oder die beiden Spielführer zu sich zitieren und ihnen erklären, dass Sie im Wiederholungsfall stellvertretend für die Mannschaft eine Gelbe (10-Min Zeitstrafe) erhalten

Würde ich nicht, aber auch eine Überlegung wert:

  •  In Cupspielen Penaltyschiessen vor dem Spiel. Macht die Nachspielzeit spannender
  • Offside nur ab dem 16er

Ich meine mit diesen Regeln würde das Spiel viel attraktiver und flüssiger, das täte dem Fussball gut oder was meint ihr? Übrigens, genau darum, weil der Spielverlauf flüssiger wird, finde ich die Regel mit dem Sprühschaum bei Freistössen eine gute.